Bürgermeister Jens Keucher (rechts) verabschiedete die ausgeschiedenen Stadträte Hans Gühring (von links), Andre Amon und Tobias Nübel. Foto: Steinmetz

In der sanierten Fischinger Wehrstein-Halle feierten Stadt- und Ortschaftsräte, Vertreter der Verwaltung und Ehrengäste den kommunalpolitischen Jahresabschluss 2025.

Ihm galt eine Schweigeminute: Siegfried Esslinger, der am 27. November im Alter von 92 Jahren starb, war viele Jahre lang Gemeinderat in Glatt und Stadtrat in Sulz. Er erhielt die Bürgermedaille der Stadt sowie die Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg. Esslinger habe sich „in herausragender Weise um das Gemeinwesen verdient gemacht“, betonte Bürgermeister Jens Keucher.

 

In seiner Ansprache blickte er auf ein Jahr zurück, das der Kommune viel abverlangt habe. Sulz stehe vor großen Herausforderungen, aber das sei weder Anlass zu Pessimismus noch zum Lamentieren. Im Vergleich zu anderen Gemeinden stehe Sulz gut da. So sei für das Jahr 2026 keine Kreditaufnahme vorgesehen: Das „ist kein Zufall, es ist das Ergebnis gemeinsamer Arbeit von Gemeinderat und Verwaltung“, sagte Keucher.

Windkraft und Gewerbegebiet

Der Bürgerentscheid zur Windkraft sei in diesem Jahr ein „Meilenstein“ gewesen. Die Bürger hätten sich gegen Windkraft auf kommunalen Waldflächen ausgesprochen. Keucher versicherte, dass das Votum respektiert werde. Er fügte aber hinzu, dass jetzt Investoren an die Türen privater Waldbesitzer klopften, um doch noch Windkraftprojekte zu realisieren. Keucher: „Als Stadt sind wir nur Zaungast.“

Ein zweites jahrzehntelanges Thema ist ebenfalls beendet worden. Der Gemeinderat hat das Projekt regionales Gewerbegebiet abgelehnt. Keucher zeigte sich froh darüber, dass eine Entscheidung gefallen ist.

Projekte im InPark A81

In wirtschaftlicher Hinsicht war das Jahr von Gegensätzen geprägt. Die Insolvenz des Familienunternehmens „KitzlingerHaus“ sei ein Schock gewesen. Andererseits habe es mit Erweiterungen bei Edelstahlservice und Kipp CCS, die Vergrößerung des „InParks A 81“ mit einem dritten Abschnitt und der Fertigstellung des dortigen Kreisverkehrs erfreuliche Entwicklungen gegeben.

Im ersten Abschnitt des interkommunalen Gewerbegebiets hätten sich weitere Firmen angesiedelt, und im kommenden Jahr stünden im „InPark“ wieder neue Projekte in den Startlöchern. Für Keucher zeigt dies: „Unser Standort bleibt attraktiv, innovativ und zukunftsfähig.“

Die Digitalisierung kommt

Zudem seien infrastrukturelle Zeichen gesetzt worden. Er wähnte dabei die Einweihung der Wehrstein-Halle im April und die Inbetriebnahme des Gebäudes „3S“ auf Kastell, in das die Sozialstation, Stromversorgung Sulz und Stadtwerke eingezogen sind. Die Ortsdurchfahrt Hopfau ist am 1. Oktober übergeben worden. Kindergärten und Schulen seien modernisiert, die Bahnhofstraße in Sulz saniert worden.

Im Rathaus heiße es nicht mehr „ich schaue mal in die Akte“, sondern „ich frage die KI“. Arbeitsabläufe der Verwaltung würden digitalisiert und effizienter gemacht. Die KI könne viel, jedoch ersetze sie nicht Verstand und Verantwortung.

Warten auf die Gartenschau

Es wurde auch viel gefeiert: 1000 Kinder wirkten beim diesjährigen Kinderfest zum Thema „50 Jahre Gesamtstadt Sulz“ mit. Mehrere Vereine feierten Jubiläen. Ehrenamtliches Engagement wurde gewürdigt: Die Landesehrennadel ist in Fischingen an Herold Schwind und in Bergfelden an Klaus Hilzinger verliehen worden.

Ein Weihnachtsgeschenk aus dem Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz hätte Keucher an diesem Abend gern überreicht. Aber noch steht nicht fest, ob die Bewerbung der Stadt Sulz für die Gartenschau 2031 erfolgreich war. Es ist seit 2009 mittlerweile der dritte Anlauf, dieses Event nach Sulz zu holen. Die Stadt habe damit den Mut bewiesen, groß zu denken.

Abschied von Stadträten

Keucher blickt jedenfalls mit Zuversicht auf das neue Jahr. Im Mai 2026 werden 50 Jahre Städtepartnerschaft in Montendre gefeiert. Die Verwaltung werde modernisiert, in Renfrizhausen und Dürrenmettstetten werde es neue Wohngebiete geben. Weitere Zukunftsprojekte seien bereits vorbereitet.

Beim Jahresabschluss hat Keucher mehrere Gemeinderatsmitglieder verabschiedet. Aus dem Gremium sind in diesem Jahr wegen Wegzugs Andre Amon (Stadtrat von 2020 bis 2025) und Hans Gühring (2019 bis 2025) ausgeschieden. Traude Mangold (2014 bis 2019 und 2021 bis 2025) gab ihr Mandat nach dem Austritt aus der SPD ab. Tobias Nübel erklärte im April sein Ausscheiden. Bürgermeister Keucher bezeichnete ihn als „kommunalpolitisches Urgestein“. Nübel war von 2002 bis 2025 Stadtrat.

Ein kleines Weihnachtsgeschenk gab es übrigens doch noch. Zum 50. Jubiläum der Kreis- und Gemeindereform im Raum Sulz hatte der frühere Kreisarchivar Bernhard Rüth bei der Jahresschlussfeier 2024 den Vortrag „Aus zehn mach eins“ gehalten. Dieser liegt nun in gebundener Fassung als Broschüre vor. „Viel Spaß beim Lesen“, wünschte Keucher.