Marco Muchenberger hat seine dritte Amtszeit als Bürgermeister der Gemeinde Inzlingen angetreten. Foto: Tim Nagengast

Marco Muchenberger hat seine dritte Amtszeit als Bürgermeister von Inzlingen angetreten. Im Interview spricht er über Perspektiven, Schwerpunkte und Herausforderungen.

Welche Perspektiven er für die Gemeinde sieht, wo er Schwerpunkte setzen und wie Inzlingen für die anstehenden Herausforderungen gerüstet werden soll, verrät Muchenberger im Interview mit unserer Zeitung.

 

Herr Muchenberger, Sie haben bei Ihren drei Kandidaturen für das Amt des Bürgermeisters noch nie einen Mitbewerber gehabt. Können Sie sich das erklären?

Das ist eine Frage, die ich nicht wirklich beantworten kann. Bei meiner ersten Kandidatur vor 16 Jahren habe ich besonders meinen fachlichen Hintergrund betont und den Willen, hier in meiner Heimatgemeinde die Verantwortung übernehmen zu wollen. Das alles könnte eine Rolle gespielt haben.

Besonders in den zurückliegenden beiden Jahren sind in Inzlingen viele Veränderungen „sichtbar“ geworden. Eine davon ist das Verkehrskonzept mit Tempo 30 auf der gesamten Riehenstraße plus Zebrastreifen. Greifen die Maßnahmen denn?

Beim Verkehrskonzept ging es in erster Linie um Fußgängerüberwege. Das wünschten wir uns ja schon seit Jahrzehnten, aber die Rechtslage gab das bisher leider nicht her. Diese hat sich aber inzwischen geändert. Plötzlich taten sich für uns neue Möglichkeiten auf. Der zweite Teil des mit Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger entstandenen Verkehrskonzepts war ein Fahrradschutzstreifen, ein Parkkonzept und eine Geschwindigkeitsreduzierung für die Riehenstraße.

Ich erinnere mich, dass der Gemeinderat hier lange an „Tempo 40“ dachte.

Stimmt, aber dieser Antrag des Gemeinderats wurde seinerzeit mit Verweis auf die Straßenverkehrsordnung von der Straßenverkehrsbehörde abgelehnt. Dank der Gesetzesänderung wurde dann aber Tempo 30 möglich. Und das haben wir nun.

Gibt es Rückmeldungen aus der Bürgerschaft?

Ja, vor allem, dass es insgesamt ruhiger geworden sei.

Werden die neuen Regelungen überhaupt kontrolliert?

Wir arbeiten diesbezüglich mit der Stadt Lörrach zusammen. Diese kontrolliert den ruhenden Verkehr in Inzlingen im Schnitt zweimal wöchentlich. Und etwa einmal wöchentlich gibt es zudem Geschwindigkeitskontrollen.

Sie sprachen einmal von perspektivischen weiteren Verbesserungen. Welche meinen Sie konkret?

Uns schwebt ein Umbau der Kreuzung Schlossstraße, Riehenstraße vor. Am besten wäre hier ein Kreisverkehr. Die bestehende Unterführung dort ist außerdem nicht barrierefrei. Da es sich um eine Kreisstraße handelt, haben wir entsprechende Anträge beim Landkreis gestellt, aber die Prioritäten sind dort derzeit andere. Die Schlossstraße ist ja ansonsten intakt. Es soll daneben aber geprüft werden, ob Verbesserungen für Fußgänger und Radfahrer möglich sind.

Ein immer wieder diskutiertes Thema ist die Anbindung Inzlingens an den öffentlichen Nahverkehr. Wagen wir einen Blick in die Glaskugel: Werden wir im Jahr 2030 mit der Buslinie 35 der Basler Verkehrsbetriebe vom Wasserschloss bis hinab in die Riehener Habermatten fahren können?

Dieses Projekt scheiterte bisher an der Finanzierung. Aber wir haben ja die Buslinie 3, die Inzlingen mit Lörrach und Riehen verbindet. Hier sind wir im Gespräch mit dem Landkreis und der Stadt Lörrach. Die Buslinie 3 ist ja Teil des kommenden Ausschreibungspakets. In diesem Kontext erhoffen wir uns Verbesserungen. Dazu zählen ein Halbstundentakt während der Hauptverkehrszeiten sowie mehr Verbindungen abends und an den Wochenenden. Auch erhoffen wir uns, dass die Buslinie 7304, die Rheinfelden mit Lörrach verbindet, künftig generell Inzlingen „mitnimmt“ – wenigstens bis zum Wasserschloss. Das wären lediglich zwei Haltestellen mehr für diese Linie.

In den vergangenen zehn Jahren hat es in Inzlingen bei mehreren Starkregenereignissen größere Schäden gegeben. Wie weit sind die begonnenen Schutzmaßnahmen?

