Die Kur und Bäder GmbH vermarktet Bad Dürrheim im Tourismusbereich, Markus Spettel blickt in die Zukunft. Foto: Marc Eich

Solemarsanierung, alternative Angebote für Touristen, Hotelbau und Gästeakquise – Markus Spettel, Geschäftsführer der Kur und Bäder GmbH gibt einen Ausblick auf die kommenden Jahre im Tourismusbereich.

Wünschenswert wäre es aus Sicht des Kurgeschäftsführers mit der Wiedereröffnung des Solemars nach der Sanierung auch ein neues Hotel eröffnen zu können.

 

Wie bereitet sich die Kur und Bäder GmbH im Moment auf die Generalsanierung der Solemar-Therme vor, die ab 2027 stattfinden soll?

Wir bereiten uns ja bereits seit einiger Zeit sehr intensiv auf dieses Thema vor. Ganz konkret sind inzwischen die werkstofftechnologischen Gutachten für die detaillierten Beurteilungen der Bausubstanz, insbesondere im Bereich der Betonbauteile sowie der Tragwerkskonstruktionen, beauftragt.

Auf Basis dieser Ergebnisse, die uns Anfang des Jahres 2024 vorliegen werden, erarbeiten wir den weiteren konkreten Zeit- und Maßnahmenplan. Wichtig ist es mir an dieser Stelle aber nochmals deutlich zu betonen, dass wir die Solemar-Therme zunächst noch für mindestens drei Jahre geöffnet haben und die Sanierung erst voraussichtlich ab dem Jahr 2027 stattfinden wird. Und auch da wissen wir derzeit noch nicht genau, ob Anfang, Mitte oder Ende des Jahres 2027.

Erst wenn uns die genauen Ergebnisse der Experten vorliegen, können und werden wir hierzu genauere Information geben. Mit den weitergehenden Fragestellungen wie genau die Sanierung dann aussehen wird, was wir vom Bestand erhalten, was wir erneuern, an welcher Stelle wir eventuell auch die heutige räumliche Aufteilung umplanen und wo und in welchem Umfang wir gegebenenfalls neue Attraktionen schaffen, werden wir uns in den kommenden Monaten intensiv befassen.

Markus Spettel weist darauf hin, dass nur die Therme saniert wird, die Sauna, sowie das Therapiezentrum im Solemar bleiben geöffnet. Foto: Marc Eich

Natürlich beschäftigen wir uns auch jetzt schon mit diversen Ideen, Optionen und Szenarien, wie wir auch während der Sanierungsphase attraktive Alternativen bieten können. In welcher Form genau diese Alternativen geschaffen werden können, wird neben der Sanierungsplanung eine der wesentlichen Aufgabenstellungen in den nächsten Monaten für uns sein.

Am Ende dieser Frage möchte ich unbedingt noch ergänzen, dass außerhalb des Bades alle weiteren Bereiche wie Schwarzwald-Sauna, Therapie- und Rehazentrum, Fitnessbereich, Wellnesszentrum während der Generalsanierung weiterhin geöffnet bleiben. Im Übrigen haben wir zu dem Thema auch sehr ausführliche FAQs auf unserer Solemar-Webseite veröffentlicht.

Welche touristischen Möglichkeiten bietet die Stadt und Umgebung als Alternative zum Solemar?

Wir haben den Vorteil in einer sehr guten Situation zu sein, was unsere Natur, unser Klima, unsere örtliche Topografie und auch unsere geografische Lage anbelangt.

Zudem können wir stolz darauf sein, acht erfolgreiche Kliniken mit hoher medizinischer Kompetenz vor Ort zu haben, die für uns zum einen sehr viele Übernachtungen generieren, zum anderen aber auch bedeutende Multiplikatoren und Imageträger im Bereich der Gesundheitskompetenz für unseren Ort sind. Wir haben mit dem Narrenschopf, und seit 2018 auch mit der Adventure-Golfanlage, zwei starke touristische Einrichtungen, die weit über unsere Ortsgrenzen hinaus bekannt sind.

