Markus Spettel, Geschäftsführer der Kur und Bäder GmbH. Foto: tx-foto.com/Marc Eich

Jährlich wird ein Millionenbetrag von der Stadt an die Kur und Bäder GmbH überwiesen, um den Verlust auszugleichen. Gäbe es Einsparmöglichkeiten? Um dieses Thema und um Einfluss auf Hotelplanungen geht es im zweiten Teil des Interviews.

Einsparmöglichkeiten bei der Kur und Bäder GmbH, Einfluss bei der Hotelplanung – wie geht die städtische Tochtergesellschaft hier in die Zukunft?

 

Für so genannte Dawi-Leistungen bekommt die Kur und Bäder Geld von der Stadt. Andere Bereiche schreiben ein Defizit. Wo wird die Kur und Bäder Einsparungen treffen müssen?

Diese Fragestellungen begegnen uns immer wieder. Die Kur und Bäder GmbH erbringt für die Stadt die sogenannten Dienstleistungen aus allgemeinem wirtschaftlichen Interesse (Dawi) und zusätzlich die Leistungen von lokaler Bedeutung.

Unter die Dawi-Leistungen fallen Tätigkeiten, denen in der Regel eine wichtige soziale und/oder wirtschaftliche Bedeutung zugrunde liegt und die im Interesse der Allgemeinheit stehen. Sie prägen die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort und sind in vielen Gemeinden auch sehr ähnlich.

Die Leistungen von lokaler Bedeutung sind zusätzlich noch stärker auf die spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Stadt oder Gemeinde, wie zum Beispiel bei uns auf die speziellen Anforderungen als Kurort, zugeschnitten.

Stadt überträgt Aufgaben an Kur und Bäder

Beispiele für Dawi-Leistungen und Leistungen von lokaler Bedeutung sind vielfältig und betreffen meist die öffentliche Infrastruktur. Dazu gehört zum Beispiel der Betrieb von kommunalen Bädern und eben auch der Betrieb kultureller und touristischer Einrichtungen wie Museen, Theater, Thermen oder sonstige relevante Freizeiteinrichtungen in Kurorten. Auch sämtliche Maßnahmen zur Tourismusförderung, wie zum Beispiel Marketingmaßnahmen, Veranstaltungs- und Unterhaltungsprogramme, die Bereitstellung und Pflege von touristischen Rad- und Wanderwegen und Kurparken sowie sonstige touristische Initiativen und Projekte zählen dazu.

Die von der Kur und Bäder GmbH im Auftrag der Stadt zu erbringenden Leistungen sind im Gesellschaftsvertrag definiert und müssen verlässlich, professionell und auch zu bezahlbaren Preisen angeboten werden, auch wenn sie für private Anbieter oft nicht wirtschaftlich rentabel wären. Es herrscht für diese Leistungen sozusagen ein Marktversagen, da die Erbringung für private Betreiber in der Regel nicht lukrativ ist.

Auch im Falle der durch die Kur und Bäder GmbH im Auftrag der Stadt erbrachten Leistungen ist es so, dass die Kostendeckung sowohl über Eintrittspreise und Entgelte als auch über die Ausgleichszahlungen der Stadt geschieht. Würde die KuBä diese Leistungen nicht erbringen, wäre das Defizit trotzdem da, nur würde es dann direkt bei der Stadt liegen und nicht zunächst bei der Tochtergesellschaft.

Da eine GmbH diese Leistungen aber aufgrund der Strukturen oftmals kostengünstiger und durch eine meist höhere Agilität auch effizienter erbringen kann, liegen diese im Verantwortungsbereich der KuBä.

Kosteneinsparung immer wieder Thema

Selbstverständlich befassen wir uns im Rahmen der Bewältigung unseres umfassenden Aufgabengebietes sowohl in der strategischen als auch operativen Betrachtung permanent sehr intensiv damit, an welchen Stellen wir Kosten einsparen und auf der anderen Seite Einnahmen steigern können, das gehört schließlich zu unserem täglichen Geschäft. Hier sind wir auch sehr gut und effizient aufgestellt, was uns auch immer wieder durch unseren Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung bestätigt wird.

