Nirgendwo traf der Südweststaat auf so viel Skepsis wie im badischen Bühl. Das ist vorbei, sagt OB Hubert Schnurr.
Ein Schwabe als Oberbürgermeister von Bühl? Unvorstellbar? Der amtierende Oberbürgermeister von Bühl, Hubert Schnurr, schildert die Stimmung in Baden.
Herr Schnurr, welches ist das schönste Land in Deutschlands Gauen?
Das ist das badische Land, ganz klar.
Das Badnerlied muss man als Oberbürgermeister von Bühl kennen.
Man muss es kennen und singen können. Bei offiziellen Anlässen wie etwa dem Neujahrsempfang oder unserem Zwetschgenfest wird das schon verlangt.
Einer Ihrer Amtsvorgänger Alfons Kist hat gesagt: „Unsere innigste Sehnsucht gilt dem wiedervereinigten Musterland Baden und seiner geliebten Residenz Karlsruhe.“ Das ist dick aufgetragen.
Alfons Kist war Bürgermeister von 1948 bis 1957. Heute ist das nicht mehr so. Nach Karlsruhe haben wir natürlich schon einen Bezug, auch weil das der Sitz unseres Regierungspräsidiums ist. Ich habe auch berufsmäßig einige Jahre dort verbracht. Aber Stuttgart liegt uns mittlerweile genauso nah.
1951 war die Stimmung eine andere. Da haben 90 Prozent der Bühler gegen den Südweststaat gestimmt. Warum?
Das lag in der damaligen Zeit begründet, als man nach dem Krieg eine eigene Identität gesucht hat. Da war Baden einfach naheliegend. Wir sind hier in Mittelbaden, also im Herzen von Baden, vor allem wenn man die Nord-Süd-Richtung betrachtet. Wir fühlen uns hier natürlich schon als Badener.
Was haben die Bühler denn gegen die Schwaben?
Mittlerweile nichts mehr, außer dass man sich frotzelt. Über Baden lacht die Sonne, über Schwaben die ganze Welt und so etwas.
Sie haben aber noch heute eines der größten Großherzog-Friedrich-Denkmäler im Land. Hat die Liebe zu Baden auch monarchistische Hintergründe?
Nein, überhaupt nicht. Die Menschen lieben den Stadtgarten mit dem Denkmal. Allerdings ist es in einem schlechten Zustand. Das gehört dringend saniert, aber nicht weil es der Großherzog ist, sondern weil das Denkmal einfach zum Stadtgarten dazugehört.
Hat Bühl denn seinen Frieden mit Baden-Württemberg gemacht?
Wir sind eine weltoffene Stadt, wir haben mehrere Partnerschaften in Europa. Die Vorbehalte gegen Württemberg sind in den 1960er Jahren begraben worden.
Könnte ein Schwabe denn inzwischen sogar OB in Bühl werden?
Das könnte sein. Wir hatten sogar schon schwäbische Kandidaten für den OB-Posten.
Und?
Geschafft haben sie es nicht. Aber das liegt schon 20 Jahre zurück. Seither hat es keiner mehr probiert.
Zwetschgen und Musik
Rathauschef
Hubert Schnurr ist seit 2012 Oberbürgermeister von Bühl. 2019 wurde er mit 92,3 Prozent wiedergewählt. Zuvor war der parteilose Architekt Bauamtsleiter und Erster Beigeordneter der Stadt. Der 66-Jährige ist verheiratet und hat zwei Töchter.
Stadt
Bühl hat knapp 30 000 Einwohner und liegt im Kreis Rastatt. Bis 1973 war es selbst Kreissitz. Bekannt ist die Stadt für ihre Zwetschgen und ihre Stadtkapelle. 1758 gegründet gilt sie als eine der ältesten in Deutschland.