Das Bild zeigt den Islamkritiker Michael Stürzenberger im Jahr 2015 auf dem Münsterplatz in Villingen. Foto: Cornelia Spitz

Ein Islamkritiker wird angegriffen, ein Polizist mit einem Messer in den Halsbereich gestochen und der mutmaßliche Angreifer niedergeschossen. Es sind schlimme Szenen aus Mannheim, die Deutschland am Freitag erschüttern – und auch in Villingen-Schwenningen Erinnerungen wecken.

Mit einem Messer hat ein Mann auf dem Marktplatz in Mannheim mehrere Menschen verletzt - nach Angaben der islamkritischen Bewegung Pax Europa galt der Angriff ihrer Versammlung. Kurz nach dem Vorfall am Freitagmittag kursierte ein Video davon im Internet.

 

Darauf zu sehen ist ein Mann, der auf mehrere Menschen - mutmaßlich Teilnehmer einer Veranstaltung - einsticht. Menschen rufen: „Das Messer weg“. Einen Polizisten verletzt der Angreifer ebenfalls, wie das Video zeigt. Wie es aus Sicherheitskreisen heißt, schwebt er in Lebensgefahr und muss operiert werden. Nach Darstellung der Schatzmeisterin von Pax Europa, Stefanie Kizina, wurde bei dem Angriff auch das Pax-Europa-Vorstandsmitglied Michael Stürzenberger verletzt.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) erklärte, die Ermittlungen würden die Hintergründe der Tat aufklären, insbesondere den Hintergrund und die Motive des Täters. „Wenn die Ermittlungen ein islamistisches Motiv ergeben, dann wäre das eine erneute Bestätigung der großen Gefahr durch islamistische Gewalttaten, vor der wir gewarnt haben.“

Marktplatz abgesperrt, Großaufgebot im Einsatz

Zur Verletzung Stürzenbergers sagte Kizina der „Bild“-Zeitung: „Er wurde am Bein und im Gesicht getroffen, wird notoperiert. Lebensgefahr besteht offenbar nicht“. Auf dem Video ist auch zu sehen, wie ein Beamter auf den Angreifer schießt. Mehrere Polizisten fixieren ihn danach auf dem Boden. Nach Angaben der Polizei wurde auch er verletzt. Der Mannheimer Marktplatz befindet sich mitten in der Innenstadt der 300.000-Einwohner-Stadt im Norden Baden-Württembergs.

„Der Angriff geschah, bevor die Veranstaltung überhaupt losging, das muss von langer Hand geplant worden sein“, sagte Kizina. Eine Sprecherin der Stadt Mannheim bestätigte, dass die Organisation für Freitagvormittag eine Veranstaltung auf dem Marktplatz angemeldet hatte.

Kurz nach der Tat war der Platz mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Sichtschutzwände wurden aufgebaut, eine nahe Straßenbahnstation gesperrt. Rettungskräfte und auch ein Rettungshubschrauber waren im Einsatz, um die Verletzten zu versorgen. Ermittler sicherten Spuren.

Viele Fragen noch offen

Zahlreiche Fragen sind noch offen: Wie viele Menschen verletzt wurden, konnte die Polizei bisher nicht sagen. Sie kamen in Krankenhäuser. Ein Sprecher nannte die Verletzungen „teilweise erheblich“. Das Motiv der Tat ist ebenfalls unklar. Ob die Messerattacke einen politischen Hintergrund habe, sei Gegenstand der Ermittlungen. Diese führt das Landeskriminalamt Baden-Württemberg, wie der Sprecher weiter mitteilte. Man sei nun noch mit der Spurensicherung auf dem Marktplatz beschäftigt. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht.

Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) zeigte sich tief getroffen: „Dieser brutale Angriff erschüttert und schockiert uns, er macht uns sprachlos“, sagte er. Er sei in Gedanken bei dem verletzten Polizisten und auch bei den anderen Opfern. Zugleich rief er die Menschen dazu auf, nicht über die Hintergründe zu spekulieren, sondern stattdessen die Ergebnisse der Ermittlungen abzuwarten.

Kein Unbekannter

Michael Stürzenberger ist in Villingen-Schwenningen kein Unbekannter. Der Islamkritiker, der in der Mannheimer Innenstadt am Freitag bei einer Kundgebung der Bürgerbewegung Pax Europa teilgenommen hatte, hat auch Villingen-Schwenningen bereits als Plattform benutzt.

Ganz viel Polizei

Es war 2015 und die Pegida-Welle, die durch Deutschland rollte und vornehmlich rechts gerichtetes Publikum anlockte, hatte auch in Villingen-Schwenningen einen Ableger gebildet: die Sbh-Gida. Alle paar Wochen rief sie zur Demo in Villingen-Schwenningen auf. Es war die Zeit einer großen Flüchtlingskrise – und in der Doppelstadt prallten Rechts und Links so heftig aufeinander, wie nirgendwo sonst im Landkreis. Demos und Gegendemos. Kundgebungen unter dem Schutz eines riesigen Polizeiaufgebots mit Hundertschaften von Polizisten. Und immer wieder gewaltreiche Auseinandersetzungen danach.

So hetzte er in VS

Einer, der die Stimmung in der Stadt teilweise mit angeheizt hat, war kein Geringerer als der mittlerweile deutschlandweit bekannte Islamkritiker Michael Stürzenberger, der jetzt laut Medienberichten Opfer eines Angriffs in Mannheim geworden sein soll.

Im April 2015 engagierten die Verantwortlichen von Sbh-Gida Stürzenberger für einen Auftritt in Villingen und nicht nur das: Dort hetzte er kräftig gegen den damaligen Oberbürgermeister Rupert Kubon – ein SPD-Mann, bezeichnete ihn als extrem islamophilen Oberbürgermeister, der die „Sicherheit dieser Stadt“ gefährde und ein „Unterdrücker der Meinungsfreiheit“ sei. Er forderte Kubons Abwahl.

Stürzenberger, der lange kein Thema mehr war in VS, kommt durch den auf ihn verübten Messer-Angriff auch in der Doppelstadt wieder in Erinnerung.