Nichtöffentlich wurde es ausgedacht – und nun in einem Rutsch offiziell beschlossen. Andreas Flöß stellte im Gemeinderat vor, wie alles mal aussehen könnte.
Die „politische AG Rössle“ hat es ersonnen – und der Gemeinderat folgte nun kurzerhand und mehrheitlich fest entschlossen in seiner Sitzung am Mittwochabend dem Vorschlag: Das ehemalige Einkaufszentrum s’ Rössle, das die Stadt gekauft hat, soll nicht abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, sondern umgebaut werden – einhergehend mit einem ganzen Vorhabenkatalog für die Schwenninger Innenstadt.
Oberbürgermeister Jürgen Roth sprach von einem „roten Faden“ für die Schwenninger Innenstadt, und um die Tragweite der Entscheidung klar zu machen, kann wohl Grünen-Stadtrat Armin Schott zitiert werden: Er nannte sie „die wichtigste der nächsten fünf Jahre“ .
Die für den nun beschlossenen „Handlungsstrang“ prognostizierten Kosten übersteigen die 90-Millionen-Euro-Marke schon in der Planung deutlich.
Was man für das Geld bekommen will, bezieht sich zum einen auf die Rössle-Immobilie. Für diese stellte Architekt Andreas Flöß im Auftrag der Stadt eine Machbarkeitsstudie vor, die offenbar über die vergangenen Sommerwochen in ziemlich sportlichem Tempo entstanden ist.
Verkauf von Museum und mehr beschlossen
Künftig sollen in dem Komplex Teile der Stadtverwaltung, die Stadtbibliothek, die Volkshochschule, sogenannte Co-Working-Spaces, die Städtische Galerie und das „Museum der Zeit“ – bisher als Museumsquartier gedacht – unterkommen. Als weitere Maßnahmen steht fest: Die bisherige Stadtbibliothek soll „umgenutzt“ werden. Die Gebäude Schützenstraße 13 / 13/1 und Bürkstraße 1 sollen abgerissen, und die Kita Bürkstraße neu gebaut werden. Das Gebäude Metzgergasse 8, die Janusz-Korczak-Schule – das bisherige Gebäude der Volkshochschule – und das Heimatmuseum am Muslenplatz verkauft werden – letztere beiden Verkäufe beschloss man nach einem in der Sitzung vorgelegten Ergänzungsantrag der CDU-Fraktion. Und ebenfalls noch Teil des beschlossenen Maßnahmenpaketes: Das Rathaus Schwenningen soll saniert und der Muslenplatz neu gestaltet werden.
„Ein gutes Konzept“
Oberbürgermeister Jürgen Roth sagte es vorneweg: „Wir haben eine umfassende Konzeption bereitzustellen.“ Mit der verpflichte man sich dem Land gegenüber (von dem hohe Fördergelder erwartet werden). Er sagte: „Ich glaube, es ist ein gutes Konzept.“ Was die konkrete Ausgestaltung angeht, wolle man nun „mit vielen Beteiligten reden“, etwa mit dem Schwenninger Heimatverein. Dessen Vertreter waren übrigens auch in der Sitzung und schauten sich staunend an, was da vorgestellt wurde – es war für sie komplettes Neuland.
Die Leiterin der Schwenninger Museen, Martina Baleva, und Galerieleiter Alejandro Perdomo Daniels – ebenfalls in der Ratssitzung im Zuschauerraum – seien hingegen laut Andreas Flöß in die bisherigen Gespräche eingebunden gewesen und haben sich auch für die vorgeschlagenen Lösungen ausgesprochen.
„Ideen, Gedanken, Appetitanreger“
Andreas Flöß hatte zuvor in einem längeren Vortrag vorgestellt, wie man sich das Haus künftig vorstellen kann: mit einem attraktiven Zugang vom Muslenplatz her, von dem das Gebäude bislang ja so gut wie gar nicht wahrgenommen werde – das soll sich zum Beispiel künftig ändern. Er sprach hier von „Ideen, Gedankenhilfe, Appetitanregern“ und zeigte auf, wie sich die einzelnen Bereiche im Inneren der Immobilien über die Stockwerke verteilen könnten, wie das Dach des Gebäudeturms mit PV-Modulen belegt werden könnte und etliche weitere Details.
Viel Begeisterung, aber auch Ablehnung
Etliche Ratsmitglieder zeigten sich begeistert: Dirk Sautter (CDU) sprach von zwar beachtlichen Kosten, aber insgesamt von einer „guten Strategie für die Zukunft“, Veronika Bastian (Freie Wähler) lobte zu erwartende Synergieeffekte und den Erhalt des Gebäudes, Olaf Barth (AfD) den „wunderschönen Plan“,bei dem alles reinpasse.“ Und Nicola Schurr (SPD) sprach von, einem „Aufbruch“ und einem „Signal der Zuversicht“.
Bei der Fraktion der Grünen war das Stimmungsbild hingegen nicht ganz so eindeutig – während zum Beispiel Ulrike Salat von einer „Riesenchance“ sprach und sich darüber freute, dass man jetzt endlich das geforderte Gesamtkonzept vorliegen habe, stellte Oskar Hahn die Frage, was man sich angesichts der hierfür anfallenden hohen Kosten künftig nicht mehr leisten können wird – was auch Frank Bonath (FDP) gerne gewusst hätte. Oskar Hahn kritisierte, was auch andere Ratsmitglieder teilten, dass der Findungsprozess bis hierhin „nichtöffentlich bis zum Schluss“ gewesen sei.