Also doch: Das Areal, auf dem das Modehaus Bertsch in Schömberg steht, bekommt einen Bebauungsplan. Der Regionalverband Norschwarzwald hat sich damit durchgesetzt – und will so das Wachstum des Modehauses regulieren. Inhaber Udo Bertsch spricht von "Demoralisierung".
Schömberg - Schon am Mittwoch flatterte der Brief beim Regionalverband Nordschwarzwald in Pforzheim ein. Bis Freitag hätte die Gemeinde Schömberg eigentlich Zeit gehabt, eine Stellungnahme zu verfassen, wie sie künftig mit dem Areal an der Lindenstraße umgehen will, auf dem seit 1937 das Modehaus Bertsch ansässig ist. 1470 Quadratmeter Fläche umfasst das Unternehmen momentan, demnächst wird auf 1700 Quadratmeter erweitert – und das ist laut Regionalplan zu groß. Demnach ist Einzelhandel dieser Größe nur in Städten wie Pforzheim oder Bad Wildbad erlaubt.
Der Regionalverband will daher, dass für das Areal ein Bebauungsplan aufgestellt wird, der weitere Expansionen eindämmt. Da die Gemeinde Schömberg dieser Forderung zunächst nicht nachgekommen war, setzte Pforzheim ihr ein Ultimatum: Entweder eine Stellungnahme bis Freitag, aus der hervorgeht, ob man einen Bebauungsplan aufstellen wird – oder der Regionalverband ordnet ein sogenanntes Planungsgebot an und stellt selbst einen Bebauungsplan auf.
Situation geprüft
Auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten bestätigt Schömbergs Bürgermeister Matthias Leyn (CDU), dass die Gemeinde eine Stellungnahme an den Regionalverband geschickt hat und der Forderung des Regionalverbands nachkommen wird: "Wir haben die Situation ausführlich geprüft und sind zum Ergebnis gekommen, dass wir grundsätzlich bereit sind, einen Bebauungsplan aufzustellen. Wir werden daher mit dem Regionalverband gemeinsam eine planungsrechtliche Lösung finden, die für alle Beteiligten passt."
In Pforzheim ist man zufrieden, dass Schömberg eingelenkt hat. "Die Gemeinde hat zu erkennen gegeben, dass sie sich mit einem Bebauungsplan beschäftigen wird", sagt Verbandsdirektor Matthias Proske über den Inhalt der Stellungnahme. Die Unstimmigkeiten zwischen Schömberg und Pforzheim in den vergangenen Wochen bezeichnet er als "Säbelrasseln, das absolut nicht notwendig war."
Mitte März wollen sich laut Proske die Gemeinde Schömberg, das Landratsamt Calw, der Regionalverband und das Regierungspräsidium zusammensetzen und einen Geltungsbereich für den Bebauungsplan definieren. Eine solch große Runde sei "nicht unüblich", meint der Verbandsdirektor und unterstreicht: "Das war von Anfang an so kommuniziert. Wenn, dann machen wir das zu viert." Im nächsten Schritt folge der Aufstellungsbeschluss samt einer Veränderungssperre. Die gilt für die geplante Erweiterung des Modehauses auf 1700 Quadratmeter jedoch nicht. Proske: "Die Genehmigung dafür ist ja bereits da."
Froh sei Proske, dass die Situation nicht eskaliert sei und kein Planungsgebot erlassen werden musste. Ein solches habe es in der gesamten Geschichte des Regionalverbands Nordschwarzwald erst ein einziges Mal gegeben: 2011 in Neuenbürg. Dennoch bedauert Proske: "Mit der Androhung mussten wir in Schömberg sehr weit gehen. Dass die Gemeinde eingelenkt hat, zeigt aber, wie wirkungsvoll dieses Instrument ist."
Ein Glücksfall
Für Modehaus-Inhaber Udo Bertsch kommt das Einlenken der Gemeinde nicht überraschend: "Ich verstehe, dass man es nicht eskalieren lassen will, und hoffe, dass man zu einem guten Ergebnis kommen wird – was immer das auch heißen wird." Und dennoch gibt der Unternehmer zu bedenken: "Wir haben in Schömberg einen Ortskern, der funktioniert. Die Gemeinde hat in den letzten 25 Jahren alles richtig gemacht. Schömberg ist ein Glücksfall. Eigentlich müssten die Regionalräte alle mal kommen und sich anschauen, wie man es richtig macht."
Dass die Situation des Einzelhandels in Schömberg speziell ist und das Modehaus dabei eine besondere Rolle spiele, räumt auch Proske ein. "Das Modehaus Bertsch ist ein Anker für die Einzelhandelslandschaft in Schömberg. Das erkennen wir an und die gilt es zu erhalten. Wir werden keine Steine in den Weg legen", versichert der Verbandsdirektor und gibt zu bedenken: "Das Modehaus müsste eigentlich größtes Interesse daran haben, dass es einen Bebauungsplan gibt, der alles klar regelt. Bis jetzt gibt es bei jeder Erweiterung zähe Verhandlungen und Gutachten-Schlachten. Diese Fundamental-Opposition verstehe ich daher nicht." Für den Regionalverband gehe es einzig und allein darum, dass "gleiches Recht für alle" herrschen müssen. Proske: "Diese ungeordnete Entwicklung in Schömberg ist nicht mehr tragbar."
Für Bertsch schwinge dagegen die Unterstellung mit, er habe sich "diese Großflächigkeit erschlichen". Doch jede Erweiterung sei nach geltendem Recht geschehen, nichts sei illegal gebaut worden. Und aus unternehmerischer Sicht sei jeder Umbau auch notwendig gewesen. "Wir wollen dem Anspruch unserer Kunden gerecht werden, um am Ball zu bleiben. Und dazu gehört ein gewisses Ambiente", verdeutlicht Bertsch und fügt hinzu: "Dass wir mal 5000 Quadratmeter haben werden und einen Riesenklotz da hinsetzen, ist sehr unrealistisch."
Zu einer Marke geworden
Bertsch führt das Modehaus in dritter Generation, aktuell beschäftigt er rund 50 Mitarbeiter. Er unterstreicht: "Wir zahlen hier unsere Steuern, integrieren uns gut in die Umgebungsbebauung, schaffen Arbeitsplätze auf dem Land. Das funktioniert für alle, auch für die Bürger." Einfach nach Pforzheim oder Bad Wildbad umzuziehen – das funktioniere allerdings nicht. "Einen alten Baum kann man nicht einfach umpflanzen", betont der Modehändler. Bertsch, Schömberg – das sei über Jahrzehnte hinweg zu einer Marke geworden.
Wie lange es diese Marke noch geben wird und ob das Modehaus eines Tages in vierter Generation geführt wird, kann Bertsch mit Blick auf den Gegenwind aus Pforzheim nicht sagen. Abwarten wolle er erst einmal, wie der Bebauungsplan genau aussehen wird. Schon jetzt sagt Bertsch aber: "Mir als Unternehmer will man signalisieren, dass man mir die Zukunftsperspektive an diesem Standort nimmt. Für mich ist das eine Demoralisierung."