In der Gemeinde Gechingen ist im vergangenen Jahr einiges auf den Weg gebracht worden, freut sich Bürgermeister Jens Häußler. Sorgen bereitet ihm die Finanzlage der Kommune.
Gleich mehrere Meilensteine wurden im vergangenen Jahr in Gechingen auf den Weg gebracht. Als Beispiel nennt Bürgermeister Jens Häußler die Planungen für den Hochwasserschutz. Hinsichtlich der Finanzen hat er den Eindruck, dass Teilen der Bevölkerung der Ernst der Lage nicht bewusst ist.
Ganz allgemein gefragt: War 2025 ein gutes Jahr für Ihre Gemeinde? Und warum oder warum nicht?
Unter dem Strich war 2025 ein gutes Jahr. Wir dürfen dabei nicht nur an herausragende Projekte denken, sondern auch an den laufenden Betrieb und viele kleinere und mittelgroße Themen, die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeinde im Laufe eines Jahres erledigt werden.
Was war 2025 der wichtigste Meilenstein für Ihre Gemeinde?
Es gab mehrere wichtige Meilensteine wie zum Beispiel der Beschluss des Gemeinderats vom 29. April 2025 bezüglich der Billigung der Entwurfs- und Genehmigungsplanung der lokalen Hochwasserschutzmaßnahmen, die Planung und Ausführungsvorbereitung der Brandschutzmaßnahmen in unserer Schule, der Abschluss der umfangreichen Maßnahmen in den Regenüberlaufbecken, Beschlüsse des Gemeinderats bezüglich Windenergieanlagen und die Auslieferung des Gerätewagens Logistik GW L 2 mit Ausrüstungssatz Wasserversorgung an unsere Feuerwehr.
Welches Projekt wird für Ihre Gemeinde 2026 das wichtigste sein?
Bauliche Fertigstellung Kita Wiesennest und Wiedereinzug, bauliche Umsetzung der geplanten Brandschutzmaßnahmen in der Schule, Kindergartenbedarfsplanung und Weiterbewegung der Planung für den Kindergarten Weingarten (Sanierung und Anbau oder Abbruch und Neubau), die bauliche Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen in der Kläranlage und der Beschluss des Gemeinderats über die Hochwasserschutzmaßnahmen Teilbereich Hochwasserrückhaltebecken und Regenwasserkanal im Althengstetter Tal.
Was wird 2026 die größte Herausforderung für Ihre Gemeinde?
Finanzen. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich der Kassenstand von mehreren Millionen Euro Guthaben zu einer Verschuldung in Höhe von 3,75 Millionen Euro. Das liegt auch an der Kita Wiesennest, aber nicht ausschließlich. Fast alle Kommunen und Landkreise haben riesengroße Finanzprobleme. Auffallend ist, dass sich die Situation für alle in rasantem Tempo dramatisch verschlechtert hat. Das System ist krank. Bund und Land sind gefragt. Das Konnexitätsprinzip (wer bestellt, zahlt) muss nicht nur für das Land, sondern auch bezüglich Bund im Verhältnis zu Kommunen und Landkreisen gelten.
Ende Januar 2026 steht die erste Fahrt der Hesse-Bahn an. Welche Bedeutung hat das für Sie?
Die mit Abstand größte Auswirkung gibt es für die Kommunen mit Bahnhof. Gechingen grenzt an Althengstett und Ostelsheim an. Deshalb ist die Hesse-Bahn auch von Bedeutung für Gechingen und die Raumschaft insgesamt. Details werden sich noch zeigen.
Der Job des Bürgermeisters scheint in den vergangenen Jahren immer härter geworden zu sein – mit allen negativen Konsequenzen. Auch im Kreis Calw ist das zu spüren. Was macht Ihnen beruflich am meisten zu schaffen? Und was müsste sich ändern, um das zu verbessern?
Finanzen. Das System müsste sich ändern (s.o.). Anspruchsdenken und Grundhaltung einiger (nur ein untergeordneter, aber sich zeigender Teil) Einwohner. Der „Blick fürs Ganze“ würde die Perspektive positiv verändern. Einige nehmen ein „Nein“ sehr persönlich mit entsprechender Reaktion statt es auf die Sache zu beziehen.
Egal ob Windräder, Baugebiete oder Mobilfunkmast - immer öfter bildet sich organisierter Widerstand gegen größere Projekte in der Nachbarschaft. Halten Sie das für legitim? Oder greift hier eher das Sankt-Florian-Prinzip, das im englischsprachigen Raum auch als „not in my backyard“ („nicht in meinem Hinterhof“) bekannt ist?
Legitim ja. Digital lässt sich der Widerstand einfach und schnell organisieren. Leider ist der Widerstand teilweise rechtlich nicht fundiert. Online-Äußerungen können und dürfen nicht das rechtmäßige Handeln der zuständigen Behörde „ersetzen“. Sankt Florian greift zum Beispiel beim Thema Windenergieanlagen. Strom brauchen alle privat und/oder beruflich. Lagerung radioaktiver Abfälle will niemand vor der Haustüre. Kohlekraftwerke sind relevant bezüglich Kohlendioxid und Auswirkungen auf unser Klima. Gerade im Süden von Deutschland kann die dezentrale Erzeugung von Energie mit PV und Windenergieanlagen eine gute Alternative sein.
Die Finanzlage der Kommunen ist schlecht, überall muss gespart werden. Zurückstecken will natürlich niemand. Ist die Erwartungshaltung der Bürger in dieser Situation realistisch?
Der Eindruck entsteht, dass einigen Bewohnern von Kommunen der Ernst der Finanzlage nicht richtig bekannt und bewusst ist. Der Bürgerbrief des Gemeindetagspräsidenten Steffen Jäger ist kein PR-Gag. Dieser erste Bürgerbrief vom Gemeindetag zeigt, wie ernst die Lage ist. Die Kommunen schaffen es nicht allein durch Reduzieren von Ausgaben/Erhöhen von Einnahmen wie zum Beispiel diverser Gebühren und Hebesätzen für Grundsteuer wie in vielen Kommunen praktiziert. Das kranke Finanzsystem muss insbesondere vom Bund, aber auch vom Land zeitnah geändert werden.
2026 wird der Landtag gewählt. Welchen Wunsch haben Sie an die neue Landesregierung?
Fairer Umgang mit Kommunen und Landkreisen insbesondere beim Thema Finanzausstattung der Kommunen. Das Land soll Vertrauen in die Kommunen und Landkreise haben. Regelungsdichte nicht noch weiter erhöhen. Verschlanken macht die Arbeit leichter und schneller.
Und zu guter Letzt noch etwas Persönliches: Was war Ihr schönster Moment 2025?
Beruflich die Auslieferung des neuen Feuerwehrfahrzeugs am 17. Dezember. Dabei hat mich vor allem das Fachwissen (da hat auch die Herstellerfirma davon profitiert) und das Engagement der Feuerwehrangehörigen bezüglich der Ausstattung des Fahrzeugs und die hohe Motivation bei der Planung vorab und der ganzen Mannschaft beim „Einlernen“ fasziniert. Die Freude war spürbar riesengroß.