Der Tailfinger Rundstrick- und Flechtmaschinenhersteller Mayer und Cie. blickt auf eine 120-jährige Firmengeschichte zurück. Foto: Roth

Das Tailfinger Unternehmen Mayer & Cie. steht vor einem Neuanfang: Ein Investor aus China übernimmt und setzt auf den Standort Albstadt.

Die Nachricht, dass der traditionsreiche Tailfinger Rundstrick- und Flechtmaschinenhersteller Mayer & Cie. den Geschäftsbetrieb einstellen muss, war Anfang Dezember nicht nur ein Schock für das Unternehmen und seine Mitarbeiter, sondern auch für den Wirtschaftsstandort Albstadt im Allgemeinen. Trotz intensivster, weltweiter Suche sei es nicht gelungen, einen Investor für die insolvente Firma zu finden, hieß es damals vom Generalbevollmächtigten Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger. Das Insolvenzverfahren vor dem Amtsgericht Hechingen wurde eröffnet, einem Großteil der 270 Mitarbeiter wurde auf Ende Februar gekündigt. Bis dahin sollten Restaufträge abgearbeitet werden.​

 

Das Ende von Mayer und Cie. schien besiegelt, bis das Unternehmen an diesem Dienstagmorgen, 10. Februar, überraschend mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit geht. Die Überschrift: „Investor für Mayer und Cie. - Rundstrickmaschinenhersteller geht an chinesische Eigentümerfamilie.“ Offenbar in letzter Minute rettet der chinesische Unternehmer Xu Hongjie Mayer & Cie. vor dem Aus; der Kaufvertrag sei am Montag unterschrieben worden, heißt es in der Mitteilung weiter.

Huixing beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter

Der chinesische Unternehmer übernimmt demnach den kompletten Rundstrickbereich, inklusive der Tochterunternehmen in Vsetín (Tschechien) sowie in Jintan (China). Der Flechtmaschinenbereich sei bereits im Dezember an einen italienischen Investor veräußert worden. Hongjie stammt aus einer südchinesischen Unternehmerfamilie, die seit knapp 30 Jahren das Unternehmen Huixing führt. Huixing beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter und entwickelt, fertigt und vertreibt Rundstrickmaschinen weltweit. Mit den Maschinen der Marke Mayer & Cie. wolle sich Huixing künftig das Premiumsegment erschließen. Da Entwicklung und Fertigung zum Markenkern von Mayer & Cie. gehören, bleibe der Standort Albstadt auch in Zukunft von strategischer Bedeutung.

Trotz aller Euphorie: Noch hängt der Vollzug des Kaufvertrags maßgeblich von der Erteilung erforderlicher behördlicher Genehmigungen, unter anderem der Freigabe der zuständigen chinesischen Behörden für Auslandsinvestitionen sowie der Unbedenklichkeitsbescheinigung des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, ab. Darüber informiert Mayer & Cie. in einer weiteren Pressemitteilung am Dienstagnachmittag. Nach derzeitigem Stand, so heißt es weiter, könne mit einem Vollzug der Kaufverträge innerhalb von etwa sechs bis acht Wochen gerechnet werden. In der Zeit beabsichtige die Erwerberin auch das Konzept für die neue Gesellschaft zu finalisieren.

Für Mayer & Cie. wird es einen kompletten Neustart geben. Denn: Mit der Vertragsunterzeichnung sei die bisherige Mayer & Cie. GmbH & Co. KG erloschen. Die Nachfolgegesellschaft trage zunächst den Namen „Blitzstart“. „Blitzstart“ sei aber lediglich als Projektname zu verstehen; der Markenname Mayer & Cie solle unbedingt erhalten bleiben, betont Unternehmenssprecherin Claudia Bitzer auf Nachfrage.