Die kritischste Stelle – das ist der Steinengraben am Steinenweg in Kombination mit dem Einlauf am Talweg – haben wir bereits umgesetzt und einen Geröllfang und ein Einlaufbauwerk gebaut.

Vor vier Jahren wurden im Gemeinderat Pläne für einen Hochwasserrückhalteraum mit einem mehrere Meter hohem Damm unterhalb vom Minigolfplatz vorgestellt. Wird dieser noch gebaut?

Die Planungen dafür sind im Gange. Weil wir beim Thema Hochwasserschutz aber mit der Gemeinde Riehen zusammenarbeiten, liegt die Planung momentan federführend in den Händen des Kantons Basel-Stadt.

Und der damals ebenfalls präsentierte Erdwall oberhalb vom Langmatthof?

Der ist ebenfalls ein Teil der Planungen. Ich gehe davon aus, dass entsprechende Ergebnisse der Vorplanung im Laufe des nächsten Jahres im Gemeinderat vorgestellt werden können.

Ein viel diskutiertes Thema ist die Kinderbetreuung. Wird diese auch auf die Ferienzeiten ausgeweitet?

Wir haben seit über einem Jahrzehnt eine Ganztagesbetreuung für Kinder von eins bis zehn Jahren. Der Gesetzgeber fordert eine Begrenzung der Schließzeiten auf vier Wochen pro Jahr. Bezüglich der Ferien kooperieren wir bisher sehr gut mit der Kaltenbach-Stiftung. Auch die Kolpingfamilie stellt bekanntlich stets ein tolles Angebot auf die Beine. Aber wir müssen dieses Thema dennoch angehen und dafür die räumlichen Voraussetzungen schaffen. Dies soll im Zuge des zweiten Bauabschnitts der Sanierung der Buttenbergschule geschehen, also im unteren Gebäudetrakt und dem Außengelände.

Inzlingens räumliche Entwicklung ist durch die Topographie sehr beschränkt. Wo sehen Sie noch Entwicklungsmöglichkeiten – zum Beispiel für Gewerbe? Gerade das „Horland“ rückt ja alle paar Jahre mal in den Fokus der Debatte.

Für das „Horland“ gibt es einen rund vier Jahrzehnte alten Bebauungsplan, der dort Wohnen und Gewerbe vorsieht. Dies wird mittelfristig ein Thema. Aber zunächst gilt es, ein Gemeindeentwicklungskonzept zu erstellen. Wo wollen wir hin? Wie soll Inzlingen sich entwickeln? All dies soll in das Konzept einfließen. In diesem Kontext wird es auch um die räumlichen Fragen von Bauhof und Feuerwehr gehen. Den Prozess hin zu einem Gemeindeentwicklungskonzept stoßen wir jetzt an. Dafür werden wir entsprechende Beträge in den kommenden Haushalt einstellen.

Mit der Neumatt hat Inzlingen zuletzt ein kleines Neubaugebiet bekommen. Wo sehen Sie Potenzial für weiteren Wohnungsbau?

Neben dem „Horland“ bestehen hie und da noch Abrundungsmöglichkeiten. Neben dem „Horland“ ein neues reines Wohnbaugebiet auszuweisen, ist derzeit aber nicht geplant.

Um die Gemeindefinanzen steht es auch in Inzlingen nicht gerade gut. Wie wollen Sie gegensteuern?

Inzwischen haben Bund und Land die Problematik erkannt, dass die Kommunen nicht auskömmlich finanziert sind und hier eine Schieflage besteht. Dies ist ein Fortschritt, befreit uns aber nicht von der Pflicht, auch als Gemeinde selbst effizienter zu werden und weiterhin eine Verbesserung der Gemeindefinanzen anzustreben. In diesem Zusammenhang führen wir auch Gespräche mit der Stadt Lörrach im Rahmen unserer Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft, zum Beispiel zum Thema Digitalisierung.

Zu guter Letzt: Bleibt es bei Ihrem Entschluss, in acht Jahren nicht noch einmal zur Bürgermeisterwahl anzutreten?

Dann bin ich 66 Jahre alt und habe 24 Jahre als Bürgermeister hinter mir. Deshalb gehe ich davon aus, dass es dann an der Zeit wäre, jemand Jüngerem die Verantwortung zu übergeben.

Zur Person

Marco Muchenberger
ist 58 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Seit seiner Geburt lebt Muchenberger in Inzlingen. Vor seiner Wahl zum Bürgermeister war der Diplom-Verwaltungswirt (FH) in verschiedenen Stabsstellen und als Fachbereichsleiter bei der Stadt Lörrach tätig. Muchenberger engagiert sich seit 2016 im Vorstand des Kreisverbands der Freien Wähler. Dem Lörracher Kreistag gehört er seit 2019 an.