Über eine Lanze wurde Aktivkohle in das Nest injiziert. Foto: Herbert Frey

Sie ist relativ klein, schwarz und aggressiv: Die asiatische Hornisse kann auch Menschen gefährlich werden. Deshalb wurde ein Nest beim Pflegeheim Markgräflerland entfernt.

Vor kurzem entdeckte eine Bewohnerin des Pflegeheimes Markgräflerland ein Insektennest hoch oben in einem Baum vor ihrem Fenster. Naturschützer Armin Wikmann, Heimbeirat und Aktivposten im grünen Umfeld des Hauses, informierte die Heimleitung über die Möglichkeit, dass die invasive Hornissenart hier brüten könnte.

 

Nachdem klar war, dass es sich um die asiatische Hornisse handelte, leiteten Gebäudemanager Martin Gräßlin und der Leiter der Grünplanungsabteilung der Stadt, Stephan Fischer, der auch Imker ist, sofort die weiteren Schritte in die Wege.

So rückten an einem Vormittag Ende Oktober Matthias Runge, Vorsitzender des Imkervereins Müllheim und die Fachberaterin für Hornissen und Wespen beim Landratsamt Lörrach, Petra Miersch (auch sie ist Imkerin), mit Schutzausrüstung und einer 28 Meter langen, ausfahrbaren Lanze an.

Die Hausmeister des Heimes hatten den Weg am Garten vorbei abgesperrt und über Flyer die Anwohner informiert. Die Senioren verfolgten die Aktion sicher hinter verschlossenen Fenstern.

Professionell injizierten die Bekämpfer Aktivkohle in das Nest, die für Vögel unschädlich ist. Daraufhin trieb es die Insekten nach außen. Die allermeisten aber schafften den Weg an die Luft nicht mehr, denn die Kohle verschloss die Gänge für die Sauerstoffzufuhr.

Das Nest fiel in Einzelteilen herunter

Nach einer zweiten Injektion machte sich das erfahrene Duo dann daran, das Nest mit der Lanze zu zerstören, so dass es in Einzelteilen herunterfiel. Wie Blätterteiggebilde aus Holzspänen und Speichel muteten die Fragmente an – sehr leicht, aber robust. „Das brennt auch nicht“, so Matthias Runge, der die Nestteile, darunter auch Waben mit Larven, zur Entsorgung in Säcke packte.

Petra Miersch und Matthias Runge entfernten das Nest der asiatischen Hornisse professionell. Foto: Herbert Frey

Die asiatische Hornisse, 2004 erstmals in Europa entdeckt, kam über Südfrankreich nach Deutschland, wo aktuell das Saarland mit rund 15 Völkern pro Quadratkilometer den absoluten Hotspot bildet. Auch im Südwesten tauchen immer mehr Nester auf, beinahe täglich werden neue Funde gemeldet.

Asiatische Hornisse frisst andere Insekten

Doch warum ist die asiatische Hornisse so bedrohlich? „Sie ist ein Jäger, ein reiner Fleischfresser“, sagt Runge. Vor allem auf Honigbienen, aber auch auf andere Insekten, die eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel sind, habe sie es abgesehen.

Das Bekämpfen mit Lanze und Spritze sei kostengünstiger und schneller als das Absaugen in luftiger Höhe über einen Hubsteiger, mit dem man nicht überall hingelange, haben die Bekämpfer festgestellt. „Nach einem Lehrgang habe ich mir sofort eine solche Lanze zugelegt“, erzählt Petra Miersch. Das Bekämpfungsgerät ist ihre Privatausrüstung, wie auch die Bekämpfer im Landkreis weitgehend ehrenamtlich Engagierte sind.

Der Stich kann gefährlich sein

Leider gebe es zu wenige Bekämpfer, bedauert Runge, der deshalb wenig Hoffnung hegt, die Insektenräuber, die selbst keine Bestäuber sind, wieder loszuwerden. Kommt man ihren Nestern zu nahe, stechen die asiatischen Hornissen zu. Das kann, gerade für ältere Menschen, durchaus gefährlich werden. In einem Nest reifen unzählige Königinnen heran, die im Frühjahr dann neue Völker gründen können. „Ursprünglich aber stammen alle heutigen asiatischen Hornissen von einer einzigen Königin ab“, berichtet Petra Miersch.