Endlich scheint wieder die Sonne über dem Friedengrund. Bei 22 Grad lässt es sich auf den Stufen hinter den Trainerbänken der MS Technologie-Arena gut aushalten. Sportlich steigert sich Regionalligist FC 08 zudem Woche zu Woche, zuletzt schockten die Villinger die Göppinger. 6:1 hieß es beim BW-Kontrahenten. So sieht Steffen Breinlinger die Entwicklung der Mannschaft, das hat der neue Coach vor.
Dienstagnachmittag, so langsam trudeln die Spieler des Regionalliga-Schlusslichts vor dem Training ein. Samet Yilmaz genießt auf einem Plastikstuhl noch etwas die Sonne, Jonas Busam zwickt etwas das Knie. Auch die Betreuer klatschen sich ab, haben sichtlich Spaß. Es wird getratscht und gelacht, die Stimmung beim FC 08 passt zum Wetter. „Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl ist, was für mich einen Verein ausmacht. Es geht um das Familiäre, das Bodenständige. So bin ich auch“, betont Steffen Breinlinger.
Der 42-Jährige schnappt sich schnell noch einen Kaffee, dann setzt sich der Trainer der Nullachter auf die warmen Stufen der Stehränge hinter der Trainerbank. 35 Minuten später hat der Ex-Trainer des SV Zimmern und des FC Gutmadingen die Gründe für den Aufschwung offenbart, sondern auch seine Zukunftsvorstellungen preisgegeben.
Steffen Breinlinger, Sie sind nun seit gut vier Wochen Coach des FC 08. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?
Es war zunächst, das gebe ich gerne zu, schon viel Neuland. Es ging ja gleich Schlag auf Schlag, es standen sofort entscheidende Spiele an (Pokal-Viertelfinale gegen Bahlingen, 0:3, Anm. d. Red.). Ich musste mir von einer auf die anderen Sekunde ein Bild machen, was bei der Mannschaft funktioniert – und was nicht. Ich wurde aber unglaublich toll aufgenommen, die Jungs haben sofort den neuen Weg akzeptiert. Das ist zudem ein sehr offener Verein, was wichtig ist. Nach vier Wochen kann ich sagen, dass wir einen Fortschritt sehen. Auch gibt es bereits eine gewisse Kontinuität in Sachen Spielweise – offensiv und defensiv, dies zudem in verschiedenen Formationen und Spielzonen. Diese Entwicklung stellt mich zufrieden. Es ist aber noch viel tun tun. Ausruhen ist ein Fremdwort.
Zwölf Treffer haben die Nullachter in den letzten fünf Regionalliga-Spielen bejubelt, was für fünf Punkte reichte. In den 23 Partien davor sprangen lediglich zehn Zähler bei 21 Toren heraus. Wie haben Sie diese Wende geschafft?
Um in der Offensive Druck auszuüben, brauchst du ein erhebliches Maß an Zielstrebigkeit und Selbstvertrauen. Dazu ist es eine Grundvoraussetzung, dass die Jungs einen Plan und das „Handwerkszeug“ mitbekommen. Insgesamt geht es um die Balance zwischen Offensive und Defensive, wie man die Räume nutzt und einengt. Es freut mich, dass wir zumindest in Spielphasen dem Gegner unsere Spielweise aufdrücken können.
Es scheint, dass die „Torgeilheit“ zurück ist, viel mehr der Abschluss – auch aus der Distanz – gesucht wird.
Der große Wille ist zu sehen. Das ist meine klare Erwartung an das Team, aber auch an mich und an unseren gesamten Stuff. Wir müssen einen sehr leidenschaftlichen, aber auch disziplinierten und mental starken Fußball zeigen. Mit ein paar Prozent weniger geht es für den FC 08 nicht in dieser starken Liga. Du muss eigentlich immer über dich hinauswachsen, darfst nie zufrieden sein. Deshalb hat es mich sehr gefreut, wie das Team nach der 4:1-Führung in Göppingen weitergemacht hat, weiter geil auf Tore war. Nur so kommen wir weiter. Es ist ja sicher noch nicht alles Gold, was glänzt.
