Bürgermeister Jens Keucher blickt guter Dinge in die Zukunft – nicht nur wegen der zusätzlichen 8,24 Millionen Euro des Bundes für die Kommune. Foto: Schneider

Viele erfolgreiche Bauprojekte in den Stadtteilen, ein schuldenfreier Kernhaushalt und die Möglichkeit einer eigenen Gartenschau – in Sulz ist die Lage optimistisch.

Für Sulz war 2025 ein erlebnisreiches Jahr. Das Aus für Windkraft in kommunalen Wäldern, die Ablehnung des kommunalen Gewerbegebiets und die Chance auf die Gartenschau 2031.

 

„Alles, was wir erreichen wollten, haben wir geschafft“, blickt Bürgermeister Jens Keucher zurück. So habe der Umzug von Stadtwerke, Stromversorgung und Sozialstation ins neue 3-S-Gebäude auf Kastell für spürbar bessere Arbeitsbedingungen geführt, aber auch Platz am alten Ort, dem Marktplatz 7, geschaffen.

Verwaltung wird umstrukturiert

„Da war es schon so wie bei den Hühnern auf der Stange“, beschreibt er schmunzelnd die damals beengenden Verhältnisse. Mit dem neuen Gebäude seien auch die räumlichen Bedingungen des Fachbereichs Finanzen und Liegenschaften deutlich besser geworden.

„Das ist ein Ergebnis des Organisation-Gutachtens“, verrät Keucher. Künftig obliege ihm als Bürgermeister die Fachbereiche Bürgerdienste sowie Planen und Bauen, während der Erste Beigeordnete Hans-Peter Fauser die Inneren Dienste, Verwaltung, Bildung und Betreuung sowie eben Finanzen und Liegenschaften unter sich habe.

Kalte Nahwärme kommt

Doch auch, wenn die neue Struktur erst zum 1. Januar in Kraft tritt, geplant und gebaut wurde im Jahr 2025 jede Menge. „Unser ‚Vorzeigeprojekt‘ ist das Dorfgemeinschaftshaus Renfrizhausen“, erklärt er. Dorthin werde auch die Geschäftsstelle des örtlichen Rathauses mitumziehen. „Wir liegen genau in der Zeitlinie, die Einweihung ist für Juli geplant“, hält Keucher fest.

Dann werde das Baugebiet „Hintergärten“ an den Start gehen – ebenso wie die „Etzelsteige“ in Mühlheim. Mit kalter Nahwärme wolle man hier auf eine CO²-arme Energieversorgung setzen. „Einen Partner haben wir schon der Hand“, sagt er.

Etwas, wo es auch vorangehe, sei das Interkommunale Gewerbegebiet InPark A 81. „Die Erweiterung hilft Sulzer Betrieben, die expandieren wollen“, erklärt Keucher. Aber auch zusätzliche Unternehmen könnten sich dort ansiedeln. „Momentan gibt es Gespräche zwecks eines Hotels“, sagt er. Über ein Ärztehaus – der Standort sei jedoch noch offen – werde ebenfalls diskutiert.

Für Diskussionen sorgte ebenso das regionale Gewerbegebiet. „Ich bin froh, dass wir einen Schlusspunkt gesetzt haben“, gesteht Keucher. Ob die Entscheidung zur Ablehnung des Projekts auf der Mühlbachebene die richtige gewesen sei, darüber könne man streiten. Aber: „Ich kann damit leben.“

Die Bürgerbeteiligung

Überrascht habe ihn hingegen, dass im Gemeinderat bei diesem Sachverhalt eine Bürgerbeteiligung nicht mehr gewünscht war. „Bei der Entwicklung der Innenstadt und des Wöhrds haben wir gute Erfahrungen damit gemacht“, verweist er auf eine vorherige Aktion.

Doch für Keucher hat die aktive Einbindung der Bürger – für die Sulz den Staatsanzeiger Award 2023 Baden-Württembergs erhalten hatte – trotzdem noch eine Zukunft. Denn diese direkte Beteiligung sei auch für ihn als Bürgermeister ein Gewinn, wenn er bei Entscheidungen wisse, dass da die Bürgerschaft dahinterstehe.

Kommune und Windkraft

Etwas, hinter dem die meisten Sulzer Bürger nicht standen, war die Verpachtung von kommunalen Waldflächen an Windkraftbetreiber. Nun kommen keine Windräder auf Flächen der Stadt, allerdings schreiten die Planungen für Windkraftanlagen im Staatsforst oder im Privatwald voran.

„Das haben wir in unseren Veranstaltungen und Broschüren auch so kommuniziert“, beschreibt Keucher die Situation, dass ein kommunaler Bürgerentscheid eben nur für die Kommune gelte.

Das „grüne Band“

Blickt er auf 2031 – unter der Voraussetzung, Sulz erhält den Zuschlag für die Gartenschau –, ist für ihn klar: „Es wird viel zu tun geben.“ Denn das Großprojekt könne die Aufenthaltsqualität im Städtle enorm steigern.

„Es gibt ein grünes Band zwischen Bahnhof und der Oberen Hauptstraße, nicht nur eine Landesstraße, die die Stadt zerteilt“, schaut Keucher nach vorne. Und auch der Blick ins neue Jahr stimmt ihn optimistisch.

„Die beste Ausgangslage“

Denn von den 500 Milliarden Euro Sonderschulden des Bundes gingen 8,24 Millionen Euro nach Sulz. „Der Bund hat zum Teil erkannt, dass es einen Ausgleich braucht für die Aufgaben, die den Kommunen von Bund und Land übertragen werden“, erklärt er.

Dass die Gelder zwölf Jahre lang warten müssen – so lange stehen sie bereit –, bevor man sie abrufe und für Infrastruktur investiere, glaubt der Bürgermeister nicht. „Das eröffnet Spielräume, sei es zur Straßensanierung oder für neue Baugebiete“, hält er fest.

Positiv sieht Keucher auch den schuldenfreien Kernhaushalt. „Das ist die beste Ausgangslage“, findet er. Und weiter: „Die Gewerbesteuer ist seit Jahren nicht mehr erhöht worden“, betont er – auch für 2026 nicht.

Diesen finanziellen Sachverhalt wolle er den Bürgern als positives Signal ins neue Jahr mitgeben.