Marion Isele, die ab 1. Dezember Bürgermeisterin von Zell ist, spricht mit uns über unschöne Umgangsformen und darüber, wie sie das hinter sich lassen will.
Frau Isele, Sie haben ja ausgiebig Wahlkampf betrieben – an welchem Punkt war Ihnen klar, dass es einen Wandel in Zell braucht?
Es waren 14 Wochen intensiver Wahlkampf. Der Wunsch nach Wandel war dabei schon früh spürbar, vor allem in den persönlichen Gesprächen. Oft haben mir die Bürger erzählt, dass sie sich mehr Transparenz, mehr Zuhören und mehr Miteinander wünschen.
Dieses Miteinander ging aber auch im Gemeinderat verloren – oder wie schätzen Sie das ein?
Vor allem der Umgang mit Herrn Palme war absolut unfair – so geht man nicht miteinander um. Klar dürfen die Gemeinderäte kritisch sein, aber das ging teilweise unter die Gürtellinie.
Haben Sie Angst, dass Ihnen das auch blüht?
Angst ist vielleicht das falsche Wort. Ich habe großen Respekt vor der Aufgabe. Bürgermeisterin zu sein bedeutet, viele unterschiedliche Erwartungen und Interessen in Einklang zu bringen. Gerade in einer Zeit, in der die Stimmung in Zell manchmal angespannt ist, ist das meine größte Herausforderung.
Wie wollen Sie diesen Wandel denn konkret gestalten?
Ein klarer Wandel beginnt für mich mit Respekt und offenem Austausch – gerade im Gemeinderat. Wir müssen gemeinsam und überparteilich nach Lösungen suchen, die Zell weiterbringen. Für eine harmonischere Atmosphäre ist es wichtig, auf persönliche Angriffe zu verzichten. Der Gemeinderat ist das wichtigste Gremium einer Stadt. Es gibt hier viele Baustellen und es gilt nun, die Gräben zuzuschütten. Meine Aufgabe ist es, Brücken zu bauen. Ich möchte in der Zusammenarbeit meinen Startschuss im Dezember bei null ansetzen und ganz von vorne beginnen. Dafür reiche ich allen die Hand.
Ein problematisches Terrain also. Warum aber wollten Sie in Zell Bürgermeisterin werden?
Ich habe ein Jahr lang an einem Bürgermeister-Mentoring teilgenommen und da war mir klar, das will ich machen. Dann habe ich mich umgeschaut, welche Stadt zu mir passt. Von der Größe, der Stadt, dem Charakter, vom Gefühl her, habe ich für mich entschieden, dass es für mich in Zell passt.
Und dann kam der Wahlsonntag. War das Ergebnis eine Überraschung?
Mit diesem deutlichen Ergebnis habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Ich habe aber im Wahlkampf schon gespürt: Die Menschen wünschen sich Veränderung – und sie trauten mir zu, diese gemeinsam mit ihnen zu gestalten.
Eher eine negative Überraschung war aber die Wahlbeteiligung.
Ja, es ist schade, dass es heutzutage so viele Leute gibt, denen es egal zu sein scheint, was passiert. Aber ich kann diesen Trend nicht aufhalten. Das war schon sehr enttäuschend, weil die Zeller wirklich eine Wahl hatten.
Mit dem neuen Amt stehen neue Aufgaben an. Sie müssen sich jetzt ganz neu orientieren.
Ich bin nach 30 Jahren Polizeiarbeit 2024 in die Stelle als Leiterin des Bad Säckinger Ordnungsamt gewechselt. Das Wasser, indem ich da geschwommen bin, war kalt. Doch ich habe bewiesen, dass ich solche Herausforderungen meistern kann. Ich bin also auch für die neuen Aufgaben in Zell zuversichtlich.
Wie bereiten Sich sich vor?
Ich bereite mich intensiv auf den Amtsantritt vor – vor allem, indem ich Gespräche mit der Stadtverwaltung, dem Gemeinderat und engagierten Bürgern führe. Mir ist wichtig, ein klares Bild davon zu bekommen, welche Themen aktuell anstehen und wo es neue Impulse braucht. Ich will nicht alles neu erfinden, aber Dinge gemeinsam mit den Menschen weiterentwickeln. Dafür braucht es Wissen, aber vor allem Nähe, Austausch und echtes Interesse. Auch Fortbildungen werde ich besuchen.
Werden Sie auch von Bürgermeister Peter Palme eingearbeitet?
Ich habe Herrn Palme bereits persönlich für ein erstes Gespräch getroffen. Dabei habe ich deutlich gemacht, dass ich mir eine umfassende Einweisung in laufende Themen wünsche. Weitere Treffen sind notwendig, um die Infos auch im Detail zu besprechen. Ich wünsche mir, dass dieser Prozess zügig und konstruktiv voran geht – der Ball liegt jetzt bei ihm.
Eine große Baustelle ist ja auch die finanzielle Lage der Stadt. Wie wollen Sie das in den Griff bekommen?
Wir müssen mit dem Mangelbestand leben und zusammen mit Vereinen und engagierten Bürgern Projekte realisieren. Dafür müssen wir auch den Bürgerverein mit an Bord nehmen. Wir müssen Fördermittel aktiv nutzen – das wurde in der Vergangenheit zu wenig fokussiert. Und wir müssen verantwortungsbewusst mit unseren Ressourcen umgehen.
Und welche Projekte stehen an?
Es geht jetzt erst einmal darum, das Angefangene abzuschließen. Dann steht Zell vor einer ganzen Reihe wichtiger Aufgaben. Ein zentrales Thema ist die Stadtentwicklung, insbesondere die Frage, wie wir die Innenstadt beleben und attraktiver gestalten können. Auch die Ortsteile müssen wir stärker in den Blick nehmen. Ein weiteres großes Feld ist der Klimaschutz und die nachhaltige Mobilität.
Zu guter Letzt: Was wünschen Sie sich für Zell?
Ich wünsche mir, dass wir wieder näher zusammenrücken, als Stadtgemeinschaft. Ich wünsche mir eine Stadt, in der sich die Menschen gesehen und ernst genommen fühlen – unabhängig davon, ob sie schon lange hier leben oder erst vor Kurzem zugezogen sind.
Zur Person
Marion Isele
ist 52 Jahre alt und war bei der Zeller Bürgermeisterwahl die einzige Gegenkandidatin von Amtsinhaber Peter Palme. Von 2019 an war sie Ortsvorsteherin von Muggenbrunn. Sie war nach dem Studium an der Polizeihochschule in verschiedenen Leitungsfunktionen bei der Polizei tätig, zuletzt als Polizeioberkommissarin. Aktuell arbeitet sie als Leiterin des Ordnungsamtes Bad Säckingen. Isele ist Mitglied der CDU, führt den Stadtverband Todtnau und ist Beisitzerin im Vorstand des Kreisverbands Lörrach. Isele ist verheiratet und hat drei Kinder im Alter von 17, 21 und 22 Jahren.