Benjamin Luithle ist Gewässerwart der Anglergesellschaft Villingen. Diesen Signalkrebs hat er im vergangenen Jahr aus der Donau bei Zimmern gefischt. Im Hintergrund ist die überdachte Holzbrücke zu erkennen. Foto: Benjamin Luithle

Immer mehr sogenannte Signal-Krebse werden aus Donau gefischt. Diese invasive Art droht, heimische Steinkrebse zu verdrängen. Sie wieder loszuwerden ist laut Fischern aussichtslos. Diese Tierart stammt ursprünglich aus einem Gebiet westlich der Rocky Mountains.

Noch gibt es in der Donau bei Geisingen heimische Steinkrebse. Das hat eine Bestandsaufnahme der Geisinger Anglervereinigung während des Baus der neuen Brücke ergeben. Zumindest ein Exemplar hatten sie damals gefunden, wie der Vorsitzende Paul Haug mitteilt. Aber wie lange ist das noch so? Denn ein anderer Flussbewohner ist drauf und dran, auch dort die letzten heimischen Krebse zu verdrängen und selbst die Fischbestände zu bedrohen. Gemeint sind Signalkrebse, eine invasive Art, die hier erstmals im Jahr 2016 entdeckt wurde.

 

„Da hilft nur noch fangen, fangen, fangen“

2020 dokumentierten Mitglieder des Vereins bereits 2000 Fänge der Signalkrebse in ihrem Gewässerabschnitt. 2021 waren es schon 3500 Signalkrebse, 2022 stieg die Anzahl erneut auf 4700 gefangene Tiere an, verdeutlicht Paul Haug die Ausmaße dieser Invasion. Und das sind vermutlich nicht einmal alle Fänge in diesem Bereich. Benjamin Luithle, Gewässerwart der Villinger Angler, berichtet von weiteren rund 1000 Signalkrebsen, die Mitglieder seines Vereins als Gäste im Gebiet der Geisinger Kollegen im Jahr 2022 gefangen hätten. „Da hilft nur noch fangen, fangen, fangen“, ist sich Paul Haug sicher. Den Bestand so möglichst klein halten und eine weitere Verbreitung verlangsamen, lautet die Devise der Fischer. Die Invasoren jemals wieder ganz loszuwerden, sei allerdings aussichtslos, so Haug.

Die Invasoren loszuwerden scheint unmöglich

Davon geht auch Benjamin Luithle von der Anglergesellschaft Villingen aus. Der Verein kümmert sich um den Flussabschnitt zwischen den Bundestraßenbrücken bei Geisingen und Pfohren. Er ist sich sicher, dass die Krebse zeitnah auch diesen Bereich besiedeln werden. „Bislang haben wir selbst noch keinen Nachweis gefunden“, so Luithle. Nichtsdestotrotz habe man nun Reusen ausgelegt, auch im Vereinsgewässer zwischen Hintschingen und Immendingen, wo 2022 Krebse entdeckt wurden. Um Vereinsmitglieder auf die nahende Ankunft der Krebse vorzubereiten, hat Benjamin Luithle am vergangenen Wochenende ein Seminar für Vereinsmitglieder angeboten, die mit ihrer Teilnahme nun berechtigt sind, selbst Signalkrebse zu fangen. „Die schmecken hervorragend“, bestätigt der Gewässerwart.

Es gibt ihn noch in der Donau: Den Steinkrebs. 2020 haben Mitglieder des örtlichen Angelvereins in der Donau in Geisingen dieses Exemplar entdeckt, trotz einer wachsenden, invasiven Signalkrebspopulation. Foto: Paul Haug

Auch die Geisinger Angler sind auf den Geschmack gekommen. „Hervorragend“, wertet auch Paul Haug den Geschmack. „Gekocht und in Knoblauch angebraten oder als Suppe“, nennt er mögliche Zubereitungsformen. Doch Freude kommt trotz dieser kulinarischen Bereicherung nicht wirklich auf. Mittlerweile sei ein Rückgang bei Jungfischen zu beobachten, so Haug. Ob dieser alleine von Krebsen verursacht wurde, könne er aber nicht sagen, denn auch Kormorane könnten einen Einfluss haben. Die Villinger Angler sind von Geisingen aus flussaufwärts als erstes betroffen von einer weiteren Ausbreitung. Die Mitglieder sind jetzt geschult, auch Reusen werden regelmäßig ausgelegt. Vereinsmitglieder haben hier zwar noch keine Krebse entdeckt, doch andere Angler sollen wohl schon einzelne Exemplare gesichtet haben.

