Coach Steffen Breinlinger will mit dem FC 08 Villingen in der Restsaison noch öfters jubeln. Foto: Marc Eich

Steffen Breinlinger weiß, dass er und das Team in der Restsaison liefern müssen. Der Coach des FC 08 über Verträge, die Dominanz von Aalen und Mannheim und den so wichtigen SBFV-Pokal.

Rang sieben nach einem Stotterstart – der FC 08 Villingen tat sich nach dem Regionalliga-Abstieg vor allem zu Beginn der Runde in der Oberliga BW sehr schwer. Zuletzt stimmten die (meisten) Ergebnisse, doch nicht nur für Sportchef Marcel Yahyaijan waren die bisherigen 19 Spiele „insgesamt nicht zufriedenstellend“.

 

Viel zu selten riefen die Nullachter das komplette Potenzial in einem Spiel über 90 Minuten ab. Auch deshalb warten die Verantwortlichen noch ab, wie es in Sachen Trainer nach der Runde weitergeht.

Coach Steffen Breinlinger weiß, dass nicht nur bei ihm, sondern auch bei vielen Spielern nach dem Ende der Saison 2025/26 die Verträge auslaufen. Wie geht der 42-Jährige mit dieser Situation um? Was erwartet Breinlinger von der Mannschaft im neuen Jahr? Weshalb haben die Spitzenteams aus Mannheim und Aalen bereits 16 Zähler Vorsprung? Wir haben uns mit dem 08-Trainer für die Antworten in einem Villinger Café getroffen.

Steffen Breinlinger, wie würden Sie die bisherige Saison des FC 08 in einem Satz zusammenfassen?

Diese wurde bisher von Licht und Schatten dominiert.

Gerade zu Beginn war es im Hochsommer aus sportlicher Sicht sogar sehr schattig im Friedengrund. Es gab bittere Heimniederlagen.

Ja. Es gab da negative Ausreißer, als wir unter unseren Möglichkeiten agiert haben. Und dies nicht nur spielübergreifend, sondern auch innerhalb eines Spiels. So zum Beispiel im letzten Heimspiel gegen Singen beim 2:1. Da haben wir eine sehr gute und dominante erste Halbzeit gezeigt. Und dann verlieren wir nach einer taktischen Umstellung des Gegners den Faden. Uns fehlt also bisher ein Stück weit die Konstanz – und damit eben auch einige Punkte auf dem Konto. Da hatten wir uns schon mehr erhofft.

Vom 4:3 gegen Reutlingen bis zum jüngsten 3:3 in Essingen: Villingen erlebt also bisher ein echtes Wechselbad. Weshalb gab es diese Wellentäler?

Es war nicht so einfach, nach den sportlichen Entwicklungen in der Regionalliga und einem neu gestalteten Kader direkt in der neuen Liga anzukommen. Für dieses Auf und Ab gibt es viele Gründe. Wir wurden direkt vom Jäger zum Gejagten. Eine hohe eigene äußere und innere Erwartungshaltung hat ihren Teil dazu beigetragen. In den Spielen gelang es uns situativ noch zu wenig dominant aufzutreten, dem Gegner unseren Plan aufzuzwingen. Wir mussten uns vereinzelt zu sehr abkochen und den Spielrhythmus nehmen lassen. In der Oberliga geht es eben nicht mit ein paar Prozent weniger. Im Gegenteil, die Teams wachsen gegen uns teilweise über sich hinaus. Da müssen wir unser maximales Leistungsniveau immer voll und ganz auf den Platz bringen. Dazu waren wir nicht immer effizient genug, haben oft das Momentum nicht genutzt. Die Gegner kamen so auch durch individuelle Fehler zurück.

Was erwarten Sie von der Mannschaft im neuen Jahr?

Es gab definitiv auch positive Ausreißer. Wir haben zuletzt klare Fortschritte gemacht. Es geht darum, in der Winterpause die richtigen Schlüsse zu ziehen und dann eine ambitionierte Restsaison zu spielen. Wir hatten zunächst defensive Probleme. Diese haben wir dann weitestgehend in den Griff bekommen, hatten dann aber in der Offensive nicht mehr die notwendige Durchschlagskraft. Aus defensiver Stabilität und offensiver Stärke muss wieder ein harmonischer Einklang werden. Ich erwarte, dass wir mit einer komplett professionellen Einstellung ins neue Jahr gehen. Unser Anspruch ist, immer über die gesamten 90 Minuten unser großes Potenzial abzurufen – und das dauerhaft. Meine Aufgabe als Cheftrainer ist es, gemeinsam mit dem Trainerteam und der Mannschaft diese Strukturen zu festigen, unsere Identität zu schärfen. Wir müssen in der Defensive und Offensive unsere Automatismen stärken. Insgesamt bedarf es einer weiteren Entwicklung in sämtlichen leistungslimitierenden Bereichen – da sitzen wir alle in einem Boot.

Kapitän Nico Tadic und Co. wissen, dass sie sich im neuen Jahr steigern müssen. Foto: Marc Eich

Apropos Trainer. Was nehmen Sie persönlich aus der bisherigen Saison mit?

Der Ausgang der jüngsten Wahlen war sehr wichtig, um nun die klar geregelten Verantwortlichkeiten zu etablieren und so schließlich feste Strukturen und Abläufe entwickeln zu können. In einer Liga mit viel sportlicher Qualität wollen wir uns etablieren und das Potenzial des Vereins ausschöpfen. Dieser Anspruch erfordert in allen Bereichen starke Ressourcen, vor allem auch zeitlich, was mich in der realen Umsetzung sehr stark herausfordert. Ich als Trainer will jedoch mein bestmögliches Tun, um dem Verein in sportlicher Hinsicht maximal zu helfen. Es ist dabei entscheidend, auch die eigene Arbeit auf den Prüfstand zu stellen, andererseits bei sich zu bleiben und schließlich den eigenen Werten und Vorstellungen treu bleiben zu können. Dieses Spannungsfeld zu managen, fällt einem, vor allem nach Niederlagen, nicht immer ganz leicht.

Sie sprechen viel von der weiteren Professionalisierung. Andere Oberligisten trainieren teilweise öfters. Wäre eine zusätzliche Einheit eine Möglichkeit, das sportliche Niveau zu erhöhen?

Das ist eine Option. Auch das wird bei der weiteren Analyse ein Thema sein. Es geht darum, wie wir noch einige Prozente mehr rausholen können. Das können weitere Trainingseinheiten, aber auch strukturelle Abläufe innerhalb der Einheiten sein. Die Inhalte und Verantwortlichkeiten während der Einheiten könnten ebenfalls ein Thema werden. Wir werden komplett analytisch vorgehen im Sinne des Erfolgs. Auf was wir schlussendlich zurückgreifen, das müssen wir sehen.

Ganz ehrlich: In der Liga geht es wohl nur noch um die Plätze hinter Mannheim und Aalen, die Meisterschaft und Relegationsplatz wohl unter sich ausmachen. Oder? Und was haben die beiden VfR-Teams, was Villingen derzeit nicht hat?

Zunächst sind wir nicht weit weg von Rang drei. Sollte eines der Topteams doch noch wackeln, dann wollen wir bereit sein. Wir möchten uns festigen und uns als FC 08 vorne andocken. Aalen hat einfach eine höhere Qualität, was man auch bei unserer 1:3-Heimniederlage gesehen hat. Diesen Unterschied hat man bei unserem 0:0 in Mannheim nicht gesehen. Es ist uns im Vergleich zu Mannheim aber eben nicht gelungen, konstant unser Potenzial abzurufen. Das müssen wir uns vorwerfen.

Dafür lockt der zwölfte SBFV-Pokalsieg. Im Viertelfinale gastiert mit Laufenburg ein Verbandsligist. Wie sehen Sie die Chancen?

Der Pokal spielt für uns eine sehr wichtige Rolle. Das wissen wir alle. Bei diesen Showdownspielen müssen wir abliefern.

Bei vielen Spielern wie Torjäger Marcel Sökler laufen die Verträge im Sommer aus. Wie sehen Sie die Situation?

Die Vereinsverantwortlichen haben betont, dass sie auf Regionalität und Kontinuität setzen möchten. Diesen Weg unterstütze ich vollumfänglich. Ich schenke dem gegenwärtigen Kader grundsätzlich mein vollstes Vertrauen. Nach einer eingehenden Analyse der Vorrunde werden die Zukunftsplanungen vorangetrieben. Bei der Entscheidung spielen viele Faktoren eine Rolle. Was wollen die Spieler? Was will der Verein? Was ist finanziell machbar? Da werden wir als Trainerteam unsere Einschätzungen abgeben. Sportdirektor Marcel Yahyaijan wird dann schließlich mit dem Vorstandsgremium eine bestmögliche Lösung für alle finden, um eine schlagkräftige, hungrige und sportlich ambitionierte Mannschaft zusammenzustellen. Das große Ganze werden wir dabei keinesfalls aus den Augen verlieren.

Auch Ihr Vertrag endet nach der Runde.

Natürlich nehme ich mich immer selbst in die Pflicht. Persönlich arbeite ich aber nicht für einen neuen Vertrag, sondern ich arbeite für den maximalen Erfolg des FC 08 Villingen. Ich selbst habe an mich die höchste Erwartungshaltung. Es geht mir überhaupt nicht um meine Person, sondern nur um den FC 08. Das ist eine sehr attraktive und tolle Aufgabe, mit einer Mannschaft zu arbeiten, mit der ich unglaublich gerne Zeit verbringe. Wir müssen die Stellschrauben finden, die uns noch besser machen. Das ist mein Anspruch, das ist unser Anspruch.

Wie sieht der Vorbereitungsplan nach der Winterpause aus?

Wir werden am 12. Januar wieder beginnen und wollen möglichst viel fußballspezifisch machen. Bei den Testspielen haben wir auch auch sehr starke Gegner dabei, die uns die Defizite aufzeigen. Wir brauchen eine perfekte Vorbereitung, damit wir top starten und in einen Flow kommen.