"Auch in den Kabinen hat sich viel getan", öffnet Marcel Yahyaijan sichtlich stolz die Tür zu seinem neuen "Büro" in den Katakomben der MS Technologie-Arena. Taktiktafel, Laptop, Fernseher – hier bereitet sich der 08-Coach auch auf die Aufgabe am Mittwoch (19 Uhr) beim FSV Bietigheim-Bissingen vor.
Zunächst einmal drückt der Villinger Coach aber den oberen Knopf des im Flur stehenden Kaffeevollautomaten. Das Interview zum Oberliga-Saisonstart kann beginnen.
Herr Yahyaijan, drei Tage nach dem DFB-Pokal-Hit gegen den FC Schalke 04 beginnt für Ihr Team die Runde in Bissingen. Hätten Sie sich eine längere Pause gewünscht?
Auf jeden Fall. Es hat mich schon gestört, dass das Schalke-Spiel auf Sonntag terminiert worden ist, Samstag wäre für uns besser gewesen. Wir haben deshalb auch in Bissingen angefragt, ob sie das Spiel um eine Woche verlegen können. Verständlicherweise haben sie diesen Vorschlag aber nicht angenommen. Aus ihrer Sicht macht dies ja keinen Sinn. Wir nehmen es nun wie es ist. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir aufgrund der Belastung auf der einen oder anderen Position rotieren.
Bissingen zählt für viele Experten zum erweiterten Favoritenkreis. Für Sie auch?
Für mich sind schon Freiberg und die Stuttgarter Kickers ganz klar die Topfavoriten auf den Titel. Aber Bissingen gehört zu den Mannschaften, die im oberen Tabellendrittel dabei sein sollten – genauso wie Göppingen und Nöttingen. Gerade im Offensivbereich sind die Bissinger sehr stark aufgestellt. Sie haben nun einen neuen Trainer (Markus Lang, Anm. d. Red.). Deshalb werden sich einige Dinge wohl ändern. Unser Ziel wird es auf jeden Fall sein, dass wir am Mittwochabend nicht mit leeren Händen aus Bissingen nach Villingen zurückfahren.
Bissingen sehen Sie also am Ende der Runde im oberen Tabellendrittel. Und wo sollte Ihr Team dann gelandet sein?
Es war für uns schon vor der vergangenen Saison klar, dass diese schwer wird. Mit unserem Mittelfeldplatz konnten wir durchaus zufrieden sein, das war in Ordnung. Für mich war aber auch schon damals ebenfalls klar, dass es im zweiten Jahr nach oben gehen muss. Ich denke, dass wir mit den Verstärkungen, die wir geholt haben, und mit der Art und Weise, wie wir in den Testspielen und im Pokal agiert haben, mit Teams wie eben Bissingen, Göppingen oder auch Nöttingen mithalten können. Wir wollen uns also auch im oberen Tabellendrittel festsetzen. Das ist unser Ziel. Es wäre aber vermessen zu sagen, dass wir mit den Stuttgarter Kickers und Freiberg auf einer Augenhöhe sind. Das wäre utopisch. Diese Teams spielen schon finanziell in einer ganz anderen Liga, trainieren unter Profibedingungen.
Sie haben die Veränderungen im Kader angesprochen. Mit dem Spanier Pablo Aguilera schien auch der lang gesuchte Mittelstürmer gefunden. Nun hat sich der Angreifer aber schon wieder in Richtung Heimat verabschiedet.
Ja – leider. Es hat bei ihm aus familiären Gründen einfach nicht gepasst, es kommt eben auf das Gesamtpaket an. Das muss man einfach akzeptieren. Ich hätte ihm mittelfristig zugetraut, dass er seine angedachte Rolle bei uns erfüllen kann. Wir halten nun weiter die Augen nach so einem Spielertyp offen.
Herr Yahyaijan, Sie haben drei Wünsche für die neue Oberliga-Saison frei.
Zwei fallen mir sehr schnell ein. Mein erster Wunsch ist es natürlich, dass wir verletzungsfrei durch die Saison kommen. Dann hoffe ich sehr, dass uns Corona nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht, wir die Runde also regulär beenden können. Und schließlich wünsche ich mir, dass wir unsere sportlichen Ziele erreichen. Und dies nicht nur in der Liga, sondern auch im SBFV-Pokal. Es ist unser Traum, dass wir den Cup verteidigen. Dies ist seit 30 Jahren ja keinem Verein gelungen (Anm. d. Red.: 1992 schaffte dies zuletzt der Freiburger FC), was zeigt, dass dies nicht einfach wird.