Bevor die Herrenkramersche Krippe im Rottweiler Stadtmuseum in der Weihnachtszeit wieder bespielt wird, haben Cornelia Votteler und Ulli Kammerer noch viel Arbeit vor sich.
Es ist fast ein bisschen wie in der Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium. Nur, dass nicht Kaiser Augustus ausruft, dass „jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt“, sondern dass es Ulli Kammerer und Cornelia Votteler sind, die quasi das Volk in der Herrenkramerschen Krippe im Stadtmuseum zur Volkszählung bitten.
Und die Herrschaften scheinen ganz begeistert, dass sie endlich aus ihren Schränken und Schachteln herausdürfen, um von allen Seiten ausführlich bewundert und dokumentiert zu werden.
Ganz begeistert sind die beiden Museumsmitarbeiterinnen tatsächlich von dem, was sie da so zu sehen bekommen. Und sie geraten regelrecht ins Schwärmen über den Krippen-Schatz, der hier den Großteil des Jahres schlummert und nur zwischen Weihnachten und Maria Lichtmess an die „frische Luft“ und auf den Krippenberg darf, um dort Jung und Alt zu erfreuen.
Besonderer Fund
Seit Wochen sind die beiden Frauen damit beschäftigt, den Krippenberg mit teils neuen Figuren und natürlich auch frischem Grün zu bestücken. „Es wird künftig wieder mehr Handwerkerszenen geben“, informiert Cornelia Votteler und zeigt die Figur eines Nagelschmieds, der im Krippletext erwähnt wird. „Das ist eine tolle alte Figur, die man sogar bespielen kann“, schwärmt sie. Die sei in den Tiefen eines alten Schrankes aufgetaucht.
Bei der Inventur hätten sie einige Figuren gefunden, die sich ins 18. Jahrhundert datieren lassen, aber manche von ihnen sind „schwer verwundet“, so dass sie erst wieder hergerichtet werden müssen.
Vom Huhn bis zum Kamel
Die Gestaltung der Figuren ist ganz unterschiedlich, da gibt es welche aus Ton, andere aus bloßen Holzklötzchen und Draht, die dann mit Kleidern ausstaffiert wurden. „Man sieht, dass der Figurenfundus immer wieder ergänzt wurde“, erklärt Cornelia Votteler und zeigt auch Figuren aus dem 19. Jahrhundert.
Viele der Originalfiguren seien im Laufe der Zeit durch Kopien ersetzt worden. Insgesamt zählt die Krippenkumpanei gut 300 Figuren, hinzu kommt allerlei Getier – vom Huhn bis zum Kamel.
„Es gibt auch viele Figuren, die darauf hinweisen, dass es einst deutlich mehr Szenen gab als heute“, sagt Cornelia Votteler.
Die vielen Handwerker Szenen seien eine Anlehnung an das Steyrer Kripperl, einem der letzten noch bespielten Stabpuppentheater Europas, das im Jahr 2018 zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO ernannt wurde. Handwerksszenen und lustige Anekdoten aus dem biedermeierlichen Gesellschaftsleben von Steyr werden mittels mündlich überlieferter Texte und Lieder zum Leben erweckt – wie auch in der Krippe des Herrenkramers in Rottweil. „Die Handwerksszenen spiegeln den Alltag der damaligen Zeit wider“, so Votteler.
Ein Kriminalfall
Bevor die Krippe des Herrenkramers im Jahr 1985 im Stadtmuseum, dank des einstigen Stadtarchivars Winfried Hecht, eine neue Bleibe gefunden hat, stand sie in vielen anderen Häusern in der Innenstadt, auch in der Flöttlinstorstraße. Seinerzeit wurden Figuren aus der Krippe gestohlen, die dann dank der guten Ermittlungen der Kripo in Stuttgart wieder auftauchten und zurückgebracht wurden. Ein echter Kriminalfall. Die Krippenkumpanei hat also schon einiges mitgemacht.
Seit 1987 wird die Krippe wieder bespielt – die Kripplekinder sind schon fleißig am Üben, und freuen sich sehr, die alte Tradition des „Leabig machen“ des Kripples aufrecht zu erhalten.
Bethlehem ist überall – auch in Rottweil, das ist die Aussage vieler Krippen, auch der des einstigen Herrenkramers im Stadtmuseum. Denn während auf der unteren Ebene der Krippe die Heilige Familie die Hirten, empfängt, die das Kindlein anbeten, ist hoch droben die Rottweiler Stadtkulisse zu erkennen.
Die Termine
Die Spieltermine für das Kripple sind am 26. und 28. Dezember, sowie am 1., 4., 6., 11., 18. und 25. Januar, sowie letztmalig am 1. Februar 2026, jeweils um 14, 15 und 16 Uhr. Kostenlose Platzkarten sind im Dominikanermuseum, Kriegsdamm 4, Rottweil erhältlich, Telefon 0741/7662, E-Mail: museen@rottweil.de.