Nicht einfach zu entscheiden

Letztendlich ist es aber so, dass diese Entscheidungen nicht einfach zu treffen sind, da hier fast immer rein wirtschaftliche Betrachtungen mit politischen und öffentlichen Interessen kollidieren. So sind zum Beispiel die größten Einsparpotenziale meist mit dem höchsten „öffentlichen Schmerz“ verbunden. Sei es beispielsweise im Bereich Minara, im Bereich der Infrastruktur wie dem Kurpark, generell beim Ortsmarketing oder auch bei beliebten Kultur- und Veranstaltungsangeboten, wie zuletzt der Umstellung der Sommer-Sinnfonie.

Dies ist auch komplett nachvollziehbar und es beweist uns andererseits auch immer wieder, dass wir als Kur und Bäder bei weitem nicht nur attraktive Angebote für unsere Gäste, sondern eben auch in hohem Maße für unsere einheimische Bevölkerung bereithalten.

Es gibt Pläne für Hotelneubauten, die momentan nach außen hin augenscheinlich kaum vorankommen. Der Tourismus in der Stadt ist jedoch auf qualitativ gute Betten angewiesen. Welchen Einfluss kann die Kur und Bäder auf die zeitliche Planung nehmen und diese voranbringen?

Es besteht ein dringender Handlungsbedarf insbesondere bei der Schaffung neuer, qualitativ hochwertiger Hotelbetten. Der Kur und Bäder ist daran gelegen, dass alle Hotelprojekte umgesetzt werden.

Deutlich spürbar ist hier insbesondere der Wegfall des Hotels am Solegarten, welches seit dem Ausbruch des Ukrainekrieges Anfang des Jahres 2022 als Flüchtlingsunterkunft genutzt wurde und daher auch nach der überstandenen Corona-Pandemie bis heute nicht wieder als Hotel an den Markt ging.

Zuwachsrate bei Ferien-Appartements

Die Kategorie der Appartements und Ferienwohnungen liegt hingegen sowohl bei den Gästeankünften als auch den Übernachtungen mit einer zweistelligen Zuwachsrate erneut deutlich im Plus und sogar bereits wieder über dem Vor-Corona-Niveau des Rekordjahres 2019.

Die zuletzt neu entstandenen, qualitativ sehr hochwertigen Ferienwohnungen Invita-Naturchalets und Kapfwald-Appartements im Kernort sowie die „Echt-Zeit“-Ferienwohnungen am Waldcafé im Ortsteil Hochemmingen sind in diesem Zusammenhang als sehr erfreuliche, bereits realisierte Beispiele anzusehen. Auch die im letzten Jahr neu hinzugekommenen Ferienwohnungen Sonnenhof-Appartements auf dem ehemaligen Irma-Areal stellen einen sehr wichtigen Baustein dar, um die örtliche Bettenstruktur nachhaltig qualitativ aufzuwerten. Man sieht also, wenn hochwertige Betten entstehen und diese professionell vermarktet und betrieben werden, dann werden diese auch nachgefragt und gut gebucht.

Hochwertiges Angebot sichern

Wir als Kur und Bäder und auch als Stadt Bad Dürrheim insgesamt sind in diesem Zusammenhang selbstverständlich dazu angehalten, unsere „Hausaufgaben“ in Form der langfristigen Bereitstellung und nachhaltigen Gewährleistung eines attraktiven und qualitativ hochwertigen örtlichen Angebotes zu machen. Dies betrifft unser gesamtes kurörtliches Angebot in Form von Freizeit-, Kultur- und Gesundheitsinfrastruktur.

In erster Linie beinhaltet dies natürlich auch ein klares Bekenntnis zur Investition in die Erhaltung unseres Herzstückes Solemar für die nächsten Jahrzehnte, was ja immer wieder auch durch sämtliche politischen Vertreter bereits deutlich erfolgt ist.

Wenn öffentliche und private Investitionen Hand in Hand gehen, kann eine weiterhin erfolgreiche touristische Entwicklung stattfinden und die hieraus resultierende bedeutende Wertschöpfung innerhalb der Gesamtstadt auch für unsere zukünftigen Generationen gesichert werden. Dies ist unser aller Anspruch.