Dass das Problem „Asiatische Hornisse“ nicht von selbst verfliegt, wird immer klarer: Die Sichtungen rund um Schopfheim sind zuletzt buchstäblich explodiert.
Dirk Begger und sein Imkerkollege Georg Arzet hatten zuletzt wenig freie Wochenenden: Immer wieder schwärmten sie aus, um den aktuellsten Meldungen von Nestern der Asiatischen Hornissen in Schopfheim und seinen Ortsteilen nachzugehen und den Invasoren zu Leibe zu rücken.
Mehr als zwanzig Nester
Mit einem Durchmesser von etwa 80 Zentimetern sind die Nester alles andere als unscheinbar – in einer Höhe von zwanzig, dreißig Metern oben in den Baumkronen bleiben sie den Sommer über aber oft unentdeckt. Erst jetzt im Herbst erspähen viele Grundstücksbesitzer oder Spaziergänger sie in den nun entblätterten Baumwipfeln und schlagen Alarm. Über zwanzig Nester wurden in den vergangenen Wochen rund um Schopfheim gemeldet und teilweise auch schon zerstört; die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein.
Imker besonders engagiert
Wenn es um die Eindämmung der Eindringlinge geht, sind vielerorts, und so auch in Schopfheim, die Imker besonders engagiert – aus schierem „Selbstschutz“, wenn man so will: Ihre Schützlinge sind begehrtes Futter für die Invasoren – „ein Bienenstock ist für die Asiatischen Hornissen wie ein „All you can eat-Buffet“, aus dem sie sich bequem bedienen können“, schildert Begger vom Schopfheimer Imkerverein im Gespräch mit unserer Zeitung.
Hunderte Königinnen
Vor allem das eiweißhaltige Brustgewebe der Bienen ist begehrt, um jetzt im Herbst Königinnen aufzuzüchten, auf dass diese ausschwärmen und im kommenden Frühjahr eigene Völker gründen – und somit zur explosionsartigen Ausbreitung der invasiven Art beitragen: In jedem Nest wachsen mehrere hundert Königinnen heran.
Gefahr für Menschen
Zur Gefahr für Menschen können die Asiatischen Hornissen vor allem im Frühjahr werden: Bevor sie mit ihrem Volk in die Baumwipfel ziehen, legen die Königinnen ihre sogenannten „Primärnester“ im Frühjahr vor allem in den unteren Etagen an – in Gebüschen und Hecken zum Beispiel, und auf einer Höhe, in der es durchaus möglich ist, dass vorbeistreifende Passanten oder Kinder ihnen in die Quere kommen, von den Insekten als Angreifer wahrgenommen und gestochen werden.
CDU fordert Initiative
Vor einigen Wochen bereits hat die CDU-Gemeinderatsfraktion das Thema aufgegriffen und von der Verwaltung gefordert, das Thema auf die Agenda zu nehmen. Konkret sollte die Stadt Kosten und Möglichkeiten für die sachkundige Entfernung von Nestern der Asiatischen Hornisse im Stadtgebiet prüfen, und insbesondere auch die Unterstützung ehrenamtlicher Kräfte wie dem Imkerverein.
Teure Ausrüstung
Eine solche Unterstützung wäre allein schon bei der Ausrüstung nötig, führt wiederum Begger aus: Wichtiges Hilfsmittel bei der Entfernung von Hornissennestern ist die sogenannte „Lanze“ – ein mehrere Meter langer Carbonstab, mit den man überhaupt erst an die hoch am Baum hängenden Nester herankommt.
Kostenpunkt: Etwa 4500 Euro. Von diesen Lanzen gibt es laut Begger in ganz Baden-Württemberg nur eine Handvoll, die von Einsatz zu Einsatz herumgereicht werden. Wichtig ist daneben auch ein besonders stabiler Körper- und Gesichtsschutz: Ein normaler Imkeranzug ist dem massiven Stachel der Asiatischen Hornisse nicht gewachsen.
Systematische Bekämpfung
Um der weiteren Verbreitung der Asiaschen Hornisse entgegenzuwirken und die Bevölkerung vor möglichen Gefahren zu schützen, sei eine systematische Beseitigung der Nester erforderlich, hatte die CDU-Fraktion in ihrem Antrag argumentiert. Ein großes Problem im Moment nämlich ist, dass es von öffentlicher Seite kein koordiniertes Vorgehen bei der Bekämpfung der invasiven Art gibt, im Gegenteil:
Bekämpfung Privatsache
Tatsächlich wurde das Problem Asiatische Hornisse vom Bundesumweltministerium just Anfang des Jahres zur Privatsache erklärt. Grund ist grotesker Weise gerade der Umstand, dass sich die Art rasant vermehrt und zwischenzeitlich als „weit verbreitet“ gilt. Wo diese Statusänderung einerseits anzeigt, dass das Problem massiv gewachsen ist, entfällt dadurch zugleich die Pflicht zur Beseitigung von Nestern durch den Staat: Fürs Organisieren und bezahlen der Nestentfernung ist nun jeder Grundstückseigentümer selbst zuständig.
Kommune nicht zuständig
Eben darauf beruft sich jetzt auch die Stadt in ihrer Beschlussempfehlung für die nächste Gemeinderatssitzung am 24. November: Die Ratskollegen sollen den Antrag der CDU-Fraktion zur Bekämpfung der Asiatischen Hornisse „aufgrund der grundsätzlich fehlenden Zuständigkeit der Kommunen ablehnen“, heißt es dort, denn: „Die Beseitigungsverpflichtung der Länder wurde aufgehoben“. Daraus ergebe sich, dass die Entscheidung über die Entfernung der Nester und Übernahme der dafür anfallenden Kosten den jeweiligen Grundstückeigentümern obliegt. Die Kommune sei dafür nicht zuständig.
Gemeinderat entscheidet
Die öffentliche Sitzung des Gemeinderats findet am Montag, 24. November, ab 18 Uhr im Ratssaal statt. Weitere Punkte auf der Tagesordnung sind die Entscheidung über einen möglichen Bürgerentscheid zum Naturbad, der Nutzungs- und Bewirtschaftungsplan für den Stadtwald und die Haushaltsberatungen.