Am Montag wird der nächste Bildungsvergleich über den Leistungsstand der Viertklässler vorgestellt. Ministerin Schopper hat durchblicken lassen, dass der Befund alarmierend ist.
Ob Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) sich einen Gefallen damit getan hat, dass sie beim Forum einer Tageszeitung im Land ein wenig über den neuesten Bildungsvergleich gesprochen hat, bevor sie es eigentlich durfte? Das wird sie vielleicht am Montag zu spüren bekommen. Denn dann wird der IQB-Bildungstrend, der die Schülerleistungen der Viertklässler im Lesen, Zuhören, bei Rechtschreibung und Mathematik in ganz Deutschland miteinander vergleicht, in Berlin offiziell vorgestellt. Bis dahin haben die Kultusministerkonferenz (KMK) als Auftraggeber und das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), das die Untersuchung gemacht hat, eine Sperrfrist verhängt.
Drohen funktionelle Analphabeten?
Schopper stellt die Studie in Berlin mit vor, weil sie den hessischen Kultusminister Alexander Lortz vertritt. Der ist der reguläre Vertreter der CDU-regierten Länder, mit denen Baden-Württemberg sich in Bund-Länder-Angelegenheit koordiniert.
Dass der neue Bildungsvergleich noch vertraulich sei und sie deshalb nichts dazu sagen können, erzählte Schopper dem Zeitungsbericht zufolge recht launig auf dem Podium. Doch dann fügte sie hinzu, dass es deutliche Defizite bei der Leseleistung der Schüler im Südwesten gebe. Weitere Details und Testergebnisse nannte sie nicht, Schlussfolgerungen zog sie aber schon: „Es ist alarmierend, wenn 20 Prozent der Kinder keine optimale Leseleistung mehr haben“, sagte sie. „Wir laufen Gefahr, dass wir einen Teil der Kinder als funktionelle Analphabeten aus der Grundschule entlassen.“ Auch eine Erklärung für diesen Befund hatte die Ministerin parat: Baden-Württemberg habe nach Bremen den höchsten Migrationsanteil bei der Schülerschaft in ganz Deutschland.
„Erschreckend und nicht hinnehmbar“
Auf die Details dieses Bildungsvergleichs muss man bis Montag warten. Die Opposition spart schon jetzt nicht mit harter Kritik. Der FDP-Bildungspolitiker Timm Kern sieht in dem Befund eine Folge der verfehlten Personalentwicklung, die schon seit Langem zu einer Unterversorgung der Grundschulen mit Lehrkräften im Land geführt habe. Dass Schopper die Probleme im Grundschulbereich jetzt immerhin benennt, lobt der Liberale. „Dass 20 Prozent unserer Grundschulkinder nicht ausreichend lesen können, ist erschreckend und nicht hinnehmbar.“
Es genüge nicht, Gründe für schlechte Leistungen aufzuzählen, monierte die SPD-Schulexpertin Katrin Steinhülb-Joos und forderte Ministerin Schopper auf, „sich endlich an die eigene Nase zu fassen und konkrete Handlungs- und Personalkonzepte für eine bessere Bildungspolitik vorzulegen“.