Torwart Felix Dornebusch war der stabilste Spieler bei den Stuttgarter Kickers im bisherigen Saisonverlauf. Im Interview spricht er über den Sportdirektoren-Wechsel, die Aufstiegschancen und eine mögliche vorzeitige Vertragsverlängerung.
Er war mit der beste Transfer der Stuttgarter Kickers in der jüngeren Vergangenheit. Felix Dornebusch strahlt im Tor des Fußball-Regionalligisten viel Ruhe und Sicherheit aus. Wie schätzt der 30-Jährige die aktuelle Lage ein?
Herr Dornebusch, wie sehr hat Sie der Wechsel auf der Position des Sportdirektors überrascht?
Das kam für mich sehr überraschend. Ich wusste von nichts, anderen Spielern ging es ähnlich.
Welche Gründe vermuten Sie?
Dazu kann ich nichts sagen. Im Endeffekt ist das die Entscheidung des Vereins. Damit arrangieren wir Spieler uns zu 100 Prozent. Marc Stein hat mich zu den Kickers geholt, ich kann kein schlechtes Wort über ihn sagen. Ich finde, wir sind seit dieser Saison, in Kombination mit dem Trainerteam, deutlich professioneller aufgestellt.
Glauben Sie, dass sich unter Lutz Siebrecht etwas Grundlegendes ändern wird?
Das werden wir sehen, ich kenne ihn nicht persönlich. Unsere tägliche Arbeit findet mit dem Trainerteam statt. Der Geschäftsführer Sport ist weiter weg. Aber vielleicht gibt es andere Vorgaben, eine andere Ansprache. Wie groß der Einfluss sein wird, kann ich nicht einschätzen, das ist rein spekulativ. Der Verein wird sich schon etwas dabei gedacht haben und keine Entscheidung ins Blaue hinein getroffen haben. Im Endeffekt ändert sich aber für uns als Mannschaft nichts: Wir wollen jedes Spiel gewinnen.
Dann würde es sehr wahrscheinlich noch zum Aufstieg in die dritte Liga reichen. Was ist bei acht Punkten Rückstand auf Spitzenreiter TSG 1899 Hoffenheim II noch drin?
Alles. Das hat man ja vergangenes Jahr gesehen, als der VfB Stuttgart II Anfang März zehn Punkte hinter uns lag und am Ende zwei Zähler vor uns. Hoffe zwei ist zwar extrem stark, aber wenn wir die nötige Konstanz reinbringen, dann glaube ich dran, dass wir es noch ziehen können. Wir werden jedenfalls alles geben, um in dieser Saison noch das Bestmögliche zu erreichen.
Sie selbst waren der stabilste Kickers-Spieler im bisherigen Saisonverlauf. Wie haben Sie es selbst empfunden?
Ich habe sicher meinen Teil dazu beigetragen, aber letztendlich ist alles eine Mannschaftssache, meine Vorderleute haben einen guten Job gemacht.
„Das ist kein Riesenunterschied“
Wie fällt insgesamt Ihr Zwischenfazit aus?
Wir haben fünf Gegentore mehr kassiert und vier Punkte weniger geholt als zum vergleichbaren Zeitpunkt des Vorjahres. Das ist kein Riesenunterschied, vor allem, wenn man die verschiedenen Ausgangspositionen sieht: In die vergangene Saison sind wir mit einer riesigen Aufstiegs-Euphorie gestartet, haben mit viel Wucht und Energie gespielt, aber nach dem Ausfall von Niklas Kolbe hatten wir keinen Plan mehr im Aufbauspiel. Dieses Mal starteten wir mit dem Trauma des verpassten Aufstiegs im letzten Saisonspiel. Die erste Halbzeit am zweiten Spieltag in Homburg war dann aber dennoch gleich das Beste, was ich je von einer Kickers-Mannschaft gesehen haben.
Danach?
Präsentierten wir uns insgesamt nicht konstant genug. Wir sind viel zu fahrlässig mit unseren Chancen umgegangen. Hinten wurden uns zwei, drei unkonzentrierte Minuten zum Verhängnis. Das alles hat uns unnötigerweise Punkte gekostet. Gegen Ende war eine deutliche Weiterentwicklung festzustellen. Das macht Mut.
Wie hatten Sie die Umstellung des Spielsystems wahrgenommen?
Das war schon ein großer Unterschied, fast schon revolutionär. Wir sind von einem Extrem ins Andere gekommen. Wir hatten in der vergangenen Saison viel auf lange Bälle, zweite Bälle gesetzt. Für mich fühlt es sich aber besser an, wenn wir mehr Spielanteile, mehr Spielkontrolle haben. Letztendlich gibt es das perfekte Spielsystem nicht. Es geht in der Regionalliga vielmehr darum, die richtige Mischung zu finden. Man braucht die Balance, das Gespür für die Situation. Und da sind wir auf einem sehr guten Weg, dies auch hinzubekommen. Zumal der Trainer durchaus auch flexibel ist, mit sich reden lässt und ganz bewusst auch den Austausch mit uns Spielern sucht.
„Ich habe hier so viel Spaß“
Ihr Vertrag läuft noch bis 2026. Könnten Sie sich vorstellen, vorzeitig zu verlängern?
Ich fühle mich einfach sauwohl. Der Verein und seine super Fans sind mir ans Herz gewachsen. Ich habe hier so viel Spaß am Fußballspielen wie selten in meiner Karriere.
Was wünschen Sie sich für 2025?
Dass alle gesund bleiben und dass wir punkten, punkten, punkten. . .