Im Kampf gegen die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse in beiden Basel werden Hornissenjäger ausgebildet. Sie sollen bei der Bekämpfung helfen.
Die Asiatische Hornisse breitet sich massiv aus: Nicht nur für Imker stellt der Eindringling aufgrund seiner Aggressivität und Gefräßigkeit ein massives Problem dar – betroffen ist die gesamte Biodiversität und nicht zuletzt die Landwirtschaft, weiß Maria Corpataux, Beisitzerin im Bienenzüchterverband beider Basel. Sie koordiniert die Bekämpfung der Asiatischen Hornisse in den Kantonen Basel-Stadt und Baselland und unternimmt große Anstrengungen im Kampf gegen „Vespa velutina“. Das Insekt wurde erstmals im Jahr 2004 in Frankreich nachgewiesen und gelangte 2017 in die Westschweiz, wo es sich mehr und mehr ausbreitet. Dann, im September 2022, der erste Fund eines Nests im Baselbiet auf Münchensteiner Gemarkung. Auch diesseits der Grenze werden immer wieder Nester gesichtet, die von Fachleuten entfernt werden müssen.
Bienenvölker werden stark geschwächt
Bis zu zwei Drittel ihrer Nahrung könnten aus den heimischen Bienen bestehen, was die Bienen-Völker stark schwächt, heißt es über die invasive Hornissen-Art. „Dieses Jahr haben wir in beiden Kantonen bereits 70 Meldungen über Nester gezählt, im Vorjahreszeitraum waren es lediglich zwei“, erklärt die Expertin, die Meldungen von Sichtungen in der Region entgegennimmt. Dies sei erst der Anfang, warnt sie. Berechnungen zufolge soll es in den nächsten zwei bis drei Jahren einen großen Zuwachs geben.
„Es wird noch viel schlimmer werden.“ Die Ausbreitung der invasiven Art soll aber so gut es geht gestoppt werden – und das beidseits der Grenze: Der Landkreis Lörrach hatte Mitte Mai die Öffentlichkeit informiert, was bei einem Nestfund zu tun ist und wie sich die ursprünglich aus Südostasien stammende Art von heimischen Hornissen und Wespen unterscheiden lässt. Ihr Hinterleib, Rumpf und Kopf sind hauptsächlich schwarz, das Gesicht orange. Und: Die Beine haben gelbe Enden. Im Vergleich zur heimischen und geschützten Europäischen Hornisse seien die Völker der Asiatischen Hornisse bedeutend größer, erklärt die Imkerin im Gespräch mit unserer Zeitung. Ein zweites Nest, das Asiatische Hornissen im Sommer bauen, könne einen Durchmesser von bis zu einem Meter erreichen und bis zu 2000 Arbeiterinnen und 500 Geschlechtstiere beherbergen. Häufig hängt dieses kugelförmige „Sekundärnest“ hoch oben in Baumkronen.
Nester möglichst schnell entfernen
Sind die Insekten erst einmal identifiziert, geht es an die Suche ihrer Nester. Wichtig sei dabei, so schnell wie möglich zu reagieren. Denn: Je mehr Primärnester entfernt werden, desto weniger Sekundärnester würden gebaut, erklärt Corpataux, die seit Kurzem Hornissenjäger ausbildet, um der rasanten Ausbreitung etwas entgegenzusetzen. „Wir müssen alle zusammenspannen, uns vernetzen und nach Lösungen suchen, denn die Asiatische Hornisse fühlt sich bei uns wohl und hat noch keine wirklichen Fressfeinde.“ So müssten sich Vögel erst daran gewöhnen, dass der Eindringling auch gefressen werden kann. Die große Anzahl an Meldungen übersteige die Möglichkeiten der Imker, daher sei man auf Hilfe angewiesen, erklärt sie ihre Initiative, Interessierte primär in der Nestsuche zu schulen.
Ausgebildete Hornissenjäger gehen auf Nestsuche
Letztere beruht in erster Linie auf der Triangulation, führt die Expertin aus. Dabei stellen die Jäger Gefäße mit Lockstoffen auf – besonders gut eigne sich eine Mischung aus Zuckersirup, Alkohol und Essig. Ein Gläschen Vodka tue es aber auch, weiß Corpataux. Dann lasse sich anhand der verstrichenen Zeit bis zum nächsten Anflug der Neststandort eingrenzen. Eine weitere Methode, für die es aber technische Ausrüstung braucht, ist die Radio-Telemetrie. Dabei werden einzelne Hornissen eingefangen und mit einem kleinen Sender versehen. So kann der Rückflug zum Nest verfolgt werden. „Wir arbeiten sogar mit Amateurfunkern und Suchhundeführern zusammen“, berichtet die Imkerin. „Wir wollen viele Leute mit ins Boot holen.“ Interessierte aus Deutschland seien ebenfalls willkommen, macht sie deutlich. Das Ziel: Die Hornissen-Population auf einem erträglichen Niveau halten. Die Entfernung der Nester sei wiederum Aufgabe von Fachpersonen, denn die Asiatische Hornisse verteidige ihre Nester vehement und könne sehr aggressiv werden, warnt die Ausbilderin vor gefährlichen Alleingängen.
Asiatische Hornisse
Über eine Meldeplattform
können Bürger Ihre Beobachtungen der Asiatischen Hornisse melden. Die invasive gebietsfremde Art hat sich inzwischen immer weiter im Land ausgebreitet. https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/asiatische-hornisse-melden