Die Klosterkirche war beim 24. Jahresempfang der Stadt Oberndorf gut besucht. Foto: Wagner

Beim Jahresempfang in Oberndorf gab es viel Lob für Ehrenamt und die Kommune. Eine Frage lautete: „Wann waren Sie das letzte Mal auf dem Rathaus, um sich zu bedanken?“.

Mathias Winter hieß die Besucher in der weihnachtlich geschmückten Klosterkirche herzlich willkommen und stellte fest, dass dieses Jahr, das nun zu Ende gehe, kein gewöhnliches gewesen sei.

 

Der Zusammenschluss von Oberndorf, Aistaig, Altoberndorf, Beffendorf, Bochingen, Boll und Hochmössingen jähre sich zum 50. Mal und aus den ehemals selbstständigen Gemeinden sei eine selbstbewusste Gesamtstadt mit gesellschaftlich engagierten Menschen geworden.

Ein attraktiver Wirtschaftsstandort

Winter sprach von einem arbeitsreichen, aber auch erfolgreichen Jahr, in dem man viel habe umsetzen können und nannte beispielsweise Projekte wie den Kindergarten Bochingen oder auch die Sanierung der Gymnasiumturnhalle. Eine Reihe von Maßnahmen sei in den kommenden Jahren geplant und so würden große Aufgaben zu bewältigen sein, führte er weiter aus.

Oberndorf sei ein attraktiver Wirtschaftsstandort und er danke allen Unternehmern der Stadt, die für ein gutes Steueraufkommen sorgen würden. Man werde auch in Zukunft die Wirtschaft fördern, Unternehmen unterstützen und sich für Neuansiedlungen einsetzen. Dies alles gelinge mit einem engagierten Gemeinderat und einer gut aufgestellten Verwaltung, die er hinter sich habe, lobte der Bürgermeister.

Landtag und Windkraft

Aber nicht nur der wirtschaftliche Erfolg, sondern vor allem die vielen ehrenamtlich tätigen Menschen würden die Stadt lebenswert machen. Bürgermeister Winter wagte auch einen Blick nach vorne. Er ging auf die geschlossene Notfallpraxis ein, sprach von einem gut funktionierenden Krankenhaus und gab auch bekannt, dass für den geschlossenen REAL-Markt auf dem Lindenhof eine gute Lösung in Sicht sei.

Er appellierte an die Bürger, bei den kommenden Landtagswahlen und dem Bürgerentscheid zur Windkraft gut informiert teilzunehmen. Zum Ende seiner Ausführungen bedankte sich Winter bei den Gemeinde- und Ortschaftsräten, allen Mitarbeitern und seiner Ersten Beigeordneten Dilek Akdeniz für die hervorragende Arbeit im nun ablaufenden Jahr.

Haushaltslage ist gut

Stadtrat Dieter Rinker sprach für den Gemeinderat und stellte fest, dass die selbst gesteckten Ziele nahezu erreicht worden seien und man eine stabile und fast schuldenfreie Haushaltslage vorweisen könne. Rückwirkend betrachtet sei die Ursache dafür in der konsequenten Umsetzung von Planungen, die sich stringent an der personellen und strukturellen Leistungsfähigkeit der Stadtverwaltung orientiert hätten zu finden.

Die aktuelle gute Haushaltslage würde man neben den gesetzlichen Zuweisungen aber überwiegend dem stabilen Oberndorfer Wirtschaftsstandort verdanken. Man sei dankbar, dass die aktuelle Haushaltslage den notwendigen Spielraum schaffe, um dringend anstehende Maßnahmen angehen zu können, die möglichst allen Bürgern zugutekommen würden.

Verantwortung und Vertrauen

Rinker ging auch auf die geplanten Windkraftanlagen ein. Diese würden die Möglichkeit eröffnen, nicht nur regenerative Energie vor Ort zu erzeugen, sondern auch einen beträchtlichen Teil der gewonnenen Einnahmen selbst zu verwenden, da die Stadt an zwei Anlagen beteiligt sei.

Darüber hinaus brach er eine Lanze für das Ehrenamt und dankte allen, die sich in irgendeiner Weise für die Gemeinschaft einbringen würden. Er prognostizierte, dass eine Stadt, in der Menschen füreinander einstehen würden, in der „Verantwortung“ kein Fremdwort sei und in der Vertrauen im Alltag spürbar sei, Zukunft habe.

„Offene Hände“ und „Tafel“

Die Klosterkirche bot an diesem Abend auch einen schönen Rahmen, um außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement zu würdigen. Der Bürgermeister konnte drei Frauen mit der Oberndorfer Bürgermedaille auszeichnen.

Eva Scherer ist der Motor der Initiative „Offene Hände“, deren Ziel es ist, Not zu lindern und ein Netzwerk für Neubürger, insbesondere für Geflüchtete aufzubauen. Als Urgestein und gute Seele der Oberndorfer „Tafel“ ist Elfriede Stoll seit Jahrzehnten ehrenamtlich tätig und mit Sigrid Vogt-Ladner wurde eine Künstlerin, die 35 Jahre lang Dozentin an der Volkshochschule war, ausgezeichnet.

Ehrenamt trägt Demokratie

Als Gastredner bei diesem Jahresempfang hatte man mit Steffen Jäger, dem Präsidenten des Gemeindetags, einen profunden Kenner der Kommunalen Verwaltung gewinnen können. Er referierte zum Thema „Realitäten erkennen, Zukunft anpacken und Kommunen stärken“.

Jäger zeigte sich beeindruckt von der „altehrwürdigen Klosterkirche“ und überbrachte Glückwünsche zu „50 Jahre Gesamtstadt“. Eine Kommune sei mehr als nur das Rathaus, die Menschen seien es, die eine Kommune ausmachen, stellte er fest. Er ging in seinen Ausführungen auf die aktuelle Situation der Kommunen ein, sang ein Loblied auf das Ehrenamt, das er als tragende Säule der Demokratie bezeichnete und fragte: „Wann waren Sie das letzte Mal auf dem Rathaus, um sich zu bedanken?“.

Gemeinsam essen und reden

Zum Ende seiner Ausführungen zitierte Jäger den früheren Bundestagsabgeordneten Hermann Schmitt-Vockenhausen mit den Worten: „Die Gemeinden sind der eigentliche Ort der Wahrheit, weil sie der Ort der Wirklichkeit sind.“

Nun war es an der Zeit, das Gehörte wirken zu lassen und bei Gesprächen zu diskutieren. Dies taten die Besucher auch ausgiebig, indem sie sich austauschten und dem kalten Büffet zusprachen, zu dem die Stadtverwaltung eingeladen hatte.

Der türkische Generalkonsul Mahmut Miyazi Sezgin hatte dazu türkische Süßigkeiten mitgebracht und ließ es sich nicht nehmen, diese persönlich auf die Teller der Gäste zu legen. Bei guter Musik durch Loreen und Steffen Wißmann, die den Abend wunderbar musikalisch begleitet hatten, stand man noch lange zusammen und genoss den Jahresempfang in der Oberndorfer Klosterkirche.