Citymanager Thomas Herr stellt sich den Fragen rund um den Leerstand in Villingen-Schwenningen und steht hier vor einem leeren Ladengeschäft in der Niederen Straße in Villingen. Foto: Eva-Maria Huber

Warum sehen Sie beim Blick in manche Schaufenster „nur“ ihre Silhouette? Warum bleiben einige Ladeninteressenten erfolglos? Was kann Citymanagement erreichen, um eine Stadt attraktiv zu machen.

Fragen über Fragen an Thomas Herr und manche doch überraschende Antwort. Hier ein leeres Schaufenster, dort ein Zettel mit dem Hinweis darauf, an wen sich Interessenten wenden können, wenn sie in die Handelswelt einsteigen möchten.

 

Warum ist es so schwer, dass die Nachfrage auf das passende Angebot trifft? Citymanager Thomas Herr kennt die Probleme seit zwei Jahren. Angesiedelt ist das Citymanagement bei der WIR VS GmbH, einem Zusammenschluss der Wirtschaft und Tourismus Villingen-Schwenningen GmbH (WTVS) und der Kultur- und Tagungsräume Villingen-Schwenningen GmbH (KTVS).

Warum suchen nicht nur Leute, die mit der Eröffnung eines Pop-up-Stores liebäugeln, recht lange nach einem passenden Ladenraum?

Die Preisvorstellungen mancher Vermieter schrecken einige potenzielle Ladenbetreiber ab. Nicht alle können gleich zu Beginn Quadratmeterpreise zwischen 20 und 30 Euro bezahlen, die in der Innenstadt teils verlangt werden.

Leere Schaufenster, gerade in 1a-Lagen, erhöhen nicht gerade die Attraktivität einer Stadt. Wie sieht Ihre Strategie aus?

Um die Attraktivität der Stadt zu steigern und leere Schaufenster, insbesondere in zentralen Lagen, zu vermeiden, verfolgen wir eine mehrstufige Strategie. Als ersten Schritt planen wir den Aufbau einer Leerstands-Datenbank, die im kommenden Jahr umgesetzt werden soll. Diese Datenbank wird kontinuierlich aktualisiert und zeigt auf, wo in Villingen und Schwenningen Ladenflächen ungenutzt sind. Unser Ziel ist es, durch den ständigen Austausch mit Eigentümern und Immobilienmaklern eine enge Zusammenarbeit zu fördern. Darüber hinaus sehen wir es als Aufgabe der Eigentümer, den Leerstand zu beheben und die Schaufenster wieder mit Leben zu füllen. Hierbei möchten wir die Eigentümer unterstützen, beispielsweise durch die Vermittlung von Zwischennutzungen oder innovativen Konzepten, die den städtischen Einzelhandel bereichern. So tragen wir aktiv dazu bei, die Innenstadt lebendig und attraktiv zu gestalten, während gleichzeitig die wirtschaftlichen Potenziale der freien Flächen ausgeschöpft werden.

Was macht eine Vermarktung von Ladenräumen schwierig: Nur der Preis, oder auch Zustand und Zuschnitt?

Nicht jede teure Immobilie ist auch in einem guten Zustand. Zudem reagiert der Handel auf die Kaufzurückhaltung und hält sich zum Beispiel bei mehrgeschossigen Ladenräumen eher zurück.

Sind mehrere Geschosse ein K.O-Kriterium?

Ja, interessant sind fast nur noch Läden auf einer Ebene, und das im Erdgeschoss. Auch größere Flächen sind schwierig zu vermarkten.

So wie das „s’Rössle“ in Schwenningen?

Genauso ist es. Die Nebenkosten sind hoch, Personal ist schwer zu finden und zudem boomt gleichzeitig der Online-Handel. Deshalb sind große Ladengeschäfte nur schwer zu vermarkten.

Von den Filialisten zu den Pop-up-Store-Machern, die oft lange nach Räumen suchen: Warum ist nach sechs Wochen Schluss?

Das hängt mit dem Förderprogramm zusammen, aus dem wir Mittel erhalten. Da ist eben nach dieser Zeitspanne auch Schluss. In dieser Zeit ist der Mietzins für uns überschaubar, denn bei Pop-up-Stores übernimmt die Stadt die Miete. Die beträgt dank staatlicher Förderung einen Bruchteil der sonst teils üblichen Quadratmetermiete.

Wer sollte dabei helfen, VS mehr Strahlkraft zu geben?

Das geht nur im Schulterschluss mit dem Handel und der Gastronomie.

Und der wurde ja des Öfteren ausgebremst, wenn es um die Umsetzung von Ideen ging...?

Es ist richtig, dass es in der Vergangenheit immer wieder zu Verzögerungen bei der Umsetzung von Ideen kam. Aber der Blick zurück hilft uns heute nicht weiter. Unser Fokus liegt darauf, gemeinsam nach vorne zu schauen und neue Ideen zu entwickeln. Wir sind offen für Vorschläge und Impulse, besonders von den Akteuren in der Innenstadt.

Das wüsste ich gerne etwas genauer.

Ein konkretes Beispiel: Die derzeit gültige Sondernutzungssatzung erlaubt Modegeschäften nicht nur bei Jubiläen Modenschauen zu veranstalten, sondern zweimal im Jahr pro Geschäft ein Event zu organisieren. Außerdem haben wir noch weitere Neuerungen in Vorbereitung, die aktuell abgestimmt werden. Vor zehn Jahren gab es sicherlich Hindernisse, aber das ist heute anders. Jetzt sind auch kontroverse Diskussionen erlaubt und wichtig für den Fortschritt. Der Austausch mit Handel, Gastronomie und anderen städtischen Akteuren hat sich deutlich verbessert. Durch diese Zusammenarbeit sind bereits gemeinsame Aktionen entstanden, und wir werden diesen Weg konsequent weiterverfolgen, um die Innenstadt weiterhin zu beleben.

Nicht wenige Kunden sehen es als ein Manko, dass es keine einheitlichen Öffnungszeiten gibt... Stimmt’s?

Seit zwei Jahren sprechen wir bei unseren Innenstadt-Jour-Fix-Terminen das Thema an, dass es in VS zumindest Kernöffnungszeiten gibt. Zudem kann es nicht sein, dass Geschäfte zu spontan den Laden schließen und Kundschaft steht vor verschlossener Türe.

Bräunlingen hat im Spätsommer ein klasse Straßenmusikfestival auf die Beine gestellt. Wäre das nichts für VS?

Ein Straßenmusikfestival wäre sicher eine tolle Idee und könnte viele Menschen anziehen. Allerdings möchten wir kein Event einfach kopieren. Jede Stadt, auch Villingen-Schwenningen, sollte durch eigene, einzigartige Veranstaltungen glänzen. Zwar könnte es auch bei uns ein großartiges Festival geben, aber es ist wichtig, dass wir unseren eigenen Charakter und unsere Besonderheiten betonen. Jede Stadt versucht auf ihre Weise, durch kreative und besondere Events einen eigenen Magneten zu schaffen. So haben wir mit den Offenen Bühnen, dem Stadtstrand, dem Altstadt-Antikmarkt, den Weihnachtsmärkten vielfältige Veranstaltungsformate. Wichtig ist, dass wir auf unser Potenzial aufbauen und für frische, originelle Ideen offen bleiben.