Nicht jeder darf Krebse fangen

Das Wehr bei der Geisinger Mühle sieht Benjamin Luithle als eine Barriere im Fluss, die die schnellere Ausbreitung in den vergangenen Jahren gebremst habe. Aufhalten werde sie das aber nicht. Auch die Angelvereinigung Donaueschingen-Pfohren, die das Gewässer von Pfohren bis Donaueschingen betreut, ist vorgewarnt. Vorbereitungen auf die Ankunft der invasiven Krebsart laufen und eine Reuse an geeigneter Stelle ist ausgelegt. Eine Probefischung 2022 sei noch „erfolglos“ gewesen, teilt Gewässerwart Volker Müller mit und sagt, man habe ein Auge darauf und nehme das Thema sehr ernst. „Der Signalkrebs wird kommen – davon bin ich überzeugt. Das ist nur noch eine Frage der Zeit.“

Krebsburger beim Vereinsfest?

Und auch die Fischereivereinigung Hüfingen ist bereits alarmiert. „Die Eier der Krebse können auch im Gefieder von Vögeln oder in den Kiemen von Fischen eingeschleppt werden“, warnt der Vorsitzende Michael Birk. Auch der Riedsee oder der Kofenweiher seien bedroht. Heimische Arten und Ökosysteme sind ebenso betroffen. Wäre es da nicht hilfreich, den Fang für alle freizugeben, und den Krebsen damit geballt zu Leibe zu rücken? „Nein, das ist nicht erlaubt“, weiß Paul Haug. Fangen darf die Tiere nur, wer einen Fischereischein und eine Fischereiberechtigung für das jeweilige Gewässer besitzt. Auch die Angelvereine und ihre Mitglieder können nicht einfach ein Geschäft aus üppigen Fangquoten machen. Alles was sie aus den Gewässern fischen, ist zur privaten Verwendung bestimmt.

Wer die Krustentiere also selbst einmal probieren möchte, muss auf eine Einladung bei einem befreundeten Angler hoffen, im Supermarkt Ausschau nach Zuchtkrebsen halten oder selbst den Angelschein machen und Mitglied in einem Verein werden. „Wir haben schon gescherzt, bei künftigen Vereinsfesten auch Krebs-Burger anzubieten“, sagt Luithle.

Der Signalkrebs

Zu den Tieren:

Warum ist der Krebs eine Bedrohung?
Die Krebse sind resistent gegenüber der Krebspest und sind ihrer heimischen Konkurrenz in Sachen Größe, Anzahl an Nachkommen und Aggressivität häufig überlegen. Sie stellen eine der größten Bedrohungen für Restbestände heimischer Flusskrebse selbst in kühleren Oberläufen vieler Flüsse dar. Der Signalkrebs kann bis zu zwei Kilometer über Land gehen, um ein anderes Gewässer zu erreichen und gilt als Allesfresser.

Luithles Krebs-Rezept:
Die Krebse werden erst gemäß der Tierschutzschlachtverordnung getötet, indem sie in einen Topf mit kochendem Wasser gegeben werden. Nach acht bis zehn Minuten Kochzeit müssen sie in Eiswasser abgeschreckt werden, „damit sie nicht nachgaren“, wie Benjamin Leithle von der Anglergesellschaft Villingen sagt. Anschließend wird die harte Schale des Krebstiers geknackt und entfernt. Innereien werden ebenfalls entfernt – man kann sie nicht essen. Luithle bereitet dazu gerne eine Champignon-Rahmsoße zu, in die ganz zum Schluss das Krebsfleisch zugegeben wird.