Es ist und bleibt ein Auf und Ab in der Corona-Pandemie im Kreis Rottweil. Foto: Feydzhet Shabanov – stock.adobe.com

Es waren gute Nachrichten, die zuletzt im Zusammenhang mit der Pandemie im Kreis Rottweil aufkamen: Die Inzidenz fiel unter die 100er-Marke, gleich am Montag gab es weitere Öffnungsschritte. Doch das muss nicht so bleiben.

Kreis Rottweil - Wieder einmal war es an einem Wochenende, als sich die Pandemielage im Kreis Rottweil grundlegend änderte. An dem vergangenen war es so, dass die Inzidenz deutlich unter die Marke von 100 fiel – von Freitag auf Samstag. Am Samstag lag der Wert an Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen auf 100.000 Bewohner bei 75,1, am Sonntag dann bei 88,6. Am Freitag hingegen stand bei der Inzidenz noch die Zahl 112,2.

Das war die eine gute Nachricht, die es am Wochenende gab. Die zweite folgte am späten Nachmittag. Nachdem die Landkreisbehörde offiziell festgestellt hatte, dass der Wert die kritische Marke von 100 unterschritten hatte, wurden Öffnungsschritte beschrieben.

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Eigentlich gab es in diesen Tagen im Kreis Rottweil sogar drei gute Nachrichten. Denn am Freitag entschied die Behörde, trotz der damals noch hohen Zahl an Neuinfektionen, keine erneute Ausgangsbeschränkung nachts zu erlassen. Die Gründe: Das Ausbruchsgeschehen, das zuvor festgestellt worden war, konnte exakt lokalisiert werden: drei Heime und eine Klinik waren betroffen. Die Kontakte konnten alle nachverfolgt werden. Die Pandemie, so beschreibt es Landrat Wolf-Rüdiger Michel im Gespräch mit Medienvertretern am Wochenende, schien und scheint beherrschbar.

An den Wochenenden ändert sich die Lage

Der Wendung hin zum Guten am vergangenen Wochenende war eine dramatische Verschärfung der Lage am Samstag und Sonntag zuvor vorausgegangen. Dutzende neue positive Fälle wurden Ende Februar in den Pflegeheimen und in der Helios-Klinik festgestellt. Die Inzidenz sprang über die 100 und kletterte im Laufe der Woche auf über 120. Damit nahm der Kreis den unrühmlichen zweiten Platz im landesweiten Vergleich ein. Nur Schwäbisch-Hall hatte es mit einer noch schwereren Infektionslage zu tun. Die Landes-Inzidenz lag in jenen Tagen bei 50.

Öffnungsszenarien, wie sie auf der politischen Landes- und Bundeseben in der vergangenen Woche diskutiert und später beschlossen wurden, schienen für die Menschen im Kreis Rottweil in weiter Ferne.

Doch das Blatt hat sich zum Positiven hin gewendet. Darüber zeigte sich der Landrat am Montagmorgen erfreut.

Doch das Ungemach ist damit nicht vom Tisch. Zum einen hat sich das Sozialministerium in Stuttgart noch nicht dazu geäußert, wie es sich zur Rechtsauffassung der Landkreisbehörde verhält. Michel hatte ja mitgeteilt, dass er eine nächtliche Ausgangsbeschränkung nicht nur aus epidemiologischen Gesichtspunkten zum jetzigen Zeitpunkt nicht für angebracht hält.

7-Tage-Inzidenz von unter 50 noch weit entfernt?

Vor allem rechtliche Bedenken in Bezug zur Corona-Verordnung des Landes sind es, die den Landrat so entscheiden ließen. Gut möglich, dass das Sozialministerium die Lage anders sieht und Ausgangsbeschränkungen – sollte die Inzidenz wieder über 100 liegen – dann anordnet. Dann wäre das Landratsamt an diese ministerielle Weisung gebunden.

Zum anderen jedoch, und dies wiegt viel schwerer, ist eine klare Tendenz in der Pandemie nicht erkennbar. Landrat Michel will keine Prognose abgeben, sagt er. Froh sei er, dass der Wert unter 100 liege. Und es werde sicher – mit Blick auf die leicht steigenden Zahlen bundesweit – eine ganze Weile dauern, bis die Zahl 50 erreicht werde. Auch der Leiter des Gesundheitsamts, Heinz-Joachim Adam, sagt, er glaube die nächste Zeit nicht daran. Denn das würde bedeuten, dass im Schnitt pro Tag bei weniger als zehn Einwohnern das Virus nachgewiesen werden dürfte.

Wie schwierig es sein dürfte, die Zehner-Marke an täglichen Neuinfektionen im längeren Mittel zu erreichen, zeigen die Zahlen, die am Montag bekannt gegeben werden. Da werden im Vergleich zum Vortag (Samstag) 28 neue Covid-19-Fälle bekannt gegeben. Insgesamt sind es nun 5240 Corona-Fälle im Kreis, 208 gelten als aktiv.

Wie die vom Landesgesundheitsamt am frühen Abend herausgegebene Inzidenz ausfällt, hängt jedoch von einer anderen Zahl ab. Das Landratsamt gibt alle neuen Fälle des gesamten Vortages an, in die Inzidenz fließen jedoch alle Fälle, die von 16 Uhr des Vortags bis 16 des laufenden Tages zusammengekommen sind.

Landkreise haben nun mehr Spielraum

Zufrieden zeigt sich Michel darüber, dass die neue Corona-Verordnung des Landes den einzelnen Landkreisen Beurteilungsmöglichkeiten einräumt, was Öffnungsschritte und das Ziehen der Notbremse anbelangt. Dieser Notfallmechanismus würde greifen, sollte die Inzidenz an drei Tagen die 100er-Marke überschreiten.

Möglicherweise hilft dieser Spielraum auch dabei, die Öffnungsszenarien zwischen einzelnen Landkreisen in der Region zu harmonisieren. Denn es ist so, dass die Kreise Schwarzwald-Baar, Ortenau und Freudenstadt in den vergangenen Tagen ein deutlich ruhigeres Infektionsgeschehen vorzuweisen haben – folglich können die Öffnungsschritte dort großzügiger ausfallen als im Kreis Rottweil. Richtig schwierig wäre die Situation an den Kreisgrenzen geworden, hätte Rottweil eine Inzidenz von mehr als 100, die Nachbarkreise von unter 50 gehabt.

Wie immer, wenn die Medien in der Leitung sind, appellieren der Landrat und der Leiter des Gesundheitsamts an die Bevölkerung, weiter achtsam zu sein und die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten.

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