Die Ablehnung der Steuerbefreiung für Jagdhunde sorgt für Diskussionen. Experten erklären, welche Aspekte im Gemeinderat Niedereschach offenbar keine Rolle spielten.
Die Ablehnung des Niedereschacher Gemeinderats zur Befreiung von sogenannten brauchbaren Jagdhunden von der Hundesteuer stößt bei vielen Personen auf Unverständnis. Welchen Beitrag Jagdhunde zur Gesellschaft beitragen und warum die Entscheidung des Gemeinderats aus ihrer Sicht nicht nachvollziehbar ist – das erklären Jäger und Jagdhundzüchter Klaus Kirchner sowie Kreisjägermeisterin Dunja Zimmermann.
Bereits im Juli 2025 hatte die Kreisjägermeisterin einen Antrag zur Befreiung der Jagdhunde von der Hundesteuer im Namen der Niedereschacher Jägerschaft gestellt und ausführlich begründet. Diese Begründung liegt der Redaktion vor.
Das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz vom 25. November 2014 fordert, für Nachsuchen brauchbare Jagdhunde einzusetzen und für bestimmte Jagdarten mitzuführen, so Zimmermann in dem Antrag. „An dieser Stelle weise ich darauf hin, dass ein brauchbarer Jagdhund Aufgaben von öffentlichem Interesse wahrnimmt.“
Beispielhaft nennt sie einige von vielen Aufgaben, die private Jäger mit ihren ausgebildeten Jagdhunden ehrenamtlich übernehmen: Jäger und deren Hunde unterstützen Förster bei der Nachsuche von verletztem oder gar getötetem Wild, welches zum Beispiel dem Straßenverkehr zum Opfer fiel.
Das Ausbreiten von Wildkrankheiten
Auch das Ausbreiten von Wildkrankheiten könne so verhindert werden, meint Zimmermann – insbesondere die gefürchtete „Afrikanische Schweinepest“ (ASP). „Ein Seuchenausbruch im Mai 2022 im Bereich Emmendingen, der zum Glück eingedämmt werden konnte, zeigt, dass auch Baden-Württemberg jederzeit betroffen sein kann“, fügt Kirchner, Koordinator der Stöberhundgruppe des Vereins Deutscher Wachtelhunde Baden-Württembergs hinzu.
Ebenfalls sollte nicht vergessen werden, dass auch in Kommunen Jäger unterwegs seien, die die von Waschbären, Mardern, Füchsen und Dachsen verursachten Schäden abzustellen versuchen, meint Kirchner, der selbst seit 48 Jahren Jäger ist. Hinzu komme das ehrenamtliche Engagement der Jäger bei der Kitzrettung sowie ihr Beitrag zur Verringerung von Wildverbiss im Wald und zur Begrenzung von Schwarzwildschäden in der Landwirtschaft.
Ein gut ausgebildeter Jagdhund
Für all diese Aufgabe benötigt ein Jäger einen gut ausgebildeten Jagdhund. Die Ausbildung und Haltung eines Jagdgebrauchshundes sei jedoch sehr zeit- und kostenintensiv, erklärt Zimmermann. Zudem sei ein brauchbarer Jagdhund in vielen jagdlichen Situationen sogar gesetzlich vorgeschrieben.
Des Weiteren weise sie darauf hin, dass „das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz seit 2019 den Städten und Gemeinden aus fachlicher Sicht die Befreiung von geprüften Jagdhunden von der Hundesteuer empfiehlt.“
Auch der zuständige Minister Peter Hauk meint: „Die Reduzierung beziehungsweise Abschaffung der Hundesteuer für geprüfte Jagdhunde halte ich persönlich für notwendig und erforderlich, um die Haltung von Jagdhunden attraktiver zu machen.“ Diese Antwort erhielt Kirchner, der sich in einer E-Mail an das Ministerium gewandt hatte.
Steuerliche Gleichsetzung
Forstamtsleiter der Stadt Villingen-Schwenningen Tobias Kühn hält es ebenfalls für sinnvoll, das brauchbare Jagdhunde in den Gemeinden, in denen ihre Halter leben und jagen, von der Hundesteuer befreit werden sollten.
Jede Kommune müsse jedoch selbst über die Befreiung der Jagdhunde von der Hundesteuer entscheiden, erklärt Zimmermann. Zuletzt habe die große Kreisstadt Villingen-Schwenningen diesen Beschluss gefasst. Damit habe die Doppelstadt den brauchbaren Jagdhund dem Diensthund beziehungsweise dem Rettungshund steuerlich gleichsetzt.
In der Gemeinderatssitzung in Niedereschach von Ende Oktober wurde der Antrag zur Befreiung der Jagdhunde von der Hundesteuer allerdings abgewiesen. „Vom Herzen her würden wir dem wunderbar formulierten Antrag von Dunja Zimmermann gerne zustimmen“, fasste Bürgermeister Martin Ragg in dieser Sitzung zusammen, über die wir bereits berichtet haben. „Aber wir können auf die Argumentation nicht eingehen, sondern müssen das ‚große Ganze‘ sehen.“
Solidarität für Jäger
Für Kirchner ist diese Entscheidung unverständlich: „Es ist eine so große Diskussion für so wenig Geld.“ Brauchbare Jagdhunde in Niedereschach gebe es schätzungsweise zwei bis drei, das entspreche einem Wert von etwa 360 Euro im Jahr.
Dementsprechend sollten Niedereschach und auch andere Kommunen, Solidarität mit den Jägern beweisen, die ihre Freizeit für die Gemeinde in öffentlichem Interesse einsetzen, und die Hundesteuer für brauchbare Jagdhunde abschaffen, meint der Schwenninger.