Hans-Joachim Fogl, einst Pfarrer von Santa Maria dell’ Anima in Rom und seit 2020 in der katholischen Seelsorgeeinheit Talgang, spricht über Papst Franziskus und dessen Nachfolger.
Unmittelbar vor dem Gottesdienst am Ostermontag hat Pfarrer Hans-Joachim Fogl vom Tod von Papst Franziskus erfahren. Er kennt die Weltkirche aus drei Jahren in Rom und 15 Jahren in Singapur. Was erhofft sich Fogl von der künftigen Entwicklung der katholischen Kirche?
Herr Pfarrer Fogl, was von dem, was er getan hat, wird Papst Franziskus überdauern?
Er hat immer den Menschen in den Mittelpunkt gestellt, den Blick für Frieden, Migration und die Bewahrung der Schöpfung geschärft – all das war ihm wichtig. Einen solchen Papst brauchen wir: einen der hinschaut, den Finger in die Wunde legt, der sich äußert und nicht wegduckt, wie unsere Frau Bundestagspräsidentin es offenbar gerne hätte. Jesus hat sich ja ebenfalls politisch eingemischt.
Wie wünschen Sie sich den nächsten Papst?
Schon jetzt wissen alle möglichen Gruppierungen, wie der neue Papst sein und was er tun soll – da mache ich nicht mit. Was im Film „Konklave“ dargestellt wird, passiert gerade: Manche haben schon jetzt Angst davor, dass dies oder jenes zu kurz oder zu dick kommt. Damit wird dem künftigen Papst schon vor seiner Wahl eine große Last auferlegt. Wir Katholiken glauben, dass der Heilige Geist den Papst erwählt – und mit diesem Papst müssen wir uns auseinandersetzen, sobald er im Amt ist. Nicht vorher.
Haben Sie einen Favoriten?
Ja, den Patriarchen von Jerusalem, Pierbattista Kardinal Pizzaballa, denn es wäre gut, wieder mehr Richtung Jerusalem zu blicken, auf das Heilige Land, wo das Christentum herkommt, und auf das Evangelium, Tod und Auferstehung Jesu. Kardinal Pizzaballa hat bewiesen, dass er all die Spannungen zwischen Christen, Juden und Muslimen aushält, damit umgehen kann. Zudem wäre er ein junger Papst – am Ostermontag hat er seinen 60. Geburtstag gefeiert.
Manche Kardinäle sollen ältere bevorzugen, weil ein junger Papst zu lange im Amt wäre – für den Fall, dass er kein guter Papst ist.
Wer entscheidet, ob einer ein guter Papst ist? In Singapur, wo ich kürzlich erst wieder war, fragen mich die Katholiken: Warum müsst Ihr in Deutschland etwas Eigenes aufziehen wie den „synodalen Weg“? Warum schaut Ihr nur auf die Ordination der Frauen? Frauen dürfen taufen, sind bereits in Führungsämtern. In den drei Kirchengemeinderäten der katholischen Seelsorgeeinheit Talgang sind die gewählten Vorsitzenden alle Frauen. Und Themen wie der Zölibat spielen in manchen Weltregionen der Kirche kaum eine Rolle.
Welche Chancen haben Afrika, Asien oder – abermals – Lateinamerika als Regionen, wo die katholische Kirche wächst, den neuen Papst zu stellen?
Natürlich gibt es wieder eine Chance für Lateinamerika, wo 40 Prozent der Katholiken leben. Ganz sicher wird es eine politische Wahl werden. Die Kardinäle werden schon schauen, wer geeignet ist, die Kirche lebendig und außerdem zusammenzuhalten.
Was sind die größten Herausforderungen für den neuen Papst? Spielt der Missbrauchsskandal noch eine Rolle?
Er wird weiter eine Rolle spielen. Die größte Herausforderung aber ist, bei allen Baustellen der Kirche die Einheit zu bewahren. Dazu braucht es einen Papst, der verbindet. Die Kirche in Afrika zum Beispiel ist völlig anders als die Kirche in Asien. Alleine die Denkweise und Mentalität der Menschen ist eine andere. Ein Papst aus einer buddhistisch geprägten Region würde sicher anders denken als einer aus dem arabischen Raum. Käme der neue Papst von dort, wäre das ein starkes Zeichen. Papst Franziskus war es übrigens ganz wichtig, dass die monotheistischen Weltreligionen näher zusammenrücken.
Manche sind dafür, die Kirche mehr zu regionalisieren, nicht alles im Vatikan zentral zu entscheiden, sondern mehr vor Ort.
Der synodale Prozess, den die Kirche weltweit umsetzen will, ist das, was wir in Deutschland im Kleinen schon versuchen – auch in unserer Diözese und unseren Gemeinden. Lateinamerikaner, Asiaten, Afrikaner – sie alle haben ihre eigenen Sorgen und suchen den für sie geeigneten Weg, und den können sie letztlich nur vor Ort finden. Der wichtigste Punkt ist, dass wir alle auf dem Grund des Evangeliums bleiben und die Einheit wahren.
Papst Franziskus wollte in Santa Maria Maggiore beigesetzt werden und nicht im Petersdom. Sie kennen diese Kirche. Was macht sie aus?
Sie ist eine der vier Papstbasiliken – eine sehr schöne – und dazu eine bedeutende Marienkirche. Papst Franziskus war ja ein großer Verehrer der Mutter Gottes. Zudem ist eigentlich nicht der Vatikan der Sitz des Bischofs von Rom, sondern der Lateran. Außerdem hat sich Papst Franziskus ja für eine sehr bescheidene Beisetzung in einem einfachen Sarg entschieden. Das passt zu ihm.