Ein Unternehmen aus der Region erweitert sein Engagement beim VfB Stuttgart. Doch wie viele Millionen an Euro bringt der künftige Deal in die leere Clubkasse?
Stuttgart - Noch sind die Papiere nicht unterschrieben. Und noch sind die Anwälte damit beschäftigt, die letzten Vertragsdetails aufzusetzen. Doch in seinen Grundzügen ist der Deal perfekt: ein Unternehmen aus der Region steigt nach Informationen unserer Redaktion beim VfB Stuttgart als Investor ein.
Das Familienunternehmen mit Sitz im Hohenlohekreis erweitert sein Engagement beim Fußball-Bundesligisten. Bisher war Jako ein verlässlicher Partner, demnächst zeichnet der Hersteller von Teamsportbekleidung rund um den Firmengründer Rudi Sprügel Aktien der VfB AG. Nicht im großen Stil, aber für die Stuttgarter handelt es um einen ersten, kleinen Schritt in Richtung eines Mittelstandbündnisses, das Geld bringen soll.
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Offiziell bestätigt wird das Geschäft noch nicht. Aber: „Der VfB befindet sich wie viele andere Traditionsvereine wegen der Folgen der Coronapandemie in einer existenziell herausfordernden Situation. Um seine Basis nachhaltig zu stärken, ist der VfB seit geraumer Zeit mit unterschiedlichen Unternehmen in Gesprächen über mögliche Anteilskäufe“, sagt der Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger. Etwas mehr als ein Prozent der Anteile soll Jako übernehmen, zum Wert wie es der Ankerinvestor Daimler 2017 bei der Ausgliederung getan hat. Auf 350 Millionen Euro wurde der VfB taxiert.
Das sagt VfB-Chef Thomas Hitzlsperger
Das bringt dem Club zunächst etwa vier Millionen Euro . Das klingt nicht viel, doch die Vereinbarung ist an eine Verlängerung des Ausrüstervertrags gekoppelt (seit der Saison 2019/20). „Zum im Juni 2023 auslaufenden Ausrüstervertrag befindet sich der VfB in sehr partnerschaftlichen Gesprächen mit Jako, um die bisherige erfolgreiche Partnerschaft langfristig fortzusetzen und zu erweitern“, erklärt Hitzlsperger. Jakos Marketingvorstand Tobias Röschl gibt sich ebenfalls zurückhaltend: „Wir streben eine langfristige Zusammenarbeit mit dem VfB als Leuchtturmpartner an.“ Es handelt sich offenbar um eine künftige Vertragslaufzeit von mindestens fünf Jahren – was den Stuttgartern im Gesamtvolumen mehr als 20 Millionen Euro bringen soll.
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Der Betrag wird jedoch nicht auf einmal fließen. Dennoch ist die Höhe in Pandemiezeiten nicht zu verachten, da sie dem Club mehr Planungssicherheit und Handlungsspielraum in einer schwierigen Phase verleiht. Der Umsatzverlust beläuft sich seit Ausbruch der Coronakrise auf mehr als 80 Millionen Euro. Tendenz weiter steigend, da nicht abzusehen ist, wann das Stadion wieder mit Zuschauern gefüllt werden kann. Um die fehlenden Einnahmen zu kompensieren, drohen deshalb schon jetzt Spielerverkäufe. Das frische Geld ist allerdings nicht dafür vorgesehen, gleich in neue Fußballprofis investiert zu werden. Es geht um eine Kapitalerhöhung – und um ein Zeichen. Denn bei den Anstrengungen, den VfB finanziell über Wasser zu halten, liegt „ein Fokus auch auf starken, regionalen Mittelständlern, die an einer zukunftsgerichteten Entwicklung des Clubs interessiert sind“, sagt Hitzlsperger.
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Das war ursprünglich die Idee von Präsident Claus Vogt bei seinem Amtsantritt im Dezember 2019. Lieber mehrere kleine Geldgeber als zwingend ein zweiter großer Investor, liebäugelte Vogt. Umsetzen lässt sich das Vorhaben jedoch nur schwer, was nicht allein an den Folgen der Covid-19-Plage liegt. Denn es gibt im Verein auch die Überzeugung, dass ein strategischer Partner den größeren Mehrwert bietet. Mit dem französischen Sportrechtevermarkter Lagardere befand sich der VfB in weit gediehenen Verhandlungen, ebenso gab es intensive Gespräche mit dem bayerischen Finanzinvestor Bregal. Zum Abschluss kam es nicht.
Gibt es bald weitere Investoren?
Jetzt scheint der Richtungsstreit dadurch beendet zu sein, dass der VfB zweigleisig vorgeht. Zunächst soll Anfang März die Zusammenarbeit mit Jako zementiert werden. Es besteht aber nicht die Aussicht, bald weitere regionale Investoren präsentieren zu können. Theoretisch könnte als Nächstes ebenso ein global tätiges Unternehmen ein deutlich umfangreicheres Aktienpaket erwerben.
Interessenten gibt es, und Gespräche laufen. Wobei sich für den VfB immer wieder die Problematik ergibt, dass sich der Club einerseits dem Markt öffnen will (in der Not vielleicht sogar öffnen muss), andererseits sehr darauf achtet, nicht fremdbestimmt zu werden. Ein Grundsatzkonflikt, obwohl die 50+1-Regel der Deutschen Fußball-Liga (DFL) festlegt, dass die Mehrheit der Aktien in Vereinshand bleiben muss. Beim VfB sind es nach der Ausgliederung sogar 75,1 Prozent.
Doch die Wirklichkeit auf dem Finanz- und Fußballsektor stellt sich komplexer dar. Wer Geld gibt, lässt sich nicht so leicht durch DFL-Statuten abschrecken. Man will mitreden und mitentscheiden (mindestens mit Sitz im Aufsichtsrat der AG) – vor allem wollen Finanzinvestoren aber eine Rendite kassieren. Mit Ausnahme der Daimler AG, wie beim VfB stets betont wird. Der Nachbar an der Mercedesstraße betrachtet die 41,5 Millionen Euro (11,75 Prozent der Anteile), die er überwiesen hat, als eine Investition in den weichen Standortfaktor VfB.