Skispringerin Ramona Straub erreichte bei den Olympischen Winterspielen 2018 den achten Platz. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Ramona Straub, ehemalige Weltklasse-Skispringerin aus dem Schwarzwald, spricht über ihre Karriere, schwere Verletzungen, ihre Olympia-Teilnahme 2018 und ihren neuen Weg als Trainerin.

Ramona Straub (SC Langenordnach, nun Trainerin im Skiinternat Furtwangen) hat den deutschen Skisprung geprägt. Die 32-Jährige hatte eine sehr ereignisreiche Karriere. Von Olympia bis zu zwei Kreuzbandrissen war alles dabei.

 

Ramona, Sie haben in Ihrer Karriere nicht nur große Erfolge gefeiert, sondern auch Rückschläge wie Ihre Kreuzbandrisse erlebt. Wie gelingt es einer Spitzensportlerin, sich von einer solchen Verletzung körperlich und mental zu erholen?

Die Zeit nach meinem ersten Kreuzbandriss 2014 war sehr lehrreich. Ich habe viel analysiert – warum es passiert ist, welche Faktoren eine Rolle gespielt haben und wo ich selbst ansetzen kann. In der Reha habe ich dann verstanden, wie komplex so eine Verletzung ist und was alles dazu beiträgt. Am Ende habe ich nicht nur körperlich, sondern auch mental viel über mich und meinen Sport gelernt. Man muss natürlich auch sagen, dass auch viel Pech zu solchen Verletzungen gehört.

Die Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang waren 2018 ein Höhepunkt, von dem viele nur träumen. Sie erreichten den achten Platz. Was hat diese Erfahrung für Sie persönlich bedeutet?

Die Olympischen Spiele waren für mich das größte sportliche Ereignis überhaupt. Alles war beeindruckend – die Atmosphäre, die Medien, der Austausch mit anderen Athleten. Es war dieses besondere Gemeinschaftsgefühl: Wenn irgendwo ein Deutscher oder eine Deutsche eine Medaille geholt hat, hat man gemeinsam gefeiert. In dem Moment, als ich oben auf dem Balken stand, war all das ausgeblendet. Da zählte nur noch der Fokus, der Sprung, der Augenblick. Erst danach wurde mir wirklich bewusst, was ich gerade erleben durfte – ein Moment, den ich nie vergessen werde.

2021 haben Sie Ihre aktive Karriere beendet. Wie kam es zu dieser Entscheidung – und wie schwer ist es Ihnen gefallen, diesen Schritt zu gehen?

Angefangen hat alles bei der Weltmeisterschaft 2019 in Seefeld. Schon beim Einzelwettkampf habe ich gespürt, dass etwas mit dem Knie nicht stimmt. Zunächst konnte man nichts feststellen, also bin ich weitergesprungen. Zwei Wochen später – beim Weltcup in Oslo – ist das Kreuzband dann tatsächlich gerissen.Mir wurde klar, dass ich nicht mehr zu 100 Prozent an mein altes Leistungsniveau herankomme. Und da habe ich für mich entschieden, dass es gut ist, so wie es ist. Ich durfte Weltcups erleben, war bei den Olympischen Spielen. Ich denke, das passt schon so.

Sie standen selbst jahrelang oben auf der Schanze. Heute stehen Sie daneben und coachen am Furtwanger Skiinternat als Landestrainerin die nächste Generation.

Ich mache gerade ein duales Studium „Sport und angewandte Trainingswissenschaft“ – also quasi die perfekte Kombi aus Theorie und Praxis. Neben dem Studium bin ich Trainerin im Landeskader Baden-Württemberg für Nordische Kombination. Meine Schüler sind zwischen 13 und 20 Jahre alt. Als ich mit dem Leistungssport fertig war, wollte ich gerne noch etwas anderes machen – also nicht nur bei meinem Gärtnerberuf bleiben. Das mache ich zwar echt gern, aber ich wollte mir bildungstechnisch einfach mehr Möglichkeiten für die Zukunft offenhalten. Dann kam das Angebot vom Deutschen Skiverband, ein duales Studium im Bereich Sportwissenschaften zu machen – und das hat perfekt gepasst. So kann ich meine Erfahrung aus dem Sport mit neuem Wissen verbinden und mich gleichzeitig beruflich weiterentwickeln.