Wohin bei über 30 Grad? Nicht fürs Freibad, sondern für das Kloster in Binsdorf haben sich am Samstag einige neugierige Isinger entschieden.
Die Isinger hatten mit Manfred Wörner einen Landsmann mitgebracht, einen, der das Kloster mittlerweile aus dem Effeff kennt und somit auch so manche Anekdote.
Der ausgebildete und ursprünglich aus Esslingen stammende Kirchenführer – hauptberuflich ist er im Gesundheitswesen tätig – nahm die Hitzetrotzenden mit auf eine spannende Reise durch über 300 Jahre Kloster- und Stadtgeschichte. Eingeladen dazu hatte die Generationenwerkstatt Isingen.
Zuerst Besuch in früherer Waschküche
In der Unterwelt angekommen wurde zuerst die frühere Waschküche des ehemaligen Dominikaner-Terziarinnen-Klosters inspiziert. Der Brunnen dort ist mittlerweile an die Brunnenstube des Klosters angeschlossen und soll später auch wieder den Springbrunnen im Garten speisen.
Nach einem kurzen Blick ins „Bädle“ der Nonnen waren der mit einem Holzboden ausgestattete Gesinderaum und der große Vorratskeller, den man während des Zweiten Weltkrieges sogar als Bunker nutzte, die nächsten Stationen.
Wörner wusste aus alten Dokumenten, dass regelmäßig ein „Beichtvater von außerhalb“ zugegen war, der habe aber auch auskundschaften wollen, was im Kloster sonst noch so laufe.
Imposantes Gemälde im Markussaal
Seitdem das Kloster in eine Baustelle verwandelt wurde, kam vieles zutage – Wasserleitungen, Gräben, historische Fundstücke. Das Binsdorfer Wahrzeichen aus dem Jahr 1685 birgt wohl noch viele Rätsel. „Ich habe deshalb geraten, den Spaten wegzulegen“, scherzte Manfred Wörner. Die Sanierer würden aber alles versuchen, alle Elemente wiederherzustellen. Im Keller sei man aber nicht umhingekommen, Stahlträger einzubauen.
Seine Ausführungen untermauerte der Klosterführer mit viel historischem Material. So zum Beispiel mit einem Bild des vom Augsburger Johann Georg gemalten Altarblatts, das heute in der Gruoler Friedhofskapelle hängt. Im Provinzialat, das sich im Obergeschoss befindet, staunten die Gäste über das gut erhaltene Bild, das die Verkündigung Mariens zeigt. Staunende Blicke rief auch das imposante Gemälde im Markussaal hervor.
„Tag des offenen Denkmals“ am 14. September
Ebenfalls voran kommt die Sanierung des barocken Klostergartens. Die Arbeiten dort sollen, wie die Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Regina Günzel, bestätigte, im Herbst abgeschlossen sein. Ebenfalls wird gerade die Außenfassade des Ostflügels saniert.
Manfred Wörner ist guter Dinge, er glaube, „dass aus dem früheren Kloster was wird – vor allem, wenn man weiß, wie es vor einigen Jahren hier noch ausgesehen hat“. Über das „Innenleben“ mache man sich schon Gedanken, dies sei aber ein längerer Prozess. Aus diesem Grund wolle man auch einen Förderverein gründen.
Und wer weiß, vielleicht schließen sich diesem sogar Isinger an. Eventuell auch die Frau, die bei der Begrüßung meinte, sie kenne das Kloster, „eine schöne Anlage“, bislang nur von außen. Nach Binsdorf sei sie schon früher gekommen, als es das Kaufhaus Boser noch gegeben habe.
Wer sich ebenfalls für das Kloster interessiert, sollte sich schon mal den 14. September vormerken. An diesem Sonntag, dem „Tag des offenen Denkmals“, führen die Architekten durch die Anlage.