Folglich müssen auch sämtliche Mitarbeiter neu angestellt werden. Wie viele letztlich eine Weiterbeschäftigung finden, dazu will sie noch keine konkreten Angaben machen – auch, um keine Erwartungen zu schüren. Einige frühere Mayer-&-Cie-Mitarbeiter hätten zwischenzeitlich zudem anderweitige einen Job gefunden. Das Ziel sei es aber, die Produktion so schnell wie möglich – bestenfalls in diesem Frühjahr – wieder ans Laufen zu bekommen.

„Viel zu tun, wenig Zeit“

Dass der Weg dorthin kein einfacher wird, macht der neue Eigentümer in der Pressemitteilung von Dienstagmorgen deutlich: „Viel zu tun und wenig Zeit“, wird Xu Hongjie zitiert. „Es gilt dafür zu sorgen, dass das Unternehmen überlebt.“ Mayer & Cie., das ist Xu Hongjie klar formuliertes Ziel, solle auch in Zukunft bleiben, was es ist: eine deutsche Premiummarke, entwickelt und hergestellt in Deutschland. „Die Menschen lieben und vertrauen Marken mit Tradition“, sagt Xu Hongjie in der Mitteilung. „Wir sind stolz auf die 120-jährige Geschichte und die Technologie, die in diesem Unternehmen steckt.“

In der Pressemitteilung von Dienstagnachmittag äußert sich auch Rechtsanwalt Martin Mucha, der als Generalbevollmächtigter bei Mayer & Cie. eingestiegen und zusammen mit seinem Team die Geschäftsleitung im Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung unterstützt hat: „Mit dem Verkauf der Assets aus dem Rundstrickbereich von Mayer & Cie. an Huixing haben wir eine Perspektive für die geplante Wiederaufnahme des Geschäfts gefunden. Für den Standort ist es eine gute Nachricht, dass der Betrieb künftig wieder hochgefahren werden soll.“ Der Investor bringe nicht nur finanzielle Mittel mit, sondern auch hervorragende Geschäftsbeziehungen insbesondere in Asien, aber auch weltweit, von denen Mayer & Cie. profitieren könne. „Ich freue mich, dass wir nach intensiven Bemühungen auf den letzten Metern noch dieses Ergebnis erarbeiten konnten.“

Als Sachwalter von Mayer & Cie. wurde Rechtsanwalt Ilkin Bananyarli von der PLUTA Rechtsanwalts GmbH bestellt. Er sagt: „Alle Beteiligten haben unermüdlichen Einsatz gezeigt, dennoch führte der M&A-Prozess zunächst zu keiner Investorenlösung. Umso erfreulicher ist es, dass sich im Verfahren in letzter Minute diese Wendung ergeben hat.“ Für den Traditionsbetrieb und die Gläubiger sei das ein sehr erfreuliches Ergebnis.

Über viele Monate habe man intensiv nach einem Investor für Mayer & Cie. gesucht. Trotz der angekündigten Stilllegung sei die Suche mit Hochdruck fortgesetzt worden. „Dass wir Huixing für Mayer & Cie. interessieren und sie schließlich überzeugen konnten, ist für uns alle ein großer Erfolg“, erklärt Volker Wintergerst von der Wintergerst Societät für Unternehmerberater, der zusammen mit seinen Kollegen Christian Scharfenberger und Simon Ulmer den Investorenprozess begleitete.

Investor sieht großes Potenzial

Das Amtsgericht Hechingen hatte am 1. Dezember 2025 das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Dabei bleibt – im Unterschied zu einem regulären Insolvenzverfahren – die unternehmerische Verantwortung in den Händen der Geschäftsführung. Bei Mayer & Cie. erfährt diese Unterstützung vom Sanierungsexperten Martin Mucha. In der Eigenverwaltung setzt das zuständige Amtsgericht keinen Insolvenzverwalter, sondern einen Sachwalter ein, der das Verfahren im Interesse der Gläubiger überwacht.

Die Freude bei Mayer & Cie über die neue Chance ist groß: Der neue Investor sehe großes Potenzial in der Tailfinger Traditionsfirma, erläutert Sprecherin Claudia Bitzer. Dazu sei Xu Hongjie von den Synergieeffekten zu der neuen Schwesterfirma Huixing überzeugt.