Die Besonderheit, dass der Kapfwald sozusagen als grüne Lunge, bis mitten in die Stadt hineinreicht, ist wirklich außergewöhnlich und schafft die optimale Ausgangssituation für unsere Aktiv-Gesundheits-Angebote wie Nordic-Walking, Waldbaden im Heilklima oder auch auf unserem Nature-Fitness-Parcours. Diese Besonderheit des „Gesundheitswaldes“ direkt vor der Haustüre wollen wir übrigens im nächsten Jahr noch weiter ausbauen und aufwerten.

Die Marke Biohacking soll weiter vorangebracht werden. Foto: Kur und Bäder

Auch mit unserer noch jungen Marke „Biohacking Bad Dürrheim“ sind wir derzeit in vielzähligen Medien präsent und verspüren hier einen regen Nachfragezuwachs für unsere Eisbade- und Atemworkshops. Vor allem nach den beiden letzten sehr gelungenen TV-Beiträgen, die bei uns in Bad Dürrheim entstanden sind und im November und Dezember 2023 im ZDF und MDR ausgestrahlt wurden, waren wir in der Luxussituation, dass die Workshops, vor allem zum Ende des Jahres, restlos ausgebucht waren und sogar teilweise überbucht werden mussten.

Auch dieses Thema wollen wir gemeinsam mit weiteren touristischen Leistungsträgern in Bad Dürrheim kontinuierlich weiterentwickeln, um die starke Wettbewerbsposition und die Alleinstellung, die wir uns dadurch gegenüber den anderen Heilbädern und Kurorten in Deutschland erarbeitet haben, nachhaltig zu festigen und weiter auszubauen.

Zudem konnte in den letzten Jahren in Bad Dürrheim und der angrenzenden Region ein breites Netz an gut ausgebauten und sehr attraktiven Rad- und Wanderwegen aufgebaut werden. Wir sind als Kur und Bäder GmbH bereits auch von Anfang an Premiumpartner des hier maßgeblich beteiligten „Radparadieses Schwarzwald- und Alb“.

Wir verspüren eine seit Jahren hohe und auch weiterhin zunehmende Nachfrage insbesondere nach dem Thema Radfahren, da wir eine recht flache Topografie aufweisen und hier sowohl jüngere als auch ältere Menschen teils ausgiebige Strecken mit E-Bike oder auch herkömmlichem Bio-Bike in schönster Umgebung zurücklegen können.

Man kann also durchaus viele Tage in Bad Dürrheim verweilen, ohne dass einem die Möglichkeiten ausgehen. Für diejenigen, die während ihres Aufenthaltes doch mal über das Ortsschild hinausschauen möchten, befinden wir uns geografisch in einem hochattraktiven Umfeld zwischen Schwarzwald, Bodensee, Schwäbischer Alb und auch der Schweiz. Bad Dürrheim ist also der ideale Ausgangspunkt für Ausflüge und Tagestouren in alle Richtungen. Die Möglichkeiten für Freizeiterlebnisse sind hier nahezu grenzenlos, was übrigens auch die Botschaft der DreiWelten Card ist, die von unserer Tochtergesellschaft im Jahr 2021 erfolgreich auf den Markt gebracht wurde. Mit inzwischen über 130 kostenfreien Attraktionen stehen den Gästen hier alle Möglichkeiten offen.

Die Drei Welten Card bietet für Touristen viele Ausflugziele kostenlos an. Foto: Marc Eich

Letztendlich muss aber auch ehrlich gesagt sein, dass es uns durchaus bewusst ist, dass es kaum möglich ist, die Attraktivität unseres Herzstückes Solemars vollständig zu ersetzen. Diese Tatsache macht das Solemar schließlich auch so wertvoll und unbedingt erhaltenswert für unsere gesamte Stadt. Mein ganzes Team und ich werden gemeinsam mit unseren Gremien daher auch unser volles Herzblut in eine erfolgreiche Realisierung der Generalsanierung stecken.

Welche Weichen werden heute schon auf den Urlaubsmessen und im Marketing gestellt, um alternative Angebot zu bewerben?

