Wie ist es, auf einer Palliativstation zu arbeiten, und was unterscheidet diese Station von einem Hospiz? Muss man sich speziell weiterbilden, um auf der Palliativ zu arbeiten? Volker Damm, leitender Oberarzt auf der Palliativstation im Zollernalb-Klinikum Balingen, gibt Antworten.
Überaus dankbare Patienten, Krankheit und Sterben,Trauer, aber auch Spaß, Lebensqualität und genug Zeit – all das ist allgegenwärtig auf der Palliativstation.
Sie kommen jeden Tag gern zur Arbeit, Herr Doktor Damm. Warum ist das so?
Ich habe tatsächlich „Spaß“ an meiner Arbeit – auch wenn sich das aufgrund der schwer erkrankten Patienten, die wir hier behandeln, „falsch“ anhört. Alle, die hier auf unserer Station arbeiten, bekommen viel Lob von Patienten und Angehörigen. Wir haben so viele Erfolgserlebnisse in unserem Handeln, dass es sich gut anfühlt, etwas Sinnvolles tun zu dürfen. Wenn es Zeit ist zu trauern, dann trauern wir mit Patienten und Angehörigen. Und wenn es Zeit ist, für einen Spaß, beziehungsweise Dinge, die Lebensqualität bedeuten, dann nehmen wir uns auch dafür Zeit – und das großzügig!
Was ist der Unterschied zwischen einer Palliativ-Station und einem Hospiz?
Die Palliativstation ist für Patienten, die wegen einer schweren, unheilbaren Erkrankung akut viele Probleme haben. Wir verstehen uns als „Feuerwehr“ für alle akuten Probleme, die schwere Erkrankungen mit sich bringen. Die Behandlung auf der Palliativstation ist zeitlich begrenzt.
Die Patienten sollen nach unserer Behandlung entweder gestärkt wieder nach Hause, in ein Pflegeheim oder ins Hospiz gehen. Ungefähr die Hälfte unserer Patienten ist so schwer erkrankt, dass sie in einem absehbaren zeitlichen Rahmen bei uns in Ruhe und Würde versterben dürfen. Die Angehörigen werden bei uns mit betreut.
In einem Hospiz hingegen „wohnt“ man als schwer erkrankter Mensch – umgeben von Fachpersonal, das ebenso wie wir extra dafür ausgebildet ist, Schwerkranke optimal zu versorgen. Es darf auch hier in Ruhe und Würde gestorben werden. Oft ist das Lebensende nicht klar absehbar, und viele Erkrankte leben noch mehrere Monate.
Welche „Voraussetzungen“ muss ein Patient erfüllen, um auf die Palliativ-Station zu kommen?
Durch die Erkrankung müssen viele Probleme bestehen, die wir während des stationären Aufenthaltes auf der Palliativstation lösen oder bessern wollen. Probleme können zum Beispiel sein: Schwere Symptom- oder Problembelastung, führende Beschwerden sind meistens Atemnot, Schmerzen, Übelkeit, Angst und Unruhe. Unsicherheiten bezüglich des Therapieziels und in der Krankheitsverarbeitung, aufwendige medizinische oder pflegerische Versorgung oder Überforderung bei der häuslichen Versorgung. Patienten nach einer onkologischen Behandlung kommen zum Stabilisieren zu uns.
Gibt es eine spezielle Ausbildung, die man absolviert, um auf der Palliativ arbeiten zu können?
Wir sind ein multidisziplinäres Team – viele Disziplinen arbeiten Hand in Hand, um Probleme der Patienten zu lösen. Jede Disziplin hat ihre spezielle Weiterbildung palliativ. Die Pflege durchläuft eine Zusatzausbildung „palliative care“. Um die Zusatzbezeichnung „Palliativmediziner“ zu erwerben, muss als Facharzt eine Zusatzausbildung abgeschlossen werden.