Geldscheine gestapelt.  Foto: © PeJo – stock.adobe.com Foto: Schwarzwälder Bote

Haushalt: Bad Teinach-Zavelstein investiert auch in der Krise gewaltig

In Bad Teinach-Zavelstein fühlt man sich wie im gallischen Dorf. Während überall der Rotstift wegen Corona angesetzt werden muss, hat die Stadt noch Reserven – die werden jetzt aber angezapft.

Bad Teinach-Zavelstein investiert auch mitten in der Corona-Krise kräftig. Doch ganz spurlos geht die weltweite Krise auch am "gallischen Dorf" im Nordschwarzwald nicht vorbei. Dennoch: Zufrieden mit dem Entwurf sind am Ende alle.

Bad Teinach-Zavelstein. Der Gemeinderat der Stadt Bad Teinach-Zavelstein beschloss in seiner jüngsten Sitzung einstimmig den Haushalt für 2021. Der sieht eine für Corona-Zeiten durchaus stattliche Investitionssumme von 3,83 Millionen Euro vor. Konkret fließen die Gelder in rund 40 Einzelmaßnahmen. Bad Teinach-Zavelstein zeige sich nahezu unbeeindruckt von allem, was darum herum passiere, freute sich Bürgermeister Markus Wendel mit Blick auf die Corona-Folgen: "Ähnlich wie das gallische Dorf, in dem Asterix und Obelix gelebt haben", so der Rathauschef. Die Corona-Krise hinterlässt aber auch im blank polierten Sparschwein der Stadt einige üble Kratzer. Die Gewerbesteuer bricht um 110 000 Euro, der Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer um 165 000 Euro ein.

Glücklicherweise können die Mindererträge durch zwei glückliche Faktoren – Verkauf von Ökopunkten und einmaliger Waldzuschuss – sogar überkompensiert werden (wir berichteten).

Der größte Batzen im investiven Bereiches ist mit enormem Abstand der Breitbandausbau. Der verschlingt im laufenden Jahr satte 1,5 Millionen Euro – gottlob bekommt man hier 760 000 Euro an Fördergeldern zugeschossen. Auch in die Feuerwehr investiert Bad Teinach-Zavelstein in diesem Jahr massiv: insgesamt werden 48 000 Euro in drei Projekte gepumpt. Ein Gaswarngerät für die Abteilung Rötenbach kostet 3000 Euro, die Umrüstung auf Digitalfunk 15 000 Euro. Nicht zuletzt werden 30 000 Euro für einen Generator im noch umzubauenden Notfallzentral-Haus fällig. Was ganz wesentlich mit der Feuerwehr zu tun hat, ist Wasser. Und letzteres fließt durch zahlreiche Leitungen.

Womit man beim nächsten großen Investitionsschwerpunkt im Jahr 2021 wäre. Gleich vier Leitungen – alle in Sommenhardt gelegen – werden saniert, aufdimensioniert oder gleich neu gebaut. Kostenpunkt: insgesamt 160 000 Euro. Auch in Abwasserkanäle wird im neuen Haushaltsjahr gewaltig investiert: 440 000 Euro macht Stadtkämmerer Volker Mönch, natürlich mit dem Segen des Gemeinderates, locker. Die Kanalverlegung in Sommenhardt schlägt hier alleine schon mit 310 000 Euro zu Buche, die Aufdimensionierung des Kanals beim Gotsacker sowie der Kanal im neuen Baugebiet "Erweiterung Hausäcker" kosten jeweils abermals 100 000 Euro.

Für den Straßenbau, konkret eine Straße im oben erwähnten neuen Sommenhardter Baugebiet, nimmt man mehr als 200 000 Euro in die Hand. Da wirken die Planungskosten für den Radweg zwischen Würzbacher Kreuz und Rötenbach mit 15 000 Euro fast schon winzig.

Kinderbetreuung kostet

Alles andere als winzig ist der groß angelegte Ausbau der Kinderbetreuung in Bad Teinach. Hier werden über die Jahre mehr als 600 000 Euro fällig – in diesem Haushalt sind jetzt zunächst 400 000 Euro eingeplant. Allerdings investiert die Kommune nicht nur im sechsstelligen Bereich, sondern tätigt auch vermeintlich kleinere Investitionen im fünfstelligen Bereich. So werden Parkplätze im Schmieher Wald sowie in Bad Teinach nahe der "Teufelsbrücke" (siehe rechte Grafik) geplant. Kostenpunkt hier: 31 000 Euro. Teurer kommt da schon die Toilettenanlage "Pailes Garten" daher: Satte 90 000 Euro kostet das neue stille Örtchen im Teilort ­Zavelstein.

Kleinere Beiträge sind beispielsweise die Sanierung einer städtischen Wohnung in Schmieh für 70 000 Euro, der Einbau von Sicherheitsglas im Grundschulgebäude (25 000 Euro), der Zuschuss für das neue Rasenspielfeld der SpVgg Bad Teinach-Zavelstein (50 000 Euro) oder das geplante Retentionsbecken an der Teinach für 30 000 Euro. Letzteres wird im Zuge des Baus der Seniorenresidenz in Bad Teinach nötig, um diversen Hochwasserrichtlinien gerecht zu werden.

Doch es ist nicht so, dass in der aktuellen Phase alles ohne Probleme finanziert werden kann. Für die Finanzierung des Haushalts muss man auf die Rücklagen von 2,7 Millionen zurückgreifen. Davon benötigt man 1,5 Millionen Euro. Doch einen Tod muss man trotz allem sterben: "Weil wir keine Bereiche mehr fördern sollten, die ihren Lebenszyklus hinter sich haben, erhält der Haushaltsplanentwurf für 2021 keine Mittel mehr für den Minigolfplatz", verkündete Rathauschef Wendel in der Haushaltssitzung. Somit ist auch der letzte Sargnagel endgültig in den seit Jahren dahinsiechenden Minigolfplatz gehämmert. Doch das Areal, das der Stadt gehört und noch über eine Hütte verfügt, soll nicht brachliegen. Im Finanz- und Verwaltungsausschuss sei die Idee aufgekommen, so Wendel, dass man dort eine öffentlich zugängliche Boccia-Bahn anlegen könnte. Zudem soll die Hütte zu einer Unterstell- und Aufenthaltshütte umgebaut werden. Da werde die Stadtverwaltung wohl alsbald eine erste Idee an den Gemeinderat herantragen, stellte der Bürgermeister in Aussicht.

Auch aus dem Gemeinderat gab es im Rahmen der überfraktionellen Haushaltsrede, die Johannes Schaible hielt, viel Lob für die Verwaltung. "Unserer Stadt steht der Krisse stark gegenüber und kommt mit einem leicht blauen Auge davon", so Schaible.

Auf eines aber sind Gemeinderat und Stadtverwaltung gemeinsam stolz wie Bolle: Bad Teinach-Zavelstein gehört nach wie vor und trotz weltweit grassierender Pandemie zum durchlauchten Kreis der schuldenfreien Kommunen in Baden-Württemberg. Es stimmt also schon in gewisser Weise – der Vergleich der unbeugsamen Gallier mit den ebenso widerstandsfähigen Bad Teinach-Zavelsteinern. Zumindest auf die haushaltliche Robustheit gemünzt.

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