Bereits heute bewerben wir alle genannten Angebote intensiv auf sämtlichen Marketingkanälen. Die Urlaubsmessen, insbesondere die CMT in Stuttgart und die FESPO in Zürich, haben für uns nach wie vor eine hohe Relevanz im Rahmen unseres Marketing-Mix, da sie sozusagen im Herzen unserer zwei wichtigsten Quellmärkte – Baden-Württemberg im Inland und die Schweiz im Ausland – stattfinden. Ein starker Fokus unserer Kommunikation liegt heute aber vor allem auch auf den vielfältigen Social-Media-Plattformen, die bereits seit Jahren ein wesentlicher Bestandteil unserer gesamten Online-Strategie sind.

Neben den Publikums-Messen ist dies der virtuelle „Raum“, in welchem wir in den gezielten Dialog mit unseren aktuellen und potenziellen Gästen treten können. Gerade in der Zeit der Sanierung müssen wir ganz intensiv in den Dialog und die Kommunikation einsteigen und noch mehr als sonst für die Fragen unserer Gäste da sein und diesen natürlich auch professionell und gezielt alle Fragen zu Alternativen und sonstigen Anliegen beantworten können. Diese Weichen stellen wir bereits heute in dem wir offen und transparent in sämtlichen Kanälen und Netzwerken kommunizieren. Und natürlich werden wir über die Zeit der Sanierung eine ganz enge und kontinuierliche Kommunikation zur „Pflege“ unserer treuen Gäste aufrechterhalten. Letztendlich ist es ja unser großes Ziel, dass wir nach der erfolgreichen Sanierung mit einer neuen, modernen und noch attraktiveren Sole-Therme für unsere Gäste da sind.

Wie sieht die Entwicklung bezüglich des Hotels an der Therme aus? Wäre es nicht sinnvoll dieses zur Wiedereröffnung auch eingeweiht werden könnte?

Das wäre absolut sinnvoll. Wir haben hierzu auch schon erste Gespräche mit B.E.S.T geführt, die als potenzielle Investoren natürlich ein berechtigtes Interesse daran haben, dass sie neben ihrem neu geplanten Hotel eine gut aufgestellte und vor allem viele Jahre leistungsfähige Therme stehen haben. Damit steht und fällt ja auch das Konzept und der Erfolg eines „Thermenhotels“.

Ich erachte es daher sogar als Chance, wenn beide Maßnahmen, also die Sanierung der Therme und der Bau des neuen Hotels, zeitlich parallel laufen können. Es wäre dann ein wahrer Paukenschlag beide Eröffnungen zeitgleich zu feiern und mit einer absolut attraktiven Kombination aus neuem Hotel und frisch sanierter Therme an den Markt gehen zu können. Insgesamt ist es wichtig, dass die umfangreiche Sanierung des Solemars und damit auch das politische Bekenntnis zu unserer nachhaltigen touristischen Zukunftsfähigkeit auch für die kommenden Generationen, parallel auch weitere Investitionen von privater Seite auslöst.

Das Solemar mit dem dazugehörenden Therapiezentrum ist die Attraktion für Tagestouristen. Foto: Marc Eich

Insbesondere benötigen wir hier neben dem Thermenhotel auch noch dringend weitere Investitionen in unser Bettenangebot. Auch wenn erfreulicherweise in den letzten Jahren und Monaten auch immer wieder neue attraktive Ferienwohnungen entstanden sind, beziehungsweise mit den 24 Ferienwohnungen im ehemaligen Irma-Gebäude auch Anfang dieses Jahres wieder neu an den Markt gehen, haben wir unter dem Strich doch deutlich Betten verloren. Vor allem im Hotel-Segment benötigen wir neue qualitativ hochwertige Betten, denn hinzukommt, dass in unserem unmittelbaren Wettbewerbsumfeld in den letzten Jahren immer wieder neue attraktive Hotels entstanden sind. Um unsere starke Position zu behaupten, müssen wir hier nun unbedingt Fakten schaffen und seit langem geplante Projekte besser heute als morgen zur Realisierung bringen.