Die Defensive steht nun stabiler, doch individuelle Fehler – ein Hauptproblem während der gesamten Regionalliga-Saison – bringen Ihr Team immer wieder um mögliche weitere Punkte. Ist dies eine Hauptbaustelle?
Als Trainer haben wir immer daran gearbeitet. Als Coach willst du keine individuellen Fehler sehen, aber sie passieren dennoch. Der große Unterschied ist nun, wie wir mit Fehlern umgehen. Ich erwarte, dass die Teamkollegen Fehler ausbügeln. Da geht es um das Herz, die Einstellung. Dazu geht es um taktische Dinge wie die Restverteidigung, Gegenpressing, Abstände oder die Grundordnung, die nach Fehlern schneller wieder hergestellt werden muss.
Noch stehen sechs Spiele in der Runde 2025/26 an. Was erwarten Sie von Ihrer Elf bis zum Ende der Regionalliga-Saison am 17. Mai?
Zunächst einmal sind da noch viele Spiele gegen Regionalliga-Topteams dabei. Darauf freuen wir uns. Wir wollen mit Spaß an diese großen Aufgaben gehen. Natürlich wollen wir weiter punkten. Wenn wir taktisch gut eingestellt sind, technische Fehler noch weiter reduzieren, an uns und unseren jeweiligen Plan glauben und unser Potenzial abrufen, dann können wir an einem besonderen Tag auch weiter Zählbares erreichen. Wir müssen dafür aber in jedem Training im Vergleich zur Konkurrenz mehr machen und selbstkritisch mit uns umgehen. Die Jungs müssen gierig bleiben – und dies unabhängig vom Tabellenplatz. Nur das macht uns besser und flexibler. Dazu kommt das Thema Fitness. Wir sind auf einem sehr guten Level, aber es gibt noch etwas Luft nach oben.
Der erste Auswärtssieg der Runde ist endlich unter Dach und Fach. Folgt am Samstag (14 Uhr) auch der erste Heimdreier unter Ihrer Regie, wenn es gegen den starken TSV Steinbach Haiger in der MS Technologie-Arena geht?
(lacht) Das ist das Ziel. Ich glaube, dass der FC 08 in der derzeitigen Lage, einfach bestimmte Dinge auf dem Platz bringen muss. Wenn wir dies schaffen, dann werden wir ein gutes Spiel machen. Wir dürfen aber nicht vergessen, welch enorme Qualität diese Gegner haben. Wir wollen auf jeden Fall, dass die Zuschauer mit einem Lachen im Gesicht das Stadion wieder verlassen.
Wagen Sie schon einen Ausblick auf die kommende Runde, sehr wahrscheinlich in der Oberliga BW?
Noch gibt es ja Vertragsgespräche mit Spielern. Man erkennt aber, dass die Mannschaft eine echte Mannschaft ist. Deshalb glaube ich, dass viele Spieler den neuen Weg auch in der kommenden Runde mitgehen wollen und werden. Es geht uns allen, auch der Vorstandschaft, um Kontinuität und Regionalität. Seit meinem ersten Tag hat es sich gezeigt, dass der Gesamtverein an einem Strang zieht. Diesen Weg müssen wir weitergehen. Das kann uns in der Zukunft sehr stark machen. Ich bin also davon überzeugt, dass wir auch in der neuen Saison eine sehr gute Rolle spielen werden – egal in welcher Liga. Ich sehe den FC 08 als eine Schwarzwälder Fußballgröße mit ganz viel Tradition. Mein Ziel ist es, hier das Maximum in einem gesunden Rahmen herauszuholen. Prinzipiell bin ich ein Typ, der keine Grenzen sieht. Harte Arbeit und Kontinuität wird belohnt, davon bin ich überzeugt. Wir wollen leidenschaftlichen und attraktiven Fußball mit viel Herz im sehr hohen Amateur-, vielleicht auch wieder im semiprofessionellen Bereich zeigen.