Windpark-Investor EWS hat nun auch eine Genehmigung für die beiden zurück gestellten Windräder auf dem Zeller Blauen beantragt.
Waren die bisher beantragten sieben Windräder - davon vier im Halbkreis um den Weiler Käsern - noch öffentlich erörtert worden, fand die Beratung mit Zahlen und Details zu den beiden weiteren Windrädern im Gebietsdreieck Böllen, Fröhnd und Bürchau (Kleines Wiesental) nicht-öffentlich statt. Das erläuterten Bürgermeister Stefan Niefenthaler und Hauptamtsleiterin Claudia Brachlow dem Gremium und den Zuhörern im Ratssaal Tegernau.
Anlage wird abgerissen und neu gebaut
Bei der Windenergieanlage (WEA) 4 handelt es sich um den Standort der jetzigen Altanlage auf dem Zeiger, die „repowert“ werden soll. Das heißt, sie wird abgerissen und erneuert.
Übernommen wurde für die WEA 1 und 4 im wesentlich die bereits bekannten Stellungnahmen des Gemeinderates zu den ersten sieben Anlagen. Darin wurde kritisiert, dass die Windmessungen nicht vollständig offengelegt wurden, obwohl diese für die Bewertung der Windhöffigkeit und Ertragsfähigkeit essenziell sind. Die Gemeinde fordert die vollständige Offenlegung der Winddaten.
Gemeinderäte sorgen sich um die Quellen
Auch wenn der Windpark außerhalb eines Trinkwasserschutzgebietes liegt, fordert die Gemeinde vertiefte fachgutachterliche Untersuchungen zu den Auswirkungen auf Quellbereiche, Wasserabfluss und Versickerung, um Beeinträchtigungen der Wasserversorgung für Natur, Landwirtschaft und Wildtiere zu vermeiden. Es besteht Sorge, dass Eingriffe durch Fundament- und Zuwegungsarbeiten die Wasserverhältnisse der zahlreichen Quellen negativ beeinflussen könnten. Gefordert wird auch eine Nachtkennzeichnung der Anlagen, um Lichtverschmutzung und negative Auswirkungen auf Tiere und Menschen zu minimieren. Bei den Schallbelastungen wird angeregt, die tatsächlichen Emissionen durch unabhängige Messungen nach Inbetriebnahme zu überprüfen, um die Einhaltung der Immissionsgrenzwerte sicherzustellen. Zudem soll die Montage der Sägezahn-Hinterkanten an den Rotorblättern zur Schallminderung verpflichtend vorgeschrieben werden. Aufgrund der exponierten Lage und der Topographie wird die optische Bedrängung durch die Anlagen als hoch eingeschätzt. Die Gemeinde fordert eine Prüfung der Abstandsregelung unter Berücksichtigung der Topographie, um die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes zu minimieren. Der Schutz der sensiblen Natur- und Tierarten, insbesondere der Haselmaus und Fledermäuse, wird gefordert. Für Fledermäuse sollen Monitoring-Maßnahmen verpflichtend werden.
Historische Grenzstein sollen erhalten werden
Die Erhaltung des kulturellen Erbes wie den historischen Grenzsteinen soll durch entsprechende Schutzmaßnahmen gewährleistet werden. Für den Eiswurf- und Eisschlag-Schutz auf den Wegen sollen Maßnahmen entsprechend früherer Genehmigungen übernommen werden. Zudem wird die verpflichtende Installation von Feuerlöschanlagen an den Anlagen gefordert, um im Brandfall die Feuerwehr zu entlasten. Die Gemeinde fordert eine höhere Kompensationsquote von 4,7 Prozent, da die Eingriffe in die Natur erheblich sind. Das heißt: 4,7 Prozent der Baukosten sollen in Ausgleichsmaßnahmen fließen. Die Ausgleichsmaßnahmen sollen im Planungsgebiet erfolgen, um den Eingriff in die Natur zu kompensieren.
Hierauf pochte zum Beispiel Gemeinderätin Brigitte Schwarzwälder aus Wies noch einmal. Die EWS versuche gerichtlich gegen die Höhe der Ausgleichsquote vorzugehen. Gemeinderat Marc Albiez aus Bürchau hält es für einen „Witz“, welche geringe Summe der Investor für Rückbaumaßnahmen vorhalten muss. Gemeinderat Matthias Leisinger will hingegen Klarheit bei der Zuwegung der Standorte; es gebe dazu unterschiedliche Angaben. Bürgermeister Stefan Niefenthaler antwortete, dass die Zuwegung ohnehin separat beim Regierungspräsidium beantragt werden müsse.
Zwei Ratsmitglieder lehnen das Einvernehmen ab
Schließlich wurde der Punkt auf Antrag von Brigitte Schwarzwälder gesplittet: Einheitlich stimmte das Gremium der Stellungnahme zum Windpark zu. Beim Teilpunkt zum baurechtlichen Einvernehmen der beiden Windräder gab es dagegen zwei Gegenstimmen.