Friedrich Haug daheim vor seinen Jagdtrophäen. Er spricht sich, zum Schutz des Waldes, für "strammes Jagen" aus. Foto: Stadler

Als einer von 17 Bürgern in Baden-Württemberg ist Friedrich Haug aus Pfalzgrafenweiler vor Kurzem in Stuttgart mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden.

Pfalzgrafenweiler - "Bundesweit beispielhaft" habe Haug im Forstrevier Pfalzgrafenweiler die Folgen der Stürme Wiebke und Lothar gemanagt, hieß es unter anderem in der Laudatio von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Wir sprachen mit ihm über vergangene Stürme und den Wald der Zukunft.

Herr Haug, wie war dieser Tag in der Landeshauptstadt für Sie?

Vier Wochen vor dem Termin erhielt ich zu meiner großen Überraschung die Einladung zum Empfang im Neuen Schloss durch die Staatskanzlei. Ich durfte mich und weitere vier Gäste für diesen Termin anmelden. Begleitet wurde ich von meinen beiden Brüdern und meinen beiden Söhnen. Einer von ihnen, er lebt in Neuseeland, konnte einen Ärztekongress in Belgien und ein paar Urlaubstage dazu nutzen, das Ereignis mit mir gemeinsam zu erleben. Gemeinsam mit insgesamt 17 zu Ehrenden aus den vergangenen zwei Jahren fand die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande im großen Saal des Neuen Schlosses statt. Die Veranstaltung war perfekt organisiert und ich erlebte sie sehr feierlich. Ministerpräsident Kretschmann hat mir nach dem Verlesen der Laudatio die mit der Auszeichnung verbundene Nadel persönlich angesteckt. Preisträger von "Jugend musiziert" umrahmten die schöne und würdige Feier musikalisch.

Wie haben Sie den Ministerpräsidenten bei der Ehrungsfeier erlebt?

Winfried Kretschmann hatte seine lustige Ehefrau Gerlinde an seiner Seite. Der Ministerpräsident war sehr nett und präsentierte adäquat bei allen 17 zu Ehrenden deren Kurzbiografie – auch meine, die bereits im Schwarzwälder Boten abgedruckt war. An den Einzel-Fototermin mit dem Staatsfotografen zwischen den Flaggen von Baden-Württemberg, Deutschland und Europa sowie dem Gruppenfoto auf der Treppe des Eingangsbereichs schloss sich ein Stehempfang mit köstlichen Genüssen an. Kretschmann besuchte während dieser Zeit nacheinander jeden Tisch, wo jeweils sechs bis sieben zu Ehrende Platz gefunden hatten. Er nahm sich Zeit, um mit allen, auch mit mir, ein paar persönliche Worte zu wechseln. Ich fand unseren Ministerpräsidenten sehr offen und zugänglich. Er nahm sich für alle Zeit und würdigte den Anlass entsprechend. Kretschmann ist mir "auf Augenhöhe" begegnet.

Was ist Ihre Meinung als »altgedienter Forstmann« zur Politik der Landesregierung im Forstbereich?

Ich bin vor neun Jahren, also im Jahr 2013, aus dem aktiven Dienst beim Kreisforstamt ausgeschieden. Seit 1998 wurde der Forstbereich einer Neuorganisation unterzogen. Das ging alles sehr schnell und war aus meiner Sicht auch zu viel. Ständig neue Reviere, in die sich die Forstrevierleiter in umfangreicher Arbeit über lange Zeit einarbeiten müssen, beeinträchtigen seitdem die Motivation der Beschäftigten im Forst. Diese Neu- und Umorganisationen sind auch für den Wald nicht förderlich. Der Forst braucht Beständigkeit, keine Zersplitterung, um den Wald als Naturkomplex in eine gute Zukunft zu führen. Die Voraussetzungen dafür wurden politisch eingeschränkt. Über lange Zeit, gewachsen über Jahrhunderte, funktionierte der Forst gut, und alles ging Hand in Hand, bis es politisch beschnitten und korrigiert wurde.

Wie stellen Sie sich den Wald der Zukunft vor?

Vieles ist unbekannt und lässt sich, nicht zuletzt durch den Klimawandel, nicht vorhersagen, insbesondere im Hinblick auf Stürme, Starkregenereignisse oder Dürre. Im Schwarzwald sieht es, verglichen mit anderen Regionen in Deutschland oder Europa, noch überdurchschnittlich gut aus, vor allem was den Niederschlag betrifft. Zudem besteht diese Region nicht aus Monokulturen, sondern überwiegend aus Mischwald, also Fichte, Tanne und Buche. Bekannt ist, dass die forstwirtschaftliche Versuchsanstalt in Freiburg verschiedene Szenarien durchspielt, wie es mit dem Wald weitergehen soll. Ich persönlich bin der Auffassung, dass man mit den vorhandenen Baumarten umgehen sollte und vor allem die flachwurzelnde Fichte reduzieren sollte. Oft ist genau diese Baumart geschädigt und wird vom Borkenkäfer befallen. Beim Weiterarbeiten mit den vorhandenen Baumarten sollte die sogenannte Naturverjüngung vordergründig sein, also die Auflichtung der Kronen, damit junge, lichtbedürftige Bäume gut nachwachsen können. Zudem setze ich auf strammes Jagen, insbesondere von Rehen und Hirschen, zur Verhinderung von Wildverbiss. Der Wald der Zukunft ist ein gut gemischter Wald mit einem durchdachten Mischungsverhältnis, in dem sich auch fremde Baumarten, wie beispielsweise die Baumhasel, ansiedeln können. Dies geschieht aktuell schon in kleinerem Stil auf sogenannten Versuchsflächen.

