Der Dormettinger Gemeinderat erhielt Einblicke in das vergangene Jagdjahr. Dabei wird klar: Der Jäger erschießt nicht nur, er schützt auch.
„Ein Waidmannsheil an alle“ hieß es in der jüngsten Gemeinderatssitzung, denn die Dormettinger Jägerschaft berichtete vom vergangenen Jagdjahr. Ein ungewöhnliches Bild gaben die präparierten Tiere ab, die erstmals im Sitzungssaal des Rathauses präsentiert wurden.
Darunter fand sich unter anderem ein Biber, der in Leidringen ganze Ackerflächen unter Wasser gelegt hatte – und schließlich überfahren aufgefunden wurde. Erschießen dürfen die Jäger den streng geschützten Nager nicht.
Doch nicht nur die ausgestellten Tiere, die vom Marder über Waschbären bis hin zum Dachs reichten, schürten bei den Anwesenden Interesse. Auch ein lebendes Exemplar fand sich in den Zuschauerreihen ein. Falknerin Robina Schellinger hielt nämlich Ragnar auf dem Arm, einen Ger-Lanner Falken. Bürgermeister Horst Lehmann versicherte: „Ich hab mir sagen lassen, er ist entspannt.“ Und tatsächlich saß er geduldig auf dem Arm der Falknerin, schüttelte nur gelegentlich sein Gefieder aus. Ein Zeichen von Behaglichkeit, erklärte Schellinger.
Nicht nur klassische Jagdausübung
Bei all der tierischen Präsenz sollten die umfangreichen Informationen nicht zu kurz kommen, die Brigitte und Karl Weinmann stellvertretend für die gesamte Dormettinger Jägerschaft bereithielten. Sie zeigten anschaulich auf, wie vielfältig ihre Aufgabengebiete sind. Nicht nur die klassische Jagdausübung, sondern auch Hasenzählung, Wildschadenverhütung, Biotop- und Landschaftspflege sowie Jagdhundpflege und selbst Waldethik gehören dazu. Über zehn Jägerinnen und Jäger sind in den Jagdbögen 1 und 2 unterwegs.
Schätzungsweise 350.000 bis 500.000 Rehe gibt es in Baden-Württemberg, die übrigens keine natürlichen Feinde haben – außer den Straßenverkehr. Zwei bis vier Kilogramm frische Grünmasse, also Blüten, Gräser, Kräuter und Früchte, frisst ein Reh pro Tag. Eine Gegebenheit, die mit der angestrebten Naturverjüngung und dem aktiven Forstumbau hin zum gemischten Wald gerne mal kollidiert. „Dann ist der Wald bald leer gefressen, wenn man nicht dagegen vorgeht“, so Brigitte Weinmann. Die vielen Felder kommen erschwerend hinzu. „Kurz im Maisfeld verkriechen und dann lebt man satt.“ Ziel sei es, ein Gleichgewicht zwischen Wildbestand, Wald, Landwirtschaft und Verkehrssicherheit zu erreichen. „Wir jagen selektiv und suchen bewusst aus“, erklärt die Jägerin und nutzt die Gelegenheit, um mit Vorurteilen aufzuräumen. „Wir wollen ja, dass es sich weiterentwickelt. Es gäbe keine Jagd mehr, wenn wir sie über unsere Beute finanzieren müssten.“
Engagement bei der Öffentlichkeitsarbeit, wie etwa der Bericht im Gemeinderat, Grundschulbesuche oder die Präsenz bei der Landesgartenschau, gehöre auch dazu. Schließlich sei die Disziplin geprägt von vielen Vorurteilen und unterschiedlichen Meinungen in der Gesellschaft. Ein Jäger, der Wildtiere rettet, erscheint im ersten Moment als Widerspruch. Doch bei neun ehrenamtlichen Einsätzen konnten zuletzt mithilfe einer Drohne 21 Kitze geborgen und nach der Jagd wieder ausgesetzt werden.
Zu dieser Öffentlichkeitsarbeit gehört auch die Aufklärung darüber, dass der Mensch nicht überall im Wald erwünscht ist. „Der Freizeitdruck im Revier ist groß“, lautet das Fazit. Pilzsammler, Wanderer, Fahrradfahrer – alle zieht es ins Dickicht, was zu Störungen beim Wild- und Jagdbetrieb führe. Ansitz, Pirsch und Erfahrung sei gefordert, wenn es an die Schwarzwildbejagung geht. Und viel Geduld. Diese soll nämlich zur Schadensvermeidung beitragen. „Man sagt salopp ‚dumme Sau‘, aber die sind wirklich schlau“, so Weinmann. Selbst technische Assistenz, etwa in Form einer Wärmebildkamera, sei erforderlich, um gegen das Wildschwein anzukommen.
Eine besondere Herausforderung stellen invasive Arten dar. Im Rahmen des Wildtiermanagements soll die Prädatorenbejagung diese Arten gezielt regulieren. Dazu gehört mitunter der Waschbär. „Alle finden sie putzig, aber die willst du nicht im Revier haben“, weiß die Jägerin. Neben dem Menschen sollen auch Niederwild sowie Bodenbrüter vor dem nachtaktiven Säugetier geschützt werden, ebenso vor Füchsen, Dachsen und Mardern.
Vier Arten ...
... finden sich auf der Dormettinger Streckenliste für April 2025 bis März 2026: Rehwild, Rotfuchs, Schwarzwild und Dachs. Die Erfassung der jagdlichen Daten erfolgt seit dem Jahr 2022 digital über das Wildtierportal Baden-Württember. Zuständig dafür ist die Untere Jagdbehörde beim Landratsamt Zollernalbkreis.