Nilgänse sind in Horb auf dem Neckar und im Mühlkanal immer wieder anzutreffen. Foto: Stefan Dreher

Nilgänse leben in Horb auf dem Neckar – und während Tierschützer sie als friedlich bezeichnen, nennt sie Tübingens OB Boris Palmer „aggressiv“. Was davon trifft zu?

Nilgänse sind invasive Wasservögel, die sich in Teilen auf deutschen Flüssen – so auch auf dem Neckar in Horb – ausbreiten.

 

Die Meinungen zu den Gänsen aus Afrika spalten sich deutlich: So postete etwa am 18. März Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) auf Facebook, Nilgänse seien „aggressiv“ und rief Jäger auf, sie zu töten.

Tierschützer aus Horb entgegnen allerdings, es handle sich um friedliche Tiere, die durchaus mit anderen Enten leben können.

Eine Gefahr für Stockenten?

Frank Scheffold, ehemaliger Biologe und Nabu-Mitglied in Horb, beobachtet die Wasservögel seit einigen Jahren in der Umgebung. Seit gut zehn Jahren sei die Nilgans-Situation am und auf dem Neckar in Horb relativ unverändert, sagt Scheffold. Zwei Nilgans-Paare sind hier beheimat.

Eines der Nilgans-Paare schwimme laut Scheffold seit mehr als zehn Jahren in Horb und sei „alteingesessen“, das andere halte sich primär auf dem Weiher in Dommelsberg auf.

Gegner der invasiven Art werfen vor, Nilgänse würden kleinere Enten und Wasservögel verjagen oder gar töten.

Auch Boris Palmer, Tübingens Oberbürgermeister, äußerte sich vor wenigen Wochen negativ auf Facebook zu den Tieren. „Dreimal größer als die einheimischen Stockenten. Meiner Meinung nach müssen da jetzt die Jäger ran, sonst gibt es bald nur noch Nilgänse am Neckar“, schreibt er unter ein Bild von zwei Nilgänsen, das er gepostet hat.

In einem weiteren Post vom 18. März schreibt er unter anderem: „Nilgänse sind aggressiv, verdrängen heimische Wasservögel und erzeugen große Mengen Kot. Das muss der Mensch kontrollieren.“

Eine Entwarnung

Stimmt das? Scheffold hat den Überblick in Horb und kann entwarnen: „Die Nilgänse brüten an einem geschützten Ort hier und kommen so gar nicht in die Quere mit anderen Vögeln.“ Er betont dabei, dass es sich um „ganz liebe und friedliche Tiere“ handle.

Auch gegenüber Radfahrern würden sich die Wasservögel friedlich zeigen. Was die Nilgänse ganz klar von anderen Gansarten unterscheidet, so der Vogel-Experte, sei ihre Wach- und Aufmerksamkeit. Steigt beispielsweise ein Radfahrer vom Rad ab, dann blicken die Nilgänse direkt auf und beobachten die nächsten Schritte des Fahrers.

Elf Nilgänse aktuell in Horb

Das Frühjahr ist die Brutzeit für viele Vögel – deswegen kann man in Horb momentan nicht nur das Paar beobachten, sondern auch acht junge Küken, die ihren Eltern hinterher schwimmen. Im Winter schwimmen die jungen Wasservögel dann den Neckar auf und ab, suchen sich temporär ein neues Revier, erklärt Scheffold.

Dem Vorwurf, Nilgänse würden kleinere Enten oder Wasservögel verjagen oder gar töten, widerspricht der Biologe. (Archivfoto) Foto: Maria Hopp

„Mit den Nilgänsen ist es wie mit dem Biber: Es ist ein gutes Management nötig, aber sie müssen auch nicht verjagt werden“, sagt der Biologe.

Weitere invasive Art

Eine weitere invasive Wasservogelart schwimmt über den Fluss in Horb: eine weibliche Mandarinente.

Eigentlich kommt diese Entenart aus Ostasien, doch seit fünf Jahren hat eine der bunten Enten scheinbar ihre Heimat auf dem Neckar in Horb gefunden.

Wie die kleine Ente als Einzige in Horb gelandet sein konnte, kann Scheffold nicht erklären. Freuen kann man sich über den bunten Anblick jedoch trotzdem.