Fortführung der Revitalisierung der Siebentäler Therme: 14 Mitglieder des Gemeinderats sagten im Januar Ja und sieben Nein. Foto: Markus Kugel

Der Bad Herrenalber Bürgermeister Klaus Hoffmann spricht über ein insgesamt gutes Jahr 2025 und die Herausforderungen für das neue Jahr.

Für den Bad Herrenalber Bürgermeister Klaus Hoffmann ist der gesellschaftliche Zusammenhalt von großer Bedeutung. Sein beruflich schönster Moment im vorigen Jahr war der Beschluss des Gemeinderats zur Revitalisierung der Siebentäler Therme.

 

Ganz allgemein gefragt: War 2025 ein gutes Jahr für Ihre Stadt? Und warum oder warum nicht?

Insgesamt betrachtet, war 2025 ein gutes Jahr. Wir haben Themen angepackt, die zum Wohle unserer Bürgerinnen und Bürger sind. So hat der Gemeinderat umfangreiche Mittel zur Sanierung der Infrastruktur bereitgestellt und die Arbeiten sind bereits in vollem Gange, wie der stadtweite Ausbau von schnellen Internetzugängen und die Straßen- und Kanalsanierungen in Bernbach. Das führt leider zu temporären Einschränkungen für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger, beispielsweise durch Straßensperrungen, aber diese Maßnahmen sind wichtig für alle und ein wichtiger Schritt hin zu einer noch lebenswerteren Stadt. Positiv hervorheben möchte ich auch, dass der Gemeinderat sich für das Bürgerhaus in Neusatz eingesetzt hat, welches künftig ein zentraler Bürgertreff in Neusatz und Rotensol sein wird. Das sind einige der wichtigen Maßnahmen, die beschlossen wurden und in Umsetzung sind.

Was war 2025 der wichtigste Meilenstein für Ihre Stadt?

Neben den oben genannten Punkten sicherlich der Beschluss zur Sanierung der Therme, den der Gemeinderat zu Jahresbeginn gefasst hat. Nach vielen, vielen Jahren der Diskussion haben wir endlich eine Entscheidung getroffen.

Welches Projekt wird für Bad Herrenalb 2026 das wichtigste sein?

Die Fertigstellung aller begonnen Projekte, Fortführung der Projekte, die einen längeren Planungshorizont haben und das Aufgreifen neuer Themen. Wir müssen uns mit der Frage der Klimaneutralität und Wärmeplanung auseinandersetzen, die Infrastruktur weiter ertüchtigen und das alles mit sehr beschränkten Mitteln.

Was wird 2026 die größte Herausforderung?

Die angespannte Haushaltslage werden wir das ganze Jahr über spüren. Zuführungen aus dem sogenannten Sondervermögen für Investitionen sind zwar äußerst hilfreich, aber wir erhalten vom Staat schuldenfinanzierte Mittel, die wir im Augenblick nur durch weitere Schuldenaufnahme in Investitionen ummünzen können. Der Gesellschaft wird viel abverlangt. Daher ist der gesellschaftliche Zusammenhalt von großer Bedeutung.

Ende Januar steht die erste Fahrt der Hesse-Bahn an. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Ich freue mich für den Landkreis Calw, dass die Anbindung an den Großraum Stuttgart besser wird und hoffe, dass viele Fahrgäste am Wochenende die Fahrt in unsere Region und dann auch zu uns nach Bad Herrenalb nutzen werden.

Der Job des Bürgermeisters scheint in den vergangenen Jahren immer härter geworden zu sein – mit allen negativen Konsequenzen. Auch im Kreis Calw ist das zu spüren. Was macht Ihnen beruflich am meisten zu schaffen? Und was müsste sich ändern, um das zu verbessern?

Ein Bürgermeister soll alles können, alles wissen, für alles die Verantwortung tragen und das jeden Tag, rund um die Uhr. Wundert es da wirklich, dass manch einer in die Knie geht? Wenn man die Bürgermeister und Bürgermeisterinnen als Menschen betrachten und behandeln würde, dann wäre schon viel gewonnen.

Revitalisierung der Therme: Führung im November vorigen Jahres Foto: Glaser

Egal ob Windräder, Baugebiete oder Mobilfunkmast – immer öfter bildet sich organisierter Widerstand gegen größere Projekte in der Nachbarschaft. Halten Sie das für legitim? Oder greift hier eher das Sankt-Florian-Prinzip, das im englischsprachigen Raum auch als „not in my backyard“ („nicht in meinem Hinterhof“) bekannt ist?

Es ist ja nichts Neues, dass ein Problem, welches nahe an der eigenen Haustür verortet ist, den größten Widerstand hervorruft. Ich denke, daran wird sich auch nichts ändern, denn wie heißt es so schön: Das Hemd ist einem näher als die Jacke. Aber das ist menschlich.

Die Finanzlage der Kommunen ist schlecht, überall muss gespart werden. Zurückstecken will natürlich niemand. Ist die Erwartungshaltung der Bürger in dieser Situation realistisch?

Die Bürger erwarten viel, weil in den letzten Jahrzehnten immer wieder ein scheinbarer Frieden durch Geldgeschenke erreicht wurde. Auch jetzt sehen wir doch in Berlin, dass Sondervermögen, also Kredite, helfen sollen, die Sorgen im Griff zu behalten. Ich gehe aber davon aus, dass die angekündigten Reformen vielen eher weh tun werden, denn realistisch betrachtet, ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Die Bürger müssen leider damit rechnen, dass es zu noch einschneidenderen Maßnahmen kommen kann.

2026 wird der Landtag gewählt. Welchen Wunsch haben Sie an die neue Landesregierung?

Stand heute ist ja davon auszugehen, dass sich nach der Wahl die heutigen Wahlkämpfer zunächst zu einer Koalition zusammenraufen müssen, in der jeder dann seinen Wunschzettel präsentiert. Erst danach können wir klarer sehen, aber das Wort „Finanzierungsvorbehalt“ taucht schon jetzt vor meinem inneren Auge auf. Wenn sich dann letztlich eine Regierung gebildet hat, erwarte ich von ihr, dass sie die Probleme zügig angeht und löst und die finanzielle Verantwortung für die Lösungen nicht auf die Kommunen abschiebt.

Und zu guter Letzt noch etwas Persönliches: Was war Ihr schönster Moment 2025?

Beruflich: der mit großer Mehrheit gefällte Beschluss des Gemeinderats zur Revitalisierung unserer Therme. Privat: mit meiner Frau in Rom im Petersdom gewesen zu sein.