Schömberg steckt wie viele andere Kommunen in finanziellen Schwierigkeiten. Deshalb werden bei den Haushaltsberatungen zahlreiche Projekte geschoben.
Angesichts der Finanznöte kommt Schömberg um Einschnitte nicht herum. Bürgermeister Matthias Leyn fordert deshalb von den verantwortlichen Politikern auf die Probleme der Kommunen auch einzugehen.
Ganz allgemein gefragt: War 2024 ein gutes Jahr für Ihre Gemeinde? Und warum oder warum nicht?
Das Jahr 2024 war für die Gemeinde ein abwechslungsreiches Jahr. Es wurde ein neuer Gemeinderat gewählt. Auch wurden neue Ortschaftsräte gewählt und konnten die Arbeit aufnehmen. Auf der anderen Seite war das Jahr in finanzieller Hinsicht definitiv kein einfaches Jahr.
Was war 2024 der wichtigste Meilenstein für Ihre Gemeinde?
Einen Meilenstein in unserer heilklimatischen Naturerlebnisgemeinde feierten wir 2024 mit der Eröffnung unseres Kur- und Heilwaldes, zumal wir landesweit als erster Kurort in dieser Form in eine nachhaltige, naturbezogene Infrastruktur zur Steigerung und Entwicklung des Erholungswertes für Bevölkerung und Gäste investierten.
Welches Projekt wird für Ihre Gemeinde 2025 das wichtigste sein?
Wir befinden uns derzeit in der Aufstellung des Haushaltsplanes und werden dann in die Beratungen einsteigen. Die Beratungen werden zur Folge haben, dass viele Vorhaben nochmals geschoben werden müssen, sodass zur Zeit keine Prognose abgegeben werden kann, denn wir treffen die Entscheidungen gemeinsam mit unserem Gemeinderat.
2025 ist Bundestagswahl. Was für eine Regierung wünschen Sie sich?
Ich denke, dass es wichtig ist, dass die verantwortlichen Politiker auf die Probleme, die uns derzeit beschäftigen, auch einmal eingehen und sie nicht nur zur Kenntnis nehmen.
Wenn Sie plötzlich Bundeskanzler wären - würden Sie das Amt annehmen? Und worum würden Sie sich zuerst kümmern wollen?
Die Frage stellt sich nicht, da ich nicht für den Bundestag kandidiere.
Ständig ist seit einiger Zeit die Rede von künstlicher Intelligenz (KI). Was glauben Sie: Welche Aufgaben kann eine KI bis 2030 in Rathäusern übernehmen?
In der Tat ist das nicht ganz einfach zu beantworten. Die KI kann mit Sicherheit eine Unterstützung sein. Allerdings bedarf es dazu aber auch eines konsequenten Bürokratieabbaus.
Hesse-Bahn und Krankenhaus Calw sollen beide 2025 fertig werden. Sind diese Projekte für Ihre Gemeinde und deren Bürger eher Bereicherung oder finanzielle Belastung?
Ich denke, dass alle Projekte im Kreis Calw den Bürgerinnen und Bürgern im Kreis Calw zu Gute kommen. Dem einen mehr, dem anderen weniger. Und ganz klar führt so etwas auch zu Kosten und Ausgaben. Die Belastung der Bürgerinnen und Bürger ist aber auch Folge, weil Landkreise und Kommunen diese Belastungen allein tragen müssen und eben die notwendige Unterstützung durch Land oder Bund fehlt.
Was sollte der Kreis Calw unbedingt haben - an Gebäuden, Angeboten oder auch Freizeitmöglichkeiten (lassen wir dabei mal außer acht, ob das realistisch wäre)?
Der Landkreis hat in den vergangenen Jahren sehr viele Projekte angepackt. Dafür können wir dankbar sein. In Anbetracht der derzeitigen Finanzlage des Kreises brauchen wir uns über weitere „Wünsche“ vorerst keine Gedanken machen.
Überall fehlt es an Geld, die Konjunktur schwächelt, die Ausgaben sind hoch. Schnell heißt es in solchen Zeiten, Städte und Gemeinden würden die Kassen mit Bußgeldern füllen. Aber mal in Zahlen: Wie viel nimmt Ihre Gemeinde eigentlich pro Jahr tatsächlich mit Bußgeldern ein? Und wie viel Prozent der Haushaltserträge macht das aus?
Wir sehen in Schömberg die „Bußgelder“ nicht als Kassenfüller an. Die Einnahmen sind bei uns auch nicht entscheidend für die Gestaltung des Haushaltes. Und das ist auch richtig so.
Was wird 2025 die größte Herausforderung für Ihre Gemeinde?
Wir müssen schauen, dass wir der Aufgabenerfüllung als Gemeinde weiter nachkommen und gleichzeitig auch die finanziellen Herausforderungen damit in Einklang bringen.
Und zu guter Letzt noch etwas Persönliches: Was war Ihr schönster Moment 2024?
Die bestandene Abiturprüfung unserer Tochter.