Marc Schlotter – wohin führt sein Weg mit der SG? Foto: Haag

Bezirksliga-Absteiger SG Vöhringen geht als Zweiter der Kreisliga A Staffel 1 in die Winterpause. Wie stehen die Chancen, den Spitzenreiter SV Dietersweiler noch einzuholen?

Auch auf seine eigene Zukunft geht der spielende Coach im Gespräch ein, und erklärt, was ihm am Fußball wichtig ist.

 

Herr Schlotter, wie zufrieden sind Sie in Ihrer Funktion als spielender Co-Trainer der SG Vöhringen, und wie lautet Ihre Vorrundenbilanz nach dem Bezirksliga-Abstieg?

Wäre ich mit unserer Hinrunde zufrieden, wäre ich an der falschen Position. Wir sind zwar ordentlich und standesgemäß in die Saison gestartet, haben es anschließend aber zu oft verpasst, gegen vermeintliche Kellerkinder die passenden Lösungen zu finden. In diesen Spielen haben wir unnötig viele Punkte liegen lassen, und das darf nicht unser Anspruch sein.

In den letzten sechs Spielen war aus Ihrer Sicht etwas Sand im Getriebe. Nur sechs Punkte von möglichen 18 – woran hat es gehapert und warum lief es in den Spielen davor deutlich besser?

In diesen sechs Partien haben wir magere fünf Tore erzielt. Dabei standen uns überwiegend gegnerische Defensivreihen gegenüber, gegen die, bei allem Respekt, deutlich mehr möglich gewesen wäre. Teilweise haben mir der Wille und die Leidenschaft gefehlt. Oft haben wir Dinge einfach akzeptiert und hingenommen. In der Bezirksliga war die Mentalität unsere größte Waffe. Die müssen wir uns schnell wieder aneignen, sonst wird es auch in der Kreisliga A nicht reichen, um ganz oben mitzuspielen.

27 geschossene Tore sind nicht gerade ein Spitzenwert in der Liga. Spielt Ihre Mannschaft einen defensiven Fußball, oder woran liegt die eher durchschnittliche Torausbeute?

Einen defensiven Ansatz verfolgen wir in dieser Saison definitiv nicht, auch wenn das Torverhältnis etwas anderes vermuten lässt. Seit Jahren versuchen wir, die Verantwortung im Offensivspiel auf mehrere Schultern zu verteilen, das ist bekannt. Wir haben vorne Spieler, die alle in der Lage sind, für Gefahr zu sorgen. Entscheidend dafür ist aber das kollektive Zusammenspiel – und das hat in der Vorrunde zu selten funktioniert. Wie im Fußball üblich, beginnt die Defensivarbeit ganz vorne und genauso beginnt das Offensivspiel heutzutage oft schon beim Torhüter oder den Innenverteidigern. An diesem Zusammenspiel aller Mannschaftsteile und an unserer Effizienz müssen wir arbeiten.

Zum Ende des Jahres liegt die SG Vöhringen drei Punkte hinter Tabellenführer SV Dietersweiler bei einem Spiel weniger. Dahinter folgen der SV Glatten, der SV Mitteltal-Obertal und die TSG Wittershausen. Sind das die Mannschaften, die auch am Saisonende ganz oben stehen werden?

Mit Wittershausen habe ich aufgrund der individuell starken Offensivspieler gerechnet, mit Dietersweiler wegen der Geschlossenheit und enormen Kampfstärke. Beide Teams werden bis zum Schluss oben mit dabei sein. Der SV Glatten zeigt eindrucksvoll, wie weit man in dieser Liga mit einer funktionierenden Offensive kommen kann. Dort tragen im Prinzip drei Spieler das gesamte Team. Im Hinspiel musste Marc Hitzel gegen uns leider verletzt raus, danach war das ein völlig anderes Spiel. Wenn er und Felix Loch fit bleiben, werden sie bis zum Schluss oben dabei sein. Gegen Mitteltal-Obertal habe ich urlaubsbedingt gefehlt, deshalb kann ich dazu nur bedingt etwas sagen. Man darf aber nicht vergessen, dass sie erst letzte Saison noch Bezirksliga gespielt haben und sicher einige gute Fußballer in ihren Reihen haben. Wofür es am Ende reicht, wird sich zeigen.

Welche Lehren haben Sie als Trainerteam und als Mannschaft aus der ersten Saisonhälfte gezogen, und woran wollen Sie in der Vorbereitung arbeiten, um das Ziel „Wiederaufstieg“ nicht aus den Augen zu verlieren?

Auffällig ist in dieser Saison, dass es kein Team gibt, das einsam an der Tabellenspitze seine Kreise zieht. Alle Favoriten haben bereits mehrfach Federn gelassen. Wir haben inzwischen gegen jedes Team gespielt und kennen deren Stärken und Schwächen. Daraus ziehen wir die Erkenntnis, dass wir weiterhin sehr gute Chancen haben, wenn wir unsere Hausaufgaben machen. In der Rückrunde wird entscheidend sein, wer Konstanz zeigt. Genau daran wollen wir im Winter arbeiten. Das Team, das in der Rückrunde eine Serie startet, wird aufsteigen. Davon bin ich überzeugt.

Wann startet die Wintervorbereitung und wird Ihr Team auch in der Halle zu sehen sein?

Wir starten offiziell am 3. Februar 2026 in die Vorbereitung. Davor nehmen wir noch am Empfinger Hallen-Cup teil und spielen natürlich auch den traditionellen Mühlbachpokal in der Halle. Das ist für mich allerdings zweitrangig.

Nach der Saison wird Cheftrainer Denis Gonszcz die SG Vöhringen verlassen. Wie geht es für Sie persönlich weiter?

Ich habe dem Verein klar kommuniziert, dass ich meinen Weg im Trainergeschäft gerne weitergehen möchte, idealerweise natürlich in Vöhringen. Ich bin eng in die Trainerfindung eingebunden und würde mich bei einem passenden Kandidaten auch weiterhin als Co-Trainer zur Verfügung stellen, sofern eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe möglich ist. Perspektivisch beschäftige ich mich aber auch mit dem Gedanken, bei einem anderen Verein Verantwortung zu übernehmen und mich dort zu beweisen. Das müsste allerdings ein ambitionierter Verein sein, der auch zu mir passt.

Marc, Sie haben das Traineramt als spielender Co-Trainer von Pascal Kopf übernommen. Was hat Ihnen dieses halbe Jahr konkret für Ihre Entwicklung gebracht, und ist der Trainerschein ein Ziel für Sie?

Wenn man in so eine Rolle hineinwächst, nimmt man automatisch sehr viel von den Trainern mit, die man selbst erlebt hat – sowohl Positives als auch Negatives. Beides zu reflektieren, sinnvoll zu kombinieren und daraus eine eigene Handschrift zu entwickeln, ist für mich aktuell die spannendste persönliche Entwicklung. Besonders herausfordernd ist der Spagat zwischen Spieler und Trainer: Auf dem Platz mitverantwortlich zu sein, wenn es nicht läuft und gleichzeitig von der Mannschaft als Trainer akzeptiert zu werden. Ich glaube, diesen Balanceakt meistere ich bisher ganz gut, und genau darin liegt für mich auch ein großer Entwicklungsschritt. Im Sommer werde ich den Basislehrgang absolvieren, um die darauffolgenden Lizenzen machen zu können.