Das junge amerikanische Streichquartett Isidore hat in Stuttgart im Mozartsaal der Liederhalle Dvořák, Childs und Mozart gespielt.
Neue, sympathische Gesichter in der Russ-Kammermusikreihe: Das US-amerikanische Isidore String Quartet hat im Mozartsaal jetzt sein Stuttgarter Debüt gegeben. Vier junge Männer, die sich an der New Yorker Juilliard School kennengelernt und sich dort 2019 zum Quartett formiert haben. Inzwischen sind sie in ihren Zwanzigern, haben 2022 den Streichquartett-Wettbewerb im kanadischen Banff gewonnen, reisen seitdem durch die Welt. Machen die vier jungen Männer etwas anders, als die altbekannten Quartette der Branche? Programmatisch nicht. Ihr Repertoire besteht vor allem aus den Standards der Klassik und Romantik. An diesem Abend erklingen Mozart und Dvořák. Dazwischen ein wohltönendes Schmankerl des zeitgenössischen US-Komponisten Billy Childs.
Gespür für Klangfarben
Das Isidore-Quartett ist noch in der Entwicklung, aber einer sehr vielversprechenden. Die vier könnten in Sachen Präzision noch zulegen, aber die Kommunikation und Klangfokussierung stimmt längst. Auffällig ist ihr Gespür für Klangfarben – sowohl im Zusammenspiel als auch solistisch. Das wird Phoenix Avalon und Adrian Steele (Violinen), Devin Moore (Bratsche) und Joshua McClendon (Cello) hoffentlich bald auch in Richtung Moderne treiben.
Die vier lassen sich vor Beginn der Stücke und zwischen den Sätzen Zeit. Gut für die Einstiege in die kontrastierend angelegten Stimmungen. Besonders berührend in Mozarts spätem „Dissonanzen“-Quartett. Man kann die langsame Einleitung mit ihren chromatischen Querständen und Reibungen kühl und schroff spielen oder distanziert strukturell. Die Isidores lassen die Dissonanzen weich, aber fokussiert, emotional durchwirkt zusammenfließen und wieder auseinanderdriften. Sehr schmerzerfüllt, sehr traurig, aber Mozart darin vielleicht nah.
Ein Fest der expressiven, satten Melodik
Als Mittelstück dann das einsätzige dritte Streichquartett „Unrequited“ von Billy Childs, der den typisch amerikanischen zweigleisigen Weg geht: einerseits als Jazz-Pianist Weltkarriere macht, andererseits „klassisch“ komponiert. In „Unrequited“ ließ er sich von Janáčeks Quartett „Intime Briefe“ inspirieren. In Childs’ spätromantisch sich entladenden Flow, in dem Dissonanzen vor allem als Klangfarben eingesetzt werden, fühlte sich das Isidore Quartett hörbar wohl.
So auch in Dvořáks Streichquartett op. 106, geschrieben 1895 nach der Rückkehr in die tschechische Heimat, nachdem der Komponist drei Jahre am New Yorker Konservatorium gelehrt hatte. Die Isidores zelebrierten die expressive, satte Melodik und die ungeheure Farbenvielfalt plastisch und durchsichtig – ob befeuert von quicklebendigen Bewegungsimpulsen wie im Kopfsatz, ob voller Trauer wie im melancholischen Adagio. Zauberhaft!