Hundeausbilderin Gudrun Haag und Kreisjägermeister Walter Greff wissen, wie aufwendig und teuer die Ausbildung von Jagdhunden ist. Schweisshunde sind die "Köngisklasse". Foto: Rapthel-Kieser

Dienst an der Allgemeinheit ohne Steuerpflicht. Kreisjägermeister Walter Greff und Ausbilderin Gudrun Haag erzählen.

Dass in Burladingen jetzt Jagdhunde von der Steuer befreit wurden, kam nicht bei allen Bürgern der Fehlastadt gut an. Aber was viele nicht wissen: Die gut ausgebildeten Vierbeiner arbeiten, so will es das Jagdgesetz, ähnlich wie Polizei- oder Rettungshunde im Service. Sie müssen harte Prüfungen bestehen.

Burladingen/Bodelshausen - "Da steckt unheimlich viel Zeit und Aufwand dahinter", sagt eine, die es wissen muss: Gudrun Haag aus Bodelshausen, von Kindheit an Hundebesitzerin, seit Jahrzehnten Ausbilderin von Jagdhunden, vorzugsweise von Schweißhunden, wie man die Blutschnüffler mit der exzellenten Nase im Waidmanns-Jargon nennt. Gudrun Haag greift selbst nie zur Flinte, das überlässt sie ihrem Mann. Die Vierbeiner des Paares haben aber schon bei so mancher Nachsuche oder Drückjagd in Burladingen ganze Arbeit geleistet, und die Haags pflegen freundschaftliche Kontakte zu den Jägern in der Nachbarschaft.

So wie zu Walter Greff. Der 69-jährige Waidmann aus Killer ist seit zwölf Jahren Kreisjägermeister im Altkreis Hechingen und weiß: Burladingen war die vorletzte Gemeinde im Gäu, die die Befreiung von der Hundesteuer für Jagdhunde durchgewinkt hat. Jungingen wird vermutlich bald folgen. Für Greff macht das Sinn. Jagdhunde seien schließlich mit Drogenspürhunden, Hunden der Rettungsstaffeln, Diabetiker- oder Blindenhunden zu vergleichen.

"Eine Steuerbefreiung gibt es ja nur, wenn der Hund auch Prüfungen bestanden hat und zertifiziert ist", betont Walter Greff. "Auch Jagdhunde haben etwas gelernt. Sie können etwas ganz besonders gut. Und diese Spezialisten werden oft gebraucht", sagt Greff. Er nennt die Stichworte Tierschutz, Seuchenschutz oder den Schutz der Wälder und Felder vor Verbiss und wird konkret.

Was passiert, wenn ein Autofahrer ein Wild angefahren und verletzt hat und es noch davonlaufen konnte? "Dann steht der Tierschutz über allem, dann muss mit Jagdhunden nachgesucht werden, um das verletzte Tier aufzuspüren und es nicht lange leiden zu lassen. Ohne Hund wäre das nicht denkbar", erläutert der 69-Jährige. Das gleiche gelte, wenn der erste Schuss aufs Wild nicht gleich tödlich war und angeschossene Tiere aufgespürt werden müssen. Das sei vor allem in der Dämmerung oder Dunkelheit ohne Hund gar nicht zu machen.

Derzeit ist die Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) den Landesregierungen und Landwirten ein besonderes Anliegen. Auch dazu werden in den betroffenen Gebieten Jagdhunde eingesetzt. Denn wenn Wildschweine an ASP verenden, können ihre Kadaver noch lange ansteckend sein und die Infektion weiter verbreiten. "Die Schnüffelnase eines Vierbeiners ist unverzichtbar wenn es darum geht, solche Kadaver aufzuspüren und zu entsorgen. Manche Jagdformen sind ohne ausgebildeten Hund sogar verboten. Zur Entenjagd zum Beispiel ist ein Hund zwingend vorgeschrieben", gibt der Kreisjägermeister zu Bedenken.

Im Wald sind der Jäger und sein Hund ein eingespieltes Team

Dass die Vierbeiner so manches besser können als der Jäger, der ihn führt, räumt Greff unumwunden ein. Im Wald sind Jäger und Hund eben ein Team, betont er und schwärmt von den Terriern und Teckeln, die er schon hatte. Klein, wendig und intelligent seien sie am besten geeignet zum Stöbern, wie es der Waidmann nennt. Sie finden vor allem Niederwild wie Hasen und Füchse in ihren Bauten und Wildschweinen und Keilern, die zum Angriff übergehen wollen, weichen sie einfach schnell aus.

Der Bayerische Gebirgsschweißhund und der Hannoversche Schweißhund, die Gudrun Haag gerade ausbildet, sind da ein anderes Kaliber. Größer und mächtiger und weniger wendig. "Aber wenn sie eine Spur aufnehmen, wenn es um die Fährtenarbeit und das Schnüffeln geht, dann sind sie die Besten", schwärmt Haag. "Das ist die Königsklasse", fügt Greff hinzu.

Dass manche seiner Mitbürger immer noch glauben, Jagen sei ein elitäres Hobby, mit diesem Vorurteil würde er gerne aufräumen. Jäger zahlten nicht nur Pacht fürs Revier, da kämen so mancher Arbeitseinsatz und andere Kosten obendrauf. "Es braucht viel Idealismus", sagt er, und erinnert an die vielen Stunden, die Jäger mit der Hege und Pflege verbringen. Etwa wenn sie Futterstellen für harte Winter bauen und bestücken, wenn sie helfen, junge Bäume mit Drahtgeflechten vor Verbiss zu schützen, wenn sie Schutzzäune für landwirtschaftliche Felder aufstellen oder den Landwirten jene Schäden ersetzen, die durch das Wild auf ihren Feldern entsteht.

Dass die Kommunen dann von den Jägern für die ausgebildeten Jagdhunde nicht auch noch Steuern kassieren, findet Greff richtig. "In Burladingen ist das für die Stadtkasse ja auch kein Riesenfaktor", gibt er zu bedenken und erinnert an Regionen, wo es längst schon anders ist. Denn: "Dort, wo Reviere nicht mehr verpachtet werden können, weil Jäger sich zurückziehen, wird es für die öffentliche Hand viel teurer."

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