Hunderte Millionen Euro für zwei Beine, die mit einem Ball schnell geradeaus laufen können? Unser Autor Peter Flaig findet die Entwicklung ungesund und denkt, dass die Bundesliga abgehängt wird.
Gehören Sie auch zu den Leuten, die gerade nicht wissen, was sie mit ihrem Geld machen sollen? Allein im ersten Quartal 2021 haben die Deutschen 200 Milliarden Euro angespart. Was man damit alles machen könnte! "Für Geld, da kann man vieles kaufen", dichtete der bayerische Liedermacher Fredl Fesl 1976, "auch Leute, die dem Ball nachlaufen."
Wie wäre es zum Beispiel mit einem absoluten Fußball-Topstar? Oder vielleicht mit einem ganzen Fußball-Klub? Für die angesparte Summe gäbe es 22 222 Vereine vom Schlage eines Traditionsklubs Karlsruher SC im Angebot. Bei den Stars reicht es allerdings – unter Einrechnung aller Nebenkosten – nur für rund 400 Kylian Mbappés.
Corona? War da was? Als es im Frühjahr 2020 losging mit den Problemen, als der Fußball-Spielbetrieb gar eingestellt werden musste, war die Rede vom "Ende des Transfer-Irrsinns", vom "Platzen der Ablösesummenblase" oder des Anfangs der Gesundung des Fußballbetriebs. Vereine, die vorher Milliarden in Fußballbeine investierten, beantragten plötzlich Kurzarbeit für ihre Angestellten und gründeten aus purem Geldmangel eine europäische "Super League" der einstmals Reichen und zukünftig Unabsteigbaren mit dem Recht der finanziellen Gesundung durch unbegrenzte Geldflüsse auf ihre Konten.
Durchschnittsspieler sind unerschwinglich geworden
Und jetzt? Kaum sind die Krokodilstränen bei Lionel Messi über seinen "erzwungenen" Wechsel ins monetäre Paradies – ein Wortspiel: Finden Sie in diesen acht Buchstaben die Stadt seiner neunen Finanzträume – getrocknet, schicken sich auf den letzten Metern des Transfer-Rennens die europäischen Spielzeuge reicher arabischer Geldsammler an, bis zum 31. August mit gegenseitigen Rekordangeboten, Forderungen und Anwerbeversuchen den Titel des Transferweltmeisters einzutüten.
Im Fahrwasser der Super-Transfers – allen voran dem Neymar-Deal von Paris Saint-Germain im Jahr 2017 mit 222 Millionen Ablöse plus Handgeld plus Gehalt für fünf Jahre – sind selbst Durchschnittsspieler unerschwinglich geworden. Manchester City hat in diesem Jahr den gehypten Linksaußen Jack Grealish für 117,5 Millionen Euro von Aston Villa losgeeist, einen Spieler, der den Großteil seiner Karriere in unterklassigen Vereinen verbracht hat und eine Champions-League-Erfahrung von exakt null Spielen mitbringt. Bei diesen Summen ist die Bundesliga komplett außen vor. Und komplett meint wirklich: komplett.
Auch der FC Bayern kann sich die Superstars nicht leisten, selbst wenn sie – wie Lionel Messi – ablösefrei zu haben wären. Die Entlohnung wäre schlicht unerschwinglich, das Gehaltsgefüge gesprengt, die Mannschaft nicht mehr finanzierbar. Und daher wird auch der dominierende Klub Deutschlands auf Dauer seine Position als europäischer Superklub nicht halten können und gemeinsam mit den weiteren Bundesligavereine zuschauen müssen, wie die europäische Krone verteilt wird. Ein bisschen so wie Bundesliga im Großen: Hier sind alle außer Bayern in der Zweiten Liga; auf europäischer Ebene rutschen die Bayern in die gleiche Kategorie ab. Die Erklärung dafür hatte 1976 schon Fredl Fesl parat: "Jedes Spiel wird bar bezahlt auf Pfennig und auf Heller; und legt man ein paar Scheine drauf, dann laufen sie schon schneller."