Lena Pfister aus Heiligenzimmern ist eine der wenigen Jungjägerinnen im Zollernalbkreis und begeistert von ihrem Hobby.
Die 19-jährige Studentin Lena Pfister ist eine der wenigen Jägerinnen im Kreis und fühlt sich wohl in der Männerdomäne. 2022 machte sie die Jägerprüfung und ist stolz, dieses Hobby so nahe an der Natur ausüben zu können.
Wie bist du auf das Hobby der Jagd gekommen?
Ich bin mit dem Jagen aufgewachsen, da mein Papa auch Jäger ist und ich schon als Kind gerne mit ihm auf die Jagd ging. Wir haben viel draußen gemacht und beispielsweise bei Kindergeburtstagen Tiere im Wald gesucht, was mir viel Spaß machte. Mir war deshalb klar, dass ich den Jagdschein machen möchte. Meine Naturverbundenheit und die Kameradschaft bei den Jägern taten ein Übriges dazu.
Ein wichtiger Punkt ist auch die Fleischdebatte oder die Verurteilung des Fleischkonsums. Ich muss mich oft verteidigen gegenüber sich vegetarisch oder vegan ernährenden Freunden. Doch ich habe kein schlechtes Gewissen, denn das Wildfleisch ist ein biologisches Fleisch, die Herkunft ist bekannt, es wird schmerzlos erlegt, so dass man mit gutem Gewissen Fleisch essen kann.
Wie sieht ein Jagd-Ausbildungskurs aus?
Man nennt die Jagdprüfung auch das „Grüne Abitur“, denn die Ausbildung und die Prüfung sind kein Pappenstiel. Mit 17 habe ich die Ausbildung begonnen und besuchte zwei bis drei Mal wöchentlich die Abendkurse. Dabei habe ich Unterricht zusammen mit neun Männern erhalten. Es ist eine sehr breitgefächerte Ausbildung vom Jagdrecht über Baumkunde bis zu der Waffenhandhabung. Nach einem Jahr legte ich die Prüfung mit gutem Erfolg ab, fast zeitgleich mit dem Abitur, wobei ich für die Jägerprüfung mehr lernen musste.
Der Wald bei Heiligenzimmern ist Lena Pfisters Revier. Foto: Bettina Stehle
Wann gehst du auf die Jagd und mit wem?
Ich habe einen Begehungsschein für Das Heiligenzimmerner Revier. Je nach Lust und Laune gehe ich zum Ansitzen. Ich freue mich, dass seit 1. Mai der Rehabschuss wieder zulässig ist. Es macht mir nichts aus, in der Dämmerung allein im Wald zu sein. Manchmal begleitet mich auch mein Freund. Das ist richtig nett, wenngleich es meinem Freund schwer fällt, ganz still zu sein und nichts zu reden.
Ich sitze am liebsten auf Rehe an. Da sitze ich auf dem Hochsitz und warte gespannt auf ein Reh, während ich Hasen und Füchse vorbeischleichen sehe. Wildschweine sehe ich nicht so oft, denn diese sind schlau, haben empfindliche Sinne.
Was hast du schon erlegt?
Ich habe auch schon Wildschweine erlegt, aber am meisten waren es Rehe. Auch war ich schon in Kroatien auf der Jagd. Mir ging es dabei nicht um eine Trophäe, sondern um das gute Wildfleisch.
Wie wirst du als junge Frau in der Jagdgemeinschaft aufgenommen?
Bei den Heiligenzimmerner Jägern werde ich prima aufgenommen. Da ich beim Bergen von schwerem Wild kräftemäßig unterlegen bin, bekomme ich oft tatkräftige Unterstützung von meinen männlichen Mitjägern. Andererseits bin ich mit der Verpflegung zur Stelle, wenn meine männlichen Jagdfreunde einen Hochsitz aufstellen. So ergänzen wir uns gegenseitig, was nicht selbstverständlich ist. Das ist eine besondere Kameradschaft bei uns und ich schätze es sehr als Frau so akzeptiert zu werden.
Lena Pfister fühlt sich wohl im Kreis der Jäger. Foto: Bettina Stehle
Was gibt dir die Jägerei aktuell?
Es ist für mich ein leidenschaftliches Hobby und ich bin stolz darauf, Jägerin zu sein. Das Jagen ist so vielseitig, was leider immer wieder untergeht. Wild zu erlegen ist nur ein Teil. Wir pflegen und hegen auch den Wald. So machen wir jedes Jahr mit dem Ortschaftsrat und Vereinen eine Baumschutzaktion und wickeln Schafswolle um Weißtannen, um den Verbiss von Rehen zu verringern. Außerdem retten wir die Rehkitze mithilfe von Wärmebilddrohnen bevor die Landwirte ihre Wiesen mähen. Für mich ist Jagen der Ausgleich für den stressigen Alltag. Die Natur schenkt uns allen die Ruhe, die wir brauchen.