Was genau war bei der Sturmbewältigung von Wiebke 1990 und Lothar 1999 beispielhaft für das ganze Land?

Pfalzgrafenweiler war bei Orkan Lothar am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 ein stark betroffener Bereich in Baden-Württemberg. Innerhalb von 90 Minuten fielen Bäume, die sonst in 14 Jahren geschlagen werden. Flachgelegte, gerissene und gesplitterte Bäume, es war eine Katastrophe. Vieles musste organisatorisch aufgebaut werden. Insbesondere, da das Sturmholz unter Spannung stand und falsches Agieren lebensgefährlich war. Viele Fremdarbeiter aus den benachbarten Bundesländern, aber auch aus Österreich, Belgien, Schweden und Finnland waren monatelang mit den Aufräumarbeiten beschäftigt und hatten in Pfalzgrafenweiler Quartiere bezogen, um die ich mich bemüht hatte. Alle 14 Tage veranstalteten wir einen Sturmholz-Stammtisch. So entwickelte sich ein großes, gut funktionierendes Team. Der Holzmarkt wurde binnen Kürze geschlossen, die Preise für Holz sackten in den Keller. Also legten wir im Nagoldtal sechs Nasslager an. Hierdurch konnte das Holz vier bis fünf Jahre konserviert und gegen Pilze und Insekten geschützt werden. Die tägliche Holzabfuhr bedeutete einen riesigen Aufwand, und davor stand die holzschonende Ernte. Allein im Staatswald Pfalzgrafenweiler waren 1200 Hektar Fläche betroffen. Dabei musste die dortige Naturverjüngung geschützt werden. Dies ist gelungen, während in anderen Regionen hierbei massive Schäden entstanden sind.

Durch Ihr Engagement entstanden enge Kontakte zur Universität Lemberg. Forststudierende können dadurch seit rund 15 Jahren eine zweiwöchige Studienreise hier verbringen. Wie sehen Ihre aktuellen Verbindungen zur Ukraine aus?

Erstmals 2007 waren 16 Studierende aus dem Forstbereich der Ukraine im Rahmen dieses Projekts, das ich 2003 angekurbelt hatte, nach Deutschland gekommen. Hier in der Umgebung erhielten sie Einblicke in Sägewerke, in den Kommunalwald und die kommunale Forstarbeit und erlebten dabei auch ein kulturelles und gesellschaftliches Programm. Bis 2019 fanden diese Studienreisen, unterstützt durch Spenden der Robert-Bosch-Stiftung, der Stihl-Stiftung, der Stadt Freudenstadt und weiteren jährlich statt. Durch den Angriffskrieg auf die Ukraine wurde das Projekt jedoch unterbrochen, Restgelder sind vorhanden und weitere Spender in petto. Sobald eine Ausreise, vor allem junger Männer, die das Forststudium absolvieren, wieder möglich ist, wird die Fortsetzung geplant. Mein großer Wunsch ist es, dass dieses wichtige Projekt weitergehen kann. Ich selber war etwa zwölf Mal vor Ort in der Ukraine mit Forstgruppen aus der Schweiz und aus Frankreich. Dort finden sich teilweise sogenannte Urwälder, und es braucht Lösungen für deren Probleme, vor allem auch im Hinblick auf den Klimawandel.

In den 1990er-Jahren organisierten Sie Hilfstransporte ins kriegsbetroffene Sarajewo, seit dem Zerfall Jugoslawiens Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina. Wie war das für Sie?

Ich war vorher schon zu Waldexkursionen in Sarajewo. Über die Spendenaktion "Forstleute helfen Forstleuten" haben wir in den Jahren 1993 bis 1995 mehr als eine halbe Million Mark aufgebracht. Wir belieferten 700 Familien aus der Forstbranche bei unseren Transporten mit genau so vielen Paketen mit zahlreichen lebenswichtigen Produkten. Die Hilfstransporte wurden in Verbindung mit dem DRK, der Bundeswehr und Zivilisten durchgeführt. Zentral organisiert wurde das in Pfalzgrafenweiler, mit Stützpunkt in Herzogsweiler. Nach dem Waffenstillstand bin ich dann selber hingefahren.

Herr Haug, zum Abschluss bitte noch ein paar Worte zu Ihrer Person.

Ich bin 73 Jahre und lebe seit dem Tod meiner Frau alleine, koche selber – vor allem gerne Reh. Ich bin viel auf Reisen mit dem Schwarzwaldverein, Wanderreisen, wie dieses Jahr nach Irland. Ich habe seit 41 Jahren das Amt als Vorsitzender inne. Zwei Wahlperioden, von 1985 bis 1995, hatte ich einen Sitz im Gemeinderat Pfalzgrafenweiler inne. Forst und Schwarzwaldverein arbeiten eng zusammen, das wirkt sich gut auf die Organisation von Ausflügen und Reisen aus. Zudem gehe ich immer noch gerne auf die Jagd und engagiere mich weiterhin ehrenamtlich.