Sigmund Jähn (li.) und Ulf Merbold verbindet eine lange Freundschaft Foto: Robert Michael

Sigmund Jähn war 1978 der erste Deutsche im All, Ulf Merbold fünf Jahre danach der erste Westdeutsche.Die beiden Legenden erzählen, wie sie die Wende 1989 erlebten – und wie aus Konkurrenten Freunde wurden.

Stuttgart/Dresden - Sigmund Jähn war 1978 der erste Deutsche im All, Ulf Merbold fünf Jahre danach der erste Westdeutsche. Zwei Raumfahrer, deren Biografien sich immer wieder kreuzten. Die beiden Legenden erzählen, wie sie die Wende 1989 erlebten – und wie aus Konkurrenten Freunde wurden.

Sigmund Jähn (76), der erste deutsche Raumfahrer, sieht seinen Flug mit einer russischen Sojus-Rakete, der sich am 26. August 2013 zum 35. Mal jährt, im Rückblick nicht als propagandistisch vereinnahmt. „Ich war keine politische Figur der damaligen DDR-Regierung“, sagte er in einem gemeinsamen Interview mit Ulf Merbold (72), dem ersten Westdeutschen im All. Ulf Merbold entgegnete, seine Mission mit der US-Raumfähre Columbia, die am 28. November vor 30 Jahre startete, sei wissenschaftlich und nicht politisch geprägt gewesen. Seine Herkunft aus Deutschland habe bei der Auswahl für das europäische Astronautenkorps keine Rolle gespielt.

Mauerfall gemeinsam bei einer Astronauten-Konferenz erlebt

Die Raumfahrer berichteten in dem Gespräch weiter, wie sie Freunde wurden. Gemeinsam erlebten sie den Mauerfall am 9. November 1989 bei einer Konferenz von Astronauten in Riad (Saudi-Arabien). „Wenn ich daran denke, kriege ich jetzt noch feuchte Augen“, sagte Merbold. Er ist im thüringischen Greiz aufgewachsen und als junger Mann nach Westdeutschland geflohen. Jähn wiederum half dem Raumfahrerkollegen, dass Merbolds Mutter in die Bundesrepublik einreisen durfte. Der frühere General der Nationalen Volksarmee intervenierte bei der damaligen Militäraufklärung der DDR. „Sind die in Greiz bescheuert“, herrschte Jähn den Mann an. Der gab keine Antwort, aber Merbolds Mutter durfte später dann doch in den Westen.

Mit Blick auf Europas Raumfahrt heute sind sich beide einig, dass hier eine große Chance vertan wurde. „Es ist überfällig, dass wir die Ärmel hochkrempeln und etwas Eigenes machen. Wir sind technologisch gar nicht weit weg davon“, sagt Merbold in den Gespräch. „Der Umbau des europäischen Weltraumfrachters ATV zu einem bemannten Raumschiff wäre machbar“, ergänzt Jähn. Es sei zudem schade, dass China im Weltraum so ausgegrenzt werde. „Es entsteht eine neue Mauer im Weltraum.“ Und Merbold dazu: „Für das Projekt Mars werden wir den Klub vergrößern müssen.“

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