Was sich bereits im Frühjahr angedeutet hat, ist nun offiziell: Das Neubauprojekt mit Hotel, Handel und Wohnungen auf dem Alten Tonhallenareal in Villingen ist geplatzt. Während die Stadt die Gründe erläutert, weiß der Investor noch nichts von der Absage.
Pleiten, Pech und Pannen: So lässt sich das Trauerspiel rund um die geplanten Projekte auf dem Alten Tonhallenareal zusammenfassen. Auch der neue Anlauf, das seit 25 Jahren brachliegende Gelände zu bebauen, ist gescheitert.
Im Mai 2020 waren die Stadträte noch frohen Mutes angesichts eines schicken Entwurfs, den die S&P Commercial Development GmbH als Bewerber vorlegte und damit andere Konkurrenten ausstach. Geplant waren ein Edeka und ein dm-Markt, zusätzlich ein Bio-Markt sowie ein Hotel mit 140 Zimmern und 38 Mietwohnungen. Im Zuge der Bebauung sollte auch das Brigachufer erlebbar gemacht werden. Und jetzt? Vier Jahre Planungen sind futsch.
Bebauungsplan war noch vorangetrieben worden
Bereits im Frühjahr hatte unsere Redaktion vernommen, dass das Projekt wackelt. Kein Wunder: Bauvorhaben dieser Größenordnung im Millionen-Bereich haben derzeit angesichts der wirtschaftlich schwierigen Zeiten Seltenheitscharakter. Zwar war das Bebauungsplanverfahren, das hatte die Stadt im März erklärt, weiter vorangetrieben worden – doch da war offenkundig bereits Sand im Getriebe.
Dies erklärt auch S&P Commercial Development damals auf Anfrage unserer Redaktion. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hätten sich seit dem Projektstart grundlegend geändert, nicht nur hinsichtlich der Baukostensteigerung. Die Folge: Wirtschaftliche Rahmenbedingungen seien bei Bau-Projekten „deutlich verschoben“ worden.
Änderungen passen der Stadt nicht
Man erläuterte deshalb, dass Projektparameter geprüft würden, natürlich habe man weiterhin Interesse daran, das Projekt zu realisieren. Dürfte konkret heißen: In den vergangenen Monaten war nach deutlichen Einsparmaßnahmen gesucht worden. Diese hatte man den Verantwortlichen der Stadtverwaltung vorgelegt – Gefallen fand man daran aber nicht.
Das machte Bürgermeister Detlev Bührer am Dienstag in der Sitzung des Technischen Ausschusses deutlich. Angedacht sei demnach gewesen, den Parkraum nicht in einer Tiefgarage, sondern oberirdisch anzusiedeln. Auch die Flaniermeile zur Brigach – eines der zentralen Gestaltungselemente des Projekts und die Verbindung zur Innenstadt – hätte wegfallen sollen. Bührer machte gegenüber den Stadträten deutlich: „Da können wir als Stadt nicht mitgehen. Das Verfahren ist damit beendet.“
Investor weiß noch nichts von der Absage
Der städtische Pressesprecher Patrick Ganter bestätigt auf Nachfrage unserer Redaktion, dass das Projekt damit gestorben sei. Man habe S&P am 9. Dezember darüber informiert, dass es keine Grundlage mehr für eine Fortführung des Projekts gebe. Ganter: „Das zuletzt übersandte Konzept entsprach im Ergebnis nicht dem Bebauungsplan und dem damit verbundenen städtebaulichen Konzept.“
Bei S&P weiß man indes noch nichts von der Absage, wie es Anfrage unserer Redaktion heißt. Pressesprecherin Kirsten Bauseler erläuterte: Man habe „zuletzt verschiedene Konzeptionen vorgestellt, um das Projekt realisierbar zu machen“. Rückmeldung diesbezüglich habe man noch nicht, erklärte sie am Mittwoch.
Auch Neubau des Amtsgerichts wackelt
Damit ist völlig offen, wie es mit dem 5000 Quadratmeter großen Gelände weiter geht. Denn zuletzt war auch offen, ob im nördlichen Bereich des Areals der geplante Neubau des Amtsgerichts realisiert wird. Das Gebäude hätte eigentlich bis zum Jahr 2028 stehen sollen, allerdings sind im aktuellen Staatshaushaltsplan 2025/26 für das Projekt keine Mittel eingestellt worden. Der Neubau steht damit ebenfalls in den Sternen.