Leider niedlich: Waschbären stehen trotz ihres knuffigen Äußeren zunehmend auf der Abschussliste. Foto: dpa

Waschbären sind putzig – aber invasiv. Vielerorts wird Alarm geschlagen, dass sich die lustigen Tiere zu stark ausbreiten und abgeschossen werden sollen. Wie ist die Lage im Kreis Calw?

Waschbären stehen zunehmend im Visier – der Jäger. Denn die putzigen Gesellen sind eine eingeschleppte Art. Auch im Kreis Calw haben sich die invasiven Tiere bereits häuslich eingerichtet.

 

Wie viele Waschbären es im Kreis Calw gibt, ist nicht bekannt. eine gesamte Bestandserfassung findet nicht statt, teilt das Landratsamt auf Anfrage unserer Redaktion mit. Erschwert und gar unmöglich gemacht werde dies dadurch, dass Waschbären nachtaktiv sind und eher im verborgenen leben.

Damit können die Zahlen nur geschätzt werden: Etwa durch Erhebungen und Monitoring-Programme. So können etwa die erlegten Tiere Aufschluss über die Entwicklung geben, heißt es weiter. Im Kreis Calw wurden vom 1. April 2024 bis Mitte September 2025 gerade mal sieben Waschbären geschossen. Abschüsse können von den Jagdpächtern digital in die Jagdstatistik eingetragen und so direkt an das Landratsamt gemeldet werden. diese Zahlen würden auch wissenschaftlich ausgewertet.

„Bezogen auf Baden-Württemberg sind die Zahlen, zum Beispiel in den Landkreisen Ostalb, Rems-Murr und Schwäbisch Hall deutlich höher“, erklärt das Landratsamt.

Waschbären sind eine invasive Art und konkurrieren mit heimischen Tierarten um Futter. Darüber hinaus wandern sie in die Siedlungen und Städte, wo die Schäden verursachen und auch Krankheiten verbreiten können.

Tiere passen sich sehr gut an

„Bei rasant ansteigenden Bestandszahlen kann dies zu stärkerem Druck auf heimische Arten und zu zunehmenden Konflikten führen“, erläutert das Landratsamt. Die Tiere sind recht anpassungsfähig, haben aber auch ihre bevorzugten Wohnplätze. Die sind in waldreichen Ortschaften und in der Nähe von Gewässern.

Abschüsse im Land verdreifachen sich in nur zwei Jahren

In Baden-Württemberg haben sich die Zahlen von 2533 erlegten Waschbären im Jagdjahr 2018/19 über 6322 in der Saison 2022/23 auf 9174 in der Saison 2023/24 erhöht.

Daten wie die Jagdstrecken werden regelmäßig im Wildtierbericht des Landes Baden-Württemberg aufbereitet veröffentlicht. Darin ist anhand einer kartographischen Darstellung auch ein Überblick über die Verbreitung zu finden.

„Aufgrund der steigenden Abschusszahlen, der zunehmenden Ausbreitung und der Anpassungsfähigkeit der Tiere ist die Entwicklung eher kritisch zu sehen“, erklärt das Landratsamt.

Es sei zu erwarten, dass mit einer wachsenden Population auch die Konflikte im städtischen Raum sowie mit heimischen Tierarten zunehmen werden. „Präventive Maßnahmen und ein effektives Management werden daher in Zukunft immer wichtiger“, schließt das Landratsamt.