Restaurantbesucher müssen seit Jahreswechsel tiefer in die Taschen greifen. (Symbolfoto) Foto: Felix Hörhager/dpa

Burger mit Pommes - 17 Euro. Großer Salat - 15 Euro. Spaghetti Bolognese - 14 Euro. Die Restaurants haben ihre Preise angezogen – nicht nur wegen der Mehrwertsteuererhöhung. Gastronomen aus Villingen-Schwenningen, Sulz und Freudenstadt erklären, wie viel teurer ihre Gerichte jetzt sind und wie sie kalkuliert haben.

Michael Steiger von den Irish Pubs in Villingen-Schwenningen und Tuttlingen, Tamara Zabcic vom Gasthof Hecht in Sulz und Beate Gaiser vom Hotel-Restaurant Adler in Freudenstadt – sie alle haben zum Jahreswechsel ihre Restaurantpreise erhöht. Grund dafür ist nicht allein die Mehrwertsteuererhöhung der Bundesregierung.

 

Die Gastronomen stehen derzeit vor vielen Herausforderungen: Erhöhung des Mindestlohnes, teure Einkaufspreise wegen der Inflation, höhere Energiekosten und dazu eben noch die Steuererhöhung.

1 bis 1,50 Euro mehr pro Gericht

Konkret bedeutet das für die meisten Gerichte im Irish Pub Villingen-Schwenningen 1 bis 1,50 Euro mehr pro Gericht. Geschäftsführer Michael Steiger bestätigt, dass die Mehrwertsteuererhöhung einkalkuliert wurde. „Wenn ich sie nicht an den Kunde weitergebe, dann bezahle ich sie“, erklärt er. Man habe keine 12 Prozent Gewinn übrig an den Gerichten, um ihn an den Staat weiterzugeben. Im Gegenteil: „Wir haben auf der Kostenseite auch höhere Löhne, höhere Einkaufspreise – und deshalb sind die Preise bei uns zwischen zehn und 15 Prozent gestiegen.“ Dazu kommen fünf Prozent Aufschlag bei den Getränken der Irish Pubs.

Im Gasthof Hecht in Sulz wurden die Preise für die Abendkarte erhöht, für den Mittagstisch nicht. „Weil wir selbst auch wissen, wie schwierig es gerade für alle ist“, sagt Tamara Zabcic von der Betreiberfamilie. Die Getränkepreise blieben unverändert, genauso wie die Preise einzelner Gerichte. Die Familie habe die Karte zum Jahreswechsel neu durchkalkuliert – allerdings war das nicht das erste Mal. Eine Anpassung wegen der Inflation gab es bereits, so Zabcic.

„Wir haben da einfach eine gute Mischung gemacht“, bewertet Zabcic die neue Karte. In Zahlen bedeutet das beim Gasthof Hecht: pro Gericht maximal ein Euro mehr. Die Familie wolle den Gästen gegenüber fair bleiben, betont Zabcic. Gleichzeitig sei die Situation schwierig: „Wir kämpfen ums Überleben. Wir haben nicht erhöht, um reich zu werden. Ganz und gar nicht. Wir kommen jeden Monat gerade so rum.“

30 Kilometer weiter im Hotel-Restaurant Adler in Freudenstadt kämpft man mit den gleichen Problemen. „Die Kostenwelle, die wir dieses Jahr haben, ist enorm“, klagt Chefin Beate Gaiser. Im „Adler“ wurde die Speisekarte bereits Ende 2023 angepasst. Die Gerichte wurden um 12 Prozent, also genau um die Veränderung der Steuerlast, erhöht. Unverändert blieben die Getränkepreise - vorerst. Um die Gäste nicht abzuschrecken, sollen peu à peu weitere Anpassungen folgen. Gaiser: „Wir werden noch das ein oder andere Prozent nach oben gehen müssen.“

Nur wenige Gastronomen haben nicht erhöht

Aber gibt es eigentlich Gastronomen, die nicht erhöht haben? Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (kurz Dehoga) weiß hierauf eine Antwort: Ja, aber unter den Verbandsmitgliedern ist das die Minderheit. In einer Umfrage vom Dehoga Baden-Württemberg Anfang Januar gaben 75 Prozent an, ihre Preise erhöht zu haben. Das berichtet Pressesprecher Daniel Ohl. Viele Betriebe würden ihre Anpassung stufenweise vornehmen, so wie Beate Gaiser aus Freudenstadt. Es sei in der Branche einfach „kein Spielraum mehr da, die Erhöhung zu schlucken, zu kompensieren“, begründet der Pressesprecher.

Beate Gaiser, die sich im Dehoga auf Landkreisebene engagiert, hatte Kontakt zu Kollegen, die ihre Preise (erstmal) nicht anpassen: „Es gibt welche, die haben schlichtweg Angst, dass ihnen die Gäste wegbleiben.“ Diese Gastronomen würden versuchen, an anderen Stellen zu sparen: etwa beim Einkauf, bei der Tischwäsche, bei der Portionsgröße.

„Man fühlt sich verarscht“

Ist die Angst unbegründet? Sie selbst habe von ihren Gästen bislang viel Verständnis für die Erhöhungen im Adler erfahren, so Gaiser. Ähnliches berichten Steiger vom Irish Pub und Zabcic vom Gasthof Hecht. Die drei Gastronomen glauben nicht, dass ihre Gäste gänzlich fernbleiben. Sie fürchten jedoch, dass die Besuche seltener werden und weniger konsumiert wird. „Zum Teil hat man in der Branche große Sorge, dass die Menschen zurückhaltender im Konsumverhalten sind“, so Michael Steiger.

Letztlich bleibe für die Gastronomen einfach weniger Gewinn übrig, resümiert Beate Gaiser. Das sei enttäuschend, vor allem angesichts der vielen harten Arbeit, die in der Branche geleistet werde. Gaiser ist enttäuscht von der Politik, von den Entscheidungsträgern und klagt: „Man stülpt uns immer noch mehr Bürokratie und Schwierigkeiten obendrauf.“ Tamara Zabcic hierzu frei heraus: „Irgendwann fühlt man sich halt auch verarscht.“

Trotz allem blicken die drei Gastwirte verhalten optimistisch in die Zukunft. „Sonst braucht man es nicht machen“, meint Steiger. „Wenn wir jetzt alle den Kopf in den Sand stecken, das bringt uns nicht weiter. Wir müssen nach vorne gucken“, pflichtet Beate Gaiser dem bei. Und auch Tamara Zabcic bleibt zuversichtlich und sagt: „Was sollen wir denn sonst machen?“