Die Schmieheimer Autorin Gudrun Schmauks hat einen neuen neuen Kriminalroman herausgebracht – doch es ist einiges anders als zuvor. „Breisgauer Finsternis“ ist nicht nur in einem anderen Verlag erschienen, es gibt auch neue Ermittler.
Neuer Verlag, neues Buch, neues Ermittlerteam: Nachdem Gudrun Schmauks bereits mit den Krimis um den Halbitaliener Renato Rupp und den Adeligen Felix von Rabenstein in der Region Bekanntheit erlangt hat, stellt sie ihren Lesern nun in „Breisgauer Finsternis“ neue Protagonisten vor. Jetzt ermitteln die Kommissarin Henryke „Henry“ aus Bremen und ihr Partner Oskar Wolf, genannt „Wolf“, in einem Mordfall, der vor zwei Jahrzehnten zwischen Herbolzheim und Kenzingen geschehen ist, aber bei seinem Bekanntwerden nun neue Opfer fordert. Unsere Redaktion hat die Schmieheimer Autorin zum Autoren- und Ermittlerwechsel befragt und auch darüber gesprochen, warum sie sich von ihrem früheren Pseudonym G. F. Goldenfels verabschiedet hat.
Frau Schmauks, wie kam es zum Ermittler- und Verlagswechsel?
Bei meinem dritten Krimi habe ich gemerkt, dass ich in einem Jahr mehr schreibe, als mein alter Verlag drucken kann. So kam die Idee, parallel eine Serie zu schreiben, die ich einem anderen Verlag anbieten kann. Das hat dazu geführt, dass ich ein neues Ermittlerteam brauchte.
Könnten Sie uns die beiden einmal vorstellen?
Ich wollte ein Team, das sich von meinem vorherigen unterscheidet – zumal sie im selben Polizeipräsidium, in Freiburg, ermitteln. Deshalb wollte ich dieses Mal eine Frau als Chefin. Henry zieht von Norddeutschland, genauer gesagt aus Bremen, nach Kenzingen. Zu Beginn der Handlung von „Breisgauer Finsternis“ hat sie einen Betrug erleben müssen und sich auch deshalb nach Freiburg versetzen lassen. Sie ist von der Art her spröde, aber gleichzeitig auch sehr witzig und sehr direkt – besonderes Letzteres ist eine Eigenschaft, die ich auch persönlich sehr schätze. Wolf zeichnet seine Treue aus und sein Beschützerinstinkt, den er auch gegenüber seinem Lebenspartner zeigt. Er ist zuverlässig, intelligent, charmant – und nicht neidisch. Denn er hatte sich auf Henrys Stelle beworben, aber es war für ihn in Ordnung, dass er sie nicht bekommen hat.
Die beiden sind aber nicht die einzigen Charaktere, auf die sich die Leser freuen dürfen?
Es gibt da noch Charly, eine pensionierte Kunstlehrerin und erfolgreiche Künstlerin, die ebenfalls ermittelt. Ein sehr quirliger, lebhafter Charakter, der erst Stück für Stück beim Schreiben entstanden ist. Und dann ist da noch Olaf, Wolfs Lebenspartner. Während Wolf in Sachen Gefühle eher verschlossen ist, trägt Olaf diese wesentlich offener mit sich herum und geht stark auf die Menschen zu.
Eine spannende Kombination...
Ja. In diesem Kriminalroman stehen Beziehungen überhaupt im Vordergrund: verworrene, gescheiterte, beendete, verletzende. Es gibt Freundschaften, die gestört werden, weil sich einer als Anführer fühlt und glaubt, er kann sich alles erlauben. Andere hingegen fühlen sich zurückgesetzt. Diese unterschiedlichen Beziehungen sind auch der Grund, aus denen die Morde geschehen. Auch Charly bekommt im Hinblick auf eine alte Beziehung ihre Gefühle nicht im Einklang, mit dem, was sie vor Jahren zu sehen geglaubt hat.
Diese Beziehungsgeflechte sind auch etwas, was ihre Kriminalromane generell auszeichnet...
Ja, ich lege Wert darauf, dass das Romanhafte bei mir ziemlich im Vordergrund steht. Eine Freundin hat zu mir einmal gesagt: „Deine Bücher sind eine schöne Beschreibung der Landschaft mit einer kriminalen Handlung“. Das zeichnet alle sogenannten Regionalkrimis aus. Das Ausbreiten der Beziehungen meiner Figuren, das mache ich aber anders, stärker, als andere Autoren. Ein Leser hat einmal zu mir gesagt: Man erlebt die Leute, als ob es sie wirklich gibt. Das liegt daran, dass ich meine Figuren bewusst sehr stark zeichne und den Leser ihre Gefühle unmittelbar miterleben lassen – dadurch lernt er sie besser kennen.
Apropos Hauptfiguren: Werden wir Renato Rupp und Felix von Rabenstein wiedersehen?
Bei meinem alten Verlag liegt noch das Manuskript für Band fünf. Aber auch so müssen die Leser nicht auf sie verzichten. Es wird sicherlich den ein oder anderen Fall geben, bei dem die Ermittlerteams zusammenarbeiten werden.
Ihre vorherigen Bücher hatten Sie unter dem Synonym G.F.Goldenfels geschrieben. Ihre neuen Bücher schreiben Sie unter Ihrem echten Namen. War das eine große Umstellung?
Nein. Inzwischen wissen ohnehin alle, wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt. Von daher kam es mir ganz selbstverständlich vor, jetzt meinen echten Namen zu benutzen. Zudem habe ich festgestellt: Das Interesse an einem Buch ist größer, wenn die Leser den Autor kennen.
Wie lief die Zusammenarbeit mit Ihrem neuen Verlag Emons?
Sehr gut. Es war sehr spannend. Man wird richtig demütig, wenn man sieht, wie viele Mitarbeiter in so vielen Bereichen sich darum kümmern, dass der eigene Roman ein Erfolg wird. Vom Moment der Vertragsunterzeichnung bis zum Erscheinen des Buchs sind neun Monate vergangen. Das klingt lange, doch es ist gar nicht so lang, weil es immer wieder so viel zu tun gibt – und es wird dabei immer auch an den Leser gedacht. Man hat den Eindruck, dass der Verlag nicht locker lässt, bis wirklich ein gutes Buch entsteht – bis zum Schluss und ins letzte Detail.
Können Sie ein Beispiel nennen?
Da mein Buch im Frühjahr erscheint, wurde ich gebeten, die Handlung meines Romans von den Herbst in den Frühling zu legen – habe ich natürlich gemacht. Auch für Titel und Cover wurden verschiedene Abteilungen befragt und Meinungen eingeholt.
Ihre Premierenlesung am 6. März steht unmittelbar bevor, sind Sie aufgeregt?
Nein, ich freue mich richtig – zumal auch die vorherige Lesung in Kippenheim sehr angenehm war. Ich genieße es bei den Lesungen immer sehr, wenn ich beim Publikum die Stimmung spüre, die ich mir beim Schreiben vorgestellt habe.
Premierenlesung
Wer Gudrun Schmauks einmal bei einer Lesung erleben will, hat am Mittwoch, 6. März, die Gelegenheit dazu. Ab 19 Uhr wird in Kooperation mit der VHS im Bürgerhaus Kippenheim die Premierenlesung zu „Breisgauer Finsternis“ veranstaltet.