Szenen einer Karriere. Foto: Sigwart, Maier, Deubert, Eibner

Während Weltklasse-Skicrosserin Daniela Maier nach einem Kreuzbandriss eifrig an ihrem Comeback arbeitet ("Dani geht es gut. Die Genesung verläuft nach Plan."), hat Cousine Christin Maier Gewehr und Skier vor wenigen Tagen endgültig an den Nagel gehängt. Doch ohne Sport geht bei der Ex-Biathletin auch in Zukunft nichts.

Gestern, heute, morgen: Wir sprachen mit der 25-jährigen Furtwangerin vom SC Urach über schöne Momente und glänzende Medaillen, aber auch über die gesundheitlichen Probleme, die nun zum vorzeitigen Laufbahnende geführt haben.

Frau Maier, wir erreichen Sie im heimischen Furtwangen. Wie sieht der heutige Tag für Sie aus?

Ich habe im März mit einem Studium – Internationale Betriebswissenschaften – in Schwenningen angefangen, hatte so bis vor wenigen Minuten Vorlesungen, virtuelle natürlich.

Sie sitzen derzeit also vor allem daheim in Furtwangen vor dem Laptop?

Ja. So ist es. Natürlich hatte ich mir mein erstes Semester etwas anders vorgestellt. Meine Mitstudenten konnte ich noch nicht real kennenlernen, und an Erstsemesterpartys ist auch nicht zu denken. Aber für mich persönlich ist diese Situation gar nicht so schlecht.

Wieso?

Mein sportliches Karriereende kam ja durchaus plötzlich. So gesehen macht es für mich etwas einfacher, wenn ich den neuen Lebensabschnitt erst einmal von daheim aus steuern kann. Außerdem fallen die Fahrtzeiten weg. Wenn ich Freistunden habe, mache ich hier einfach die Türe auf und gehe eine Runde laufen. Das geht in Schwenningen nicht. So habe ich einfach mehr Ruhe, kann ohne Hektik abtrainieren.

Der Sport wird also auch in Zukunft eine wichtige Rolle in Ihrem Leben spielen?

Auf jeden Fall, aber als sehr großes Hobby eben. Ich werden den Sport immer brauchen, immer lieben. Ich bin auch einfach produktiver, wenn ich Sport treiben kann. Gerade nach Vorlesungen ist es für mich einfach das Schönste, wenn ich eine Runde laufen gehen kann. Das gibt mir auch die Energie für das anschließende Lernen. Sport wird auf jeden Fall immer ein wichtiger Teil meines Lebens bleiben.

Sie laufen also gerne. Welche Sportarten gefallen Ihnen noch?

Fast alles. Derzeit gehen eben Mannschaftssportarten leider kaum. Ich gehe also joggen, radfahren oder klettere. So lange noch Schnee lag, war ich auch auf den Skiern unterwegs.

Und das Gewehr, also den Biathlonsport, vermissen Sie gar nicht?

Das ist eine gute Frage. Ehrlich gesagt – ich habe darauf noch keine echte Antwort. Vielleicht ist mein Karriereende zu frisch, damit mir dazu schon etwas Konkretes einfällt.

Gilt dies auch für Dinge, die Sie während der langen Biathlon-Zeit eher "gestört" haben?

(lacht). Die Dopingkontrollen und immer angeben zu müssen, wo man gerade ist, das brauche ich nicht mehr. Aber dies war schon in der jüngsten Vergangenheit nicht mehr so häufig der Fall. Außerdem muss ich mich jetzt nicht mehr an Pläne, vor allem Trainingspläne, halten. Ich kann jetzt in Sachen Sport jeden Tag das machen, was ich will. Das ist toll.

Apropos toll. Was waren die schönsten Momente in Ihrer Biathlon-Zeit?

Also ich will da keinen hervorheben, da gab es mehrere. Für mich waren es eher Schritte in meiner Karriere, die von großer Bedeutung waren. So wurde ich nach dem Abitur in die Sportfördergruppe der Bundeswehr aufgenommen, durfte so meinen Sport als Beruf ausüben. Damit hatte ich niemals gerechnet. Dann erinnere ich mich sehr gerne an meine ersten internationalen Wettkämpfe – vor allem die erste Junioren-Weltmeisterschaft. Und natürlich war es ein unglaubliches Erlebnis, als bei der Nachwuchs-Europameisterschaft die deutsche Fahne für mich gehisst wurde, weil ich es auf das Treppchen geschafft hatte. Auch an den Übergang in den Damenbereich denke ich sehr gerne zurück. Ich durfte ja nach dem Juniorenbereich gleich im IBU-Cup (Wettbewerb unterhalb des Weltcups, Anm. d. Red.) starten. Dazu kamen eine EM bei der Aktiven und gute Leistungen bei nationalen Titelkämpfen.

So zum Beispiel die DM-Ränge vier und fünf im Jahr 2018. Doch danach begannen die gesundheitlichen Sorgen.

Ja. Ich hatte vor allem mit dem Immunsystem Probleme. Selbst der doppelte Außenbandriss im rechten Knöchel im Herbst 2019 wäre wohl kein großes Problem gewesen, wenn das Immunsystem mir keinen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.

Und wie geht es Ihnen heute?

Es geht in die richtige Richtung. So ganz funktioniert noch nicht wieder alles, aber es wird zum Glück besser. Es ist für mich ein großer Vorteil, dass ich es nun ruhiger angehen kann.

Also hat Ihr Immunsystem für das vorzeitige Karriereende gesorgt?

So kann man es sagen. Wenn ich gesund war, dann hat auch die Leistung gestimmt. Aber immer wieder, einfach zu oft, kamen die gesundheitlichen Probleme dazwischen. In den vergangenen Jahren tauchten diese immer öfters auf. Deshalb musste ich nun die Laufbahn beenden.

Auf was freuen Sie sich nun am meisten?

Klar – zunächst steht das Studium im Mittelpunkt. Wenn es die Pandemie wieder zulässt, dann würde ich gerne viel reisen. Ich liebe es einfach, fremde Länder und Kulturen kennenzulernen. Da passt es, dass in meinem Studium ein komplettes Jahr im Ausland inbegriffen ist.

Und was war der schönste Ort, an dem Sie Biathlon betrieben haben?

Ich habe nach dem Abitur im kanadischen Canmore zwei Wochen lang mit der kanadischen Nationalmannschaft trainiert. Auch das Trainingslager in Antholz war toll. An die Wettbewerbe in Frankreich erinnere ich mich ebenfalls sehr gerne.

Sie nehmen also sehr viele sportlichen Erfahrungen mit in den nächsten Lebensabschnitt. Wird in diesem Biathlon weiter eine Rolle spielen?

Es ist nicht so, dass ich das Gefühl habe, Abstand vom Biathlon zu brauchen. Für mich ist Biathlon weiter die schönste Sportart der Welt. Ich schließe nicht aus, da später etwas mit Kindern zu machen. Ich wurde auch schon von meinem Verein SC Urach angesprochen. In Sachen Kinderbetreuung kann ich mir also etwas vorstellen, in Richtung Trainer möchte ich eher nicht gehen. Zunächst ist für mich aber das Studium und der eigene Sport wichtiger.

Die Fragen stellte Gunter Wiedemann.

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