Perseus Knab ist die Stimme des SV Weil. Foto: zVg/SV Weil

Fußball-Landesligist SV Weil zählte vor dem Gang in die Winterpause zu den Titel-Kandidaten. Danach gibt der Klub mit zuweilen desolaten Pflichtspiel-Vorstellungen ein Rätsel auf.

Dieser heftige Einbruch wirft Fragen auf. Selbst Trainer Andreas Schepperle zermarterte sich den Kopf, tut sich schwer, die möglichen Gründe zu nennen. Nun bezieht Perseus Knab, der Sportliche Leiter des SV Weil, Stellung.

 

Der SV Weil zählte vor dem Gang in die Winterpause zu den Titel-Kandidaten, weil er bis dahin starke Leistungen auf den Platz gebracht hat. Wie erklären Sie sich nun den dramatischen Einbruch nach der Winterpause?

Tatsächlich haben wir in der Vorrunde sehr gut performt. Schade, dass die Mannschaft die gute Ausgangsposition so schnell verspielt hat. Mehrere Faktoren kommen hier zusammen: Absenzen einzelner Spieler in der Vorbereitung, Spielsperren durch Undiszipliniertheiten, der Ausfall mehrerer Spieler aufgrund von Verletzungen und ein andauerndes Formtief gleich mehrerer Akteure.

Hängt es vielleicht damit zusammen, dass die Chemie zwischen Trainer und Mannschaft nicht mehr stimmt?

Das kann ich nicht bestätigen. Natürlich gibt es in schwierigen Phasen immer Reibungspunkte, das gehört dazu. Anzeichen für einen Bruch zwischen Trainer und Mannschaft sehe ich allerdings nicht.

Oder hängt es eher mit der grundlegenden Werte-Einstellung der Spieler zu ihrem Sport zusammen?

Tatsächlich wird dem Sport nicht mehr so viel Priorität eingeräumt wie früher. Früher fehlte der Spieler, weil verletzt war. Heute ist es auch eine Wanderung mit den Kollegen, ein Wellness-Wochenende mit der Freundin oder der 80. Geburtstag der Oma. Das Problem betrifft aber alle Vereine.

Generell gefragt: Ist, angesichts des Verhaltens der Spieler heutzutage eine vernünftige personelle Planung überhaupt noch möglich?

Es wird stetig schwieriger. Die Gruppe derjenigen, die sich möglichst lange alle Optionen offenhalten wollen, wird größer. Die Selbstüberschätzung nimmt immer groteskere Züge an. Manch einer sieht noch eine Profikarriere vor sich. Wenn man dann mal auf der Bank sitzt, steht das dieser natürlich im Wege. Der individuelle Erfolg ist wichtiger, als der der Mannschaft, anstatt umgekehrt.

Zwei Spieler werden, obwohl sie zugesagt haben, den Verein nach dieser Saison verlassen. Werden noch weitere folgen?

Wenn uns ein Spieler schriftlich zusagt, dass er in der nächsten Saison für uns aufläuft, glauben wir nach wie vor, dass er sein Wort hält. Das genannte Beispiel zeigt zwar das Gegenteil, aber ich glaube, dass die meisten der Bauchpinselei widerstehen und die guten Manieren nicht über Bord werfen, nur weil ihnen das Trikot mit der Nummer 10 und ein kostenloser Wäscheservice angeboten wird.

Wie sehen die Ambitionen des SV Weil in sportlicher Sicht generell und für die kommende Saison aus? Ist ein Verbandsliga-Aufstieg noch ein realistisches Ziel?

Generell soll der SV Weil überbezirklich spielen, wie eigentlich immer in der Vergangenheit. Ob die Verbandsliga ein realistisches Ziel ist, sehen wir, wenn der Kader feststeht. Zum Start der Vorbereitung Ende Juni sind wir schlauer.

Welchen Stellenwert hat die Nachwuchsarbeit beim SV Weil?

Die Nachwuchsarbeit hat bei uns seit Jahren einen sehr hohen Stellenwert. Sie ist die Basis für nachhaltigen Erfolg. Malin Schepperle, Marvin Stöhr und Justin Samardzic haben zum Beispiel schon in der Jugend für den SV Weil gespielt. Das gilt übrigens für 80 Prozent unserer Mannschaft. Auch in den kommendes Jahren wird es Ziel sein, eigene Talente an den Aktivenbereich heranzuführen und ihnen dort echte Perspektiven zu bieten.

Sie hören als Sportlicher Leiter beim SV Weil nach der Saison auf, haben den Stab an Jens Vogtsberger weitergegeben und widmen sich beim ihrem Verein um das Finanzressort. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Den Gedanken als sportlicher Leiter aufzuhören trage ich schon einige Zeit in mir. Nach 20 Jahren muss es dann auch mal gut sein. Glücklicherweise gibt es mit Jens Vogtsberger den passenden Kandidaten. Der SV Weil kann sich glücklich schätzen, dass er den Job übernimmt. Das Finanzressort übernehme ich auf Bitten meiner Vorstandskollegen. Die Wahl steht allerdings noch aus. Die Generalversammlung findet am 13. Mai statt.

Noch ein Wort zur bevorstehenden WM: Was trauen Sie der deutschen Mannschaft zu?

Den Titel! Die deutsche Mannschaft muss man immer auf dem